Neuigkeiten aus der Hauptstadt - Kosch-Kurier 83

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Ausgabe Nummer 83 - Rahja 1047 BF

Neuigkeiten aus der Hauptstadt

Zu keiner Zeit des Jahres ist die Stadt am Grauen See so lebendig wie im Ingerimm und Rahja. Im Feuermond findet bekanntlich die große Warenschau statt, und im Freudenmond lockt das Seefest unzählige Gäste in die Eherne und die umliegenden Orte.

Bronnjarenklause neu eröffnet

Nach dem Tod der bisherigen Wirtin Baernja Sjepensen im Firun (siehe KOSCH-KURIER Nr. 82) blieb die beliebte Bornische Bronnjarenklause für eine Weile geschlossen.

Seit Anfang Peraine ist das urige Lokal jedoch wieder geöffnet und bietet seinen Gästen Spezialitäten aus dem Norden an wie Festumer Kartoffelsuppe, Piroggen nach Norburger Art oder sewerischen Bärenschinken. Selbstverständlich kann man dazu auch ein Krüglein Met oder ein Gläschen Meskinnes genießen.

Neuer Gastgeber ist Amur Filajeff. Am Abend der Neueröffnung war die Klause zum Bersten voll, doch als echter Norbarde schickte Filajeff keinen der Gäste fort: „Wird sich fir eich finden lassen a scheenes Plätzl, no?“, tönte er mit wohlklingendem Bariton.

Kein freies Bett am Ingerimmsmarkt

Die Angbarer Warenschau erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. In der Zeit vom 21. - 23. Ingerimm sind die Betten in den Gasthäusern der Ehernen rar, und so mancher Händler, manche Kauffrau von außerhalb reist daher schon zwei bis drei Tage vorher an, um noch ein Quartier zu bekommen – was natürlich ins Geld geht.

Andere haben eine phexischere Lösung gefunden: Sie reservieren bereits fürs nächste Jahr ihr Quartier – und zahlen im Voraus. So gut ist der Ruf der Angbarer Wirtezunft, dass man dieses Risiko eingeht.

Überfall auf Geldverleiher

Der in Angbar ansässige Geldverleiher Gaftaro Ossantani wurde bei einem abendlichen Spaziergang am 15. Rahja von einem Unbekannten überfallen. Der Täter fügte dem (eigentlich als wehrhaft geltenden) Wucherer mehrere gefährliche Wunden zu, vermutlich mit einem Messer. Nur dem Zufall in Gestalt zweier des Weges kommender Schmiedinnen hat Ossantani es zu verdanken, dass er mit dem Leben davonkam. Es steht zu vermuten, dass der flüchtige Täter zu der großen Kundenschar des Geldverleihers zählt und sich auf diese Weise seiner Schulden entledigen wollte.

Ein stummer Mahner beim Seefest

Ein düsterer Schatten mischte sich ins freudige Treiben beim Seefest. Als die Feiernden im Lichte der Fackeln zur Lände in Barschensee kamen, stand dort ein Mönch im nachtschwarzen Habit der Zorkabiner, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. In seiner Rechten hielt er eine ebenfalls schwarze Standarte, auf welcher in weißer Schrift geschrieben stand: „Memento mori!“ („Denke daran, dass du sterben musst!“).

Die Rahjageweihte Silvana da Galba, die wieder nach Angbar gekommen war, um die Feierlichkeiten zu leiten, trat dem Mönch mit einem Lächeln entgegen und sprach: „Es ist gut, sich dessen bewusst zu sein, Bruder. Allein, der Herr Boron ist auch der Gott des Vergessens. Und darum lasst uns heute für ein Weilchen nicht daran denken, dass wir sterblich sind, und uns allein den Freuden des Lebens hingeben.“

Sprach’s und bestieg ihr prächtig geschmücktes Schiff. Aber der Diener des Raben mischte sich gleichfalls unter die Feiernden auf dem See – mit einem pechschwarzen Kahn, den er mit grimmigem Ruderschlag antrieb und bald hierhin, bald dorthin zu lenken wusste. Den meisten, die ihn sahen, lief zwar ein Schauer über den Rücken (so auch dem Schreiber dieser Zeilen), aber die bunten Lichter, das Gelächter und die Macht der Liebe waren stärker als der Tod – zumindest in dieser einen, von Rahja gesegneten Nacht.

Stipendium für junges Genie

Eine besondere Ehre wird einem Mädchen aus Tante Goswines Waisenhaus zuteil: Die erst 14-jährige Jolande Weißdorn wird ab dem 1. Praios die Meisterschule von Zirkel und Lot besuchen. Das Mädchen verfügt über ein erstaunliches Talent, mit Zahlen umzugehen, und meistert komplizierte Rechenaufgaben im Handumdrehen. Aufgefallen war dies Barthel Thirlan, dem Betreiber der Angbarer Papiermühle. An ihn hatte Goswine Birnbrodt die junge Jolande als Dienstmagd vermittelt. Dank seiner Fürsprache (und dem notwendigen Stipendium) öffneten sich für das Waisenkind die Tore der Zirkelschule. Auch Meister Rotwang zeigte sich nach Abschluss der Aufnahmeprüfung beeindruckt: „Es wäre eine Sünde, solch ein Talent verkümmern zu lassen“, erklärte er.

„Kaiserschiff“ in der Werft

Das beliebte Ausflugsschiff „Barschbügler“ ist in die Jahre gekommen und muss ins Dock. Das Schiff stammt noch aus den Zeiten der Kaiserzwillinge Bardo und Cella, es wurde aber schon des Öfteren ausgebessert. Nun scheinen die Schäden so groß zu sein, dass eine gründliche Überholung notwendig ist. Den Sommer über wird es wohl nicht zur Verfügung stehen.

Karolus Linneger