Der jungen Königin Krönung

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Ausgabe Nummer 24 - Boron 1022 BF

Der jungen Königin Krönung

Vom mittäglichen Almada her, wo sie auf der Pfalz Cumrat zur Herrscherin gekrönt worden war, kam die Prinzessin Rohaja in der Göttlichen Leuin Mond über Ragath ins Koscher Land gezogen, dessen künftige Königin sie war.

Seit der Lichtbote Jariel Heliodan die Provinz bereiste, hatte diese nicht mehr einen solchen Glanz gesehen. Wohl war die Equipage an Köpfen kleiner als die heimischen (aber auch albernischen und nordmärkischen) Heerscharen, die in den vergangenen Praiosläufen das Land zur Heerschau im Osten hin durchmessen hatten, doch von unendlicher größerer Pracht als jene in grobes Leder und kalten Stahl gewandeten Kriegerscharen.

Wimpel und Banner in den Farben des Reiches, die kostbaren Gewandungen und die kaum minder herrlichen Zaumzeuge und Beschläge der Kutschen, die blitzenden Kürasse der Prinzengarde, — all das bestaunten die braven Landsassen, und hier und da vergaß gar einer, sich vor der Majestät zu beugen und den Hut zu lüpfen und starrte fassungslos auf die Gesellschaft der Königin.

All deren Pracht aber ward überstrahlt von dem Juwel ihrer Mitte, der Prinzessin Rohaja selbst (die freilich schon die Kronen Gerbalds und Eslams empfangen hatte und mithin bereits eine zwiefache Königin war). An ihrer Seite waren stets die Schwester, Ihre Kaiserliche Hoheit Yppolita, und der Wahrer der Ordnung, Meister Pagol aus dem landgräflichen Geschlecht derer von Greifax. Auf einen treuen Rat mußte die junge Königin freilich verzichten: Ihre Frau Mutter, die tapfere Königin Emer, hielten die Pflichten der Reichsregentin in Gareth zurück.

Wo die Pfeiler mit dem eingemeißelten Keiler die Grenze des Kosch markieren, empfingen sie der Erbprinz Anshold vom Eberstamm und sein Bruder Edelbrecht — von denen der ältere der Prinzessin Rohaja, der jüngere aber ihrer Schwester Yppolita den Marschallsdienst erwies. Mit sich führten des Fürsten Söhne und Herolde das alte Banner Ondifalors und fügten so den Farben des königlichen Zuges das Schwarz-Grün des Kosch hinzu.

Im Gefolge der künftigen Königin konnten die Ritter der beiden Prinzen einige bekannte Gesichter erspähen und Wiedersehen feiern: Eine Anzahl koscher Edler hatte nach der Schlacht an der Trollpforte in Gareth Station gemacht und dort beschlossen, im Gefolge der Prinzessin in ihre Heimat zurückzukehren. Die darpatische Rittfrau Ludgera von Ochsenwasser hatte gar nach dem Heldentod des Reichsbehüters den Schwur getan, nicht eher heimzukehren, als bis Darpatien nicht mehr ohne Königin sei, und dafür einen monatelangen Umweg frohen Mutes in Kauf genommen.

Noch größer sollte der Zug während seines ganzes Weges werden: Denn groß war die Zahl der Edlinge, die zur Krönungsstätte reisen wollten, und noch größer die Zahl der Gaben, die die Koscher jeden Standes ihrer neuen Königin verehren wollten — in der Tat so groß, daß der Truchseß der kaisl.-kgl. garetischen Hofhaltung dafür bald einen eigenen Bagagemeister ernennen mußte und schließlich zu Angbar zwei Kutschen der Stellmacherei Artaxesch erstehen mußte, um alles fortschaffen zu können. Auf Wunsch der Königin soll ein Großteil der Ihrer Majestät verehrten Gaben nun freilich den aus ihrer tobrischen Heimat Vertriebenen zu gute kommen.

Ferdok war nun die erste wichtige Reisestation im koscher Lande. Wohl hatten der von seiner in der Trollpfortenschlacht erlittenen Blessur genesene Meister Growin und sein Vogt Ernbrecht von Plötzbogen die Ferdoker Bürger zum ihnen nachgesagten Fleiß angehalten, so daß die Hafenstadt glänzte wie lange nicht. Schnell machte jedoch das Wort die Runde, daß die Prinzessinnen enttäuscht von der Schlichtheit der für sie geräumten Grafenresidenz waren, hatten sie sich doch nach den eher bescheidenen Gastungen des Weges von der berühmten Grafenstadt angenehmeres erwünscht. Begeistert zeigte sich Jungfer Rohaja jedoch von der Parade der Gardereiterinnen. Marschallin Angunde von Falkenhag erhob die Prinzessin zur Ehrenobristin des Regiments — eine Ehre, die zuletzt der gefallenen Herzogin Efferdane von Eberstamm-Ehrenstein zuteil ward.

Als die kaiserlichen, königlichen und fürstlichen Banner aus der Stadt getragen wurden, da begleitete sie auch des Grafen Standarte, der seine allerorten bekannte Reisekutsche bestiegen hatte. Zudem war der Troß um sieben Wagen gewachsenen, die gutes Ferdoker für die Festivitäten zur Schwertschlucht brachten. Von Ferdok aus ging es nun gen Nadoret, das königliches Lehnsland ist, seit weiland Herr Dajin seinem alten und edlen Geschlecht Schande bereitete und sich zur Answinzeit auf die Seite des Thronräubers stellte.

Dort wartete Vogt Alerich von Nadoret-Nadoret der Prinzessin auf, seinen praiosgeweihten Verwandten Jerodian zur Seite, den er jüngst an Stelle der geschaßten Beraterin Rholena an seinen Hofe geholt hatte. Wie groß war die Freude des wackeren Vogtes, als die kaiserliche Jungfer ihn zum Abschied wissen ließ, der Aufenthalt in Nadoret habe sie vermerken lassen, wessenthalben das Haus Nadoret solcherart stolz sei auf sein altes Lehnsland — und sie darob beschlossen habe, ihm das Verlorene zurückzugeben (und er, Alerich mithin Baron sein würd’).

An den Gestaden des Sylbrigen Sees empfing der ans Rundhorn von Ingerimms Amboß geschmiegte Grafensitz Koschtal den Zug der kaiserlichen Zwillinge, und es war, als erwache das Städtchen nach Götterläufen aus seinem Schlummer der Geruhsamkeit …

Das letzte einermaßen turbulente Ereignis, an das sich die Städter zu entsinnen vermochte, war das Treffen gewesen, zu dem der Cantzler von Sighelms Halm die zum Prasker Hoftag gesandten Adeligen vor ihrer Abreise hier versammelt hatte. So viel edles und einfaches Volk wie heuer war aber nicht einmal zur Krönung des Fürsten Blasius im Jahre 2 Hal zusammengekommen. Jener indes war, so ging nun die Kunde, mit zahlreichen Recken Wengenholms und aus der Seengrafschaft geradewegs von seiner Feste Fürstenhort nach der Schwertschlucht geritten, wo er die Prinzessin erwarten wollte.

Aber auch ohne den Fürsten und seine Gefolgschaft war es eng genug für die Gesellschaft auf der Burg Götterzahn, wo der Truchseß Garubald Grobhand die seit Jahren unbenutzten Gastgemächer hatte herrichten lassen. Komteß Iralda von Bodrin bereitete den kaiserlichen Zwillingen einen denkbar herzlichen und für Koschtals Größe nicht prächtiger denkbaren Empfang. Ihrem Vater, dem alten Grafen Helkor, aber kam die Aufgabe zu, die künftige Königin gemeinsam mit dem Groß-Siegelwahrer, dem „Schönen Grafen“ von Falkenhag, und dessen Bruder, dem fürstlichen Hof-Herold Hernobert, auf die Zeremonie des kommenden Tages einzustimmen.

Noch bevor es tagte, begann der Ritt ins Gebirge. Dort droben im Schwertgraben sollte die fürdere Königin, wie seit den Tagen Herre Angfolds vom Eberstamm Brauch und Sitte ist, die Krone und den Lehnseid der Vasallen empfangen.

Zuvor aber mußte die Jungfrau Rohaja noch eine Prüfung bestehen: Denn wie ein jeder weiß, ist die Schwertschlucht der göttlichen Leuin geheiligte Teil des Zwölferganges. Rondrens Macht aber offenbart sich durch dumpfes Grollen, das sich zu einem Tosen steigert und bald die ganze Schlucht erfüllt, daß die Pilger fürchten läßt, bald werde sie ein Steinschlag um Leib und Leben bringen und gänzlich verschütten. Die tapfere Prinzessin aber ging festes Schrittes in Gottvertrauen voran und querte die Klamm unbeschadet, woraufhin sie gekrönt ward.

Da jubelten all die Barone und Junkerinnen, die Edlen und Ritter, und fielen auf die Knie, denn sie war eine würdige Königin und den Zwölfen lieb. Der Fürst und seine Söhne und die Grafen des Landes beugten vor der Königin das Haupt und überhaupt war es ein einziges Vivat! und Hoch!, das gar nicht enden wollte.

Auch aus den Hinterkosch hatten einige Adelige die Basaltmauer des Gebirges gequert, um der künftigen Kaiserin zu huldigen. Der edelste von diesen war der tüchtige Landgraf Alrik Custodias-Greifax, der, als seine Bastard-Herkunft aus dem alten Haus Greifax noch ein Geheimnis war, vom Kaiser allein ob seiner Verdienste zum Erben Hlûthars erhoben war (und in seinem Gefolge die Baronin Veriya von Trappenfurten und ihr Sohn, der Baron-Prädent von Urbeltor). Dem koscher Fürsten, bei dem Herr Alrik trotz des bockigen Gehabes seiner Lehnsmannen in einigem Ansehen steht, überbrachte der Landgraf noch einmal eine förmliche Ladung für den zu Gratenfels anstehenden Landtag der Nordmarken.

Beim Gastmahl warteten der Köngin der Fürst selbst und alle Grafen auf, denn so ist es Brauch. Doch kamen die Koscher auch nicht in Verlegenheit, der kaiserlichen Schwester eine viel mindere edle Dienstmannschaft angedeihen zu lassen; diese stellten nämlich des Fürsten Söhne und schließlich Seine Liebden Jarlak, der tobrische Erbprinz und des Fürsten Großneffe obendrein (seiner Amme noch nicht entwachsen, doch voller Eifer ob des festlichen Tages).

Gen Firun über Rhôndur und Rohalssteg ging’s längs des Angbarer Sees, bis der Zug schließlich die hohen Mauern der Capitale erreichte. Der Reichsvogt zu Stippwitz bot ihr kniend einen Schatulle von Gold und Silber dar, darinnen auf einem samtenen Kissen die mächtigen Schlüssel der vier Stadttore und der Angbarer Zitadelle lagen. Wie es Brauch ist, dankte die Königin dem Vogt und ließ ihr Roß von ihm in die Stadt hinein führen.

Die Ratsherren hielten über dem königlichen Zelter den über und über bestickten und mit vielerlei Troddel versehenen Baldachin, der eigens zu diesem Behufe im Angbarer Zeughaus verwahrt wird. Die Zünfte waren allesamt in ihren Trachten aufmarschiert und gaben der Königin Geleit, Standarten und Meister vorneweg, eine Kapelle mit Blasmusik und Paukenklang obendrein — bis zum Fürstenschlosse Thalessia, in dem die Majestät die Nacht verbringen wollte.

Die Angbarer Bürger aber konnten sie schon in des nächsten Tages Frühe wieder bestaunen, als sie an der Bundessäule den Bund auf Ewig aufs Neue beschwor. Dort erwarteten die Königin auch die Emissäre der Bergkönige von Amboß und Koschim und der Oberste Richter der Hügelzwerge, Meister Nirwulf — denn Angbar ist eine zwergische Gründung, in der die Rechte des Kleinen Volks älter sind als die der Menschen.

An der Heldentreppe des Rondratempels wurden hernach im Beisein der kaiserlichen Zwillinge zwei neue Statuen enthüllt, die den Heldenkönig Brin und den Ogerbezwinger und Maraskanhelden Kaiser Hal darstellten. „An diesen Heroen wird sich messen müssen, wer künftig würdig einer Statue erachtet werden soll“, verkündete des Tempels provisorischer Vorsteher, Bolzer von Stanniz-Zweizwiebeln. Kaiser und König stehen nun am Ende jener Reihe der vortrefflichsten Streiter, welche von Kaiser Raul und Marschall Baduar begonnen wurde.

Von Angbars Hafen aus schiffte sich die nunmehr etwas verminderte Gesellschaft mit einem Ruderschiff, das einst Kaiser Bardo vor Götterläufen erbauen ließ, als er auf dem Eiland Pervalia seinen Sommer verbrachte, zum Schlosse Grauensee ein. Dort hatte der für solcherlei Amüsement famose Graf Orsino einen „Ball der See-Elfen und Noggen“ ausgerichtet hatte, der der Königin ihr koscher Land sicherlich in herzlichster Erinnerung verbleiben ließ1, als sie andertags beim Steinbrücken den Großen Fluß in östlicher Richtung überschritt und auf Rommilys zustrebte.

Stitus Fegerson

1 — Auch wenn, so heißt es, nicht wenige langgediente Bauernbarone von altem Schrot und Korn über solcherlei Prunk nur den Kopf schütteln konnten oder gleich zuvor in ihre Lehen zurückgekehrt werden.