Hartsteiger Berggschicht`n - Das Ende einer Reise

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Im Riesenbrunnental, Ende Peraine 1047 BF

Der Blutverlust und die Schmerzen in seiner Schulter machten Baerwin ziemlich zu schaffen. Die heilkundige Halbelfe war nach dem Kampf rasch zu ihm gekommen und hatte ihm ein Fläschchen zu trinken gegeben. Das Getränk hatte süßlich geschmeckt, doch der Schmerz wurde dadurch etwas erträglicher. Sie hatte das gleiche Getränk auch Rigolosch angeboten, doch der Angroscho hatte brummend abgelehnt. Die Beiden verstanden sich augenscheinlich immer noch nicht besonders. Daher hatte Cildariel Sarindelgruber seine Wunde, verursacht durch den Streithammer, einfach so verbunden. Zuerst aber hatte sie diese mit starkem Alkohol gesäubert und davon hatte der Angroscho dann, zur Verwunderung der Heilerin, einen guten Schluck genommen.

Anschließend hatte sie Kuniswart behandelt, denn der Arme hatte sich ordentlich übergeben, als er wieder zu Bewusstsein kam. Nur für Hasmut konnte sie nichts mehr tun. Dieser lag in seinen letzten Zügen, aber Arnhelm war an seiner Seite und hörte ihm zu. Als die Heilerin wieder zu Baerwin kam, fühlte sich dieser sehr benebelt. „Wa… Wass war in nem Getränk?“ Die Halbelfe grinste schief, „Eine Mischung aus Heilkräutern und Schönaugbeeren. Und jetzt haltet still.“ Sie griff eine Art von scharfem Messer und machte sich an Baerwins Schulter zu schaffen. Dann ergriff sie eine tückisch aussehender Wundzange, die einen schmalen, langgezogenen Kopf hatte und führte deren beide schmalen Enden in die Wunde ein. Mit einer schnellen Bewegung dehnte sie die Wunde auf, packte dann das Geschoss und zog anschließend rasch den Bolzen aus Baerwins Schulter, so dass dem jungen Ritter erst mal schwarz vor Augen wurde.

Balbine und Wirolf waren nun ebenfalls zu ihnen gekommen, sobald Sie sich sicher waren, dass die Luft rein war. Die Halbelfe verband gerade seine Wunde, als der Ritter einen Blick in ihre Medizintasche warf und dieser plötzlich von zwei großen, braunen Augen erwidert wurde. Benommen schüttelte der Ritter den Kopf, hatte er gerade richtig gesehen? „Cildariel, ich glaube ihr habt eine Kröte in eurer Tasche.“ Die Halbelfe sah ihn erschrocken an und meinte dann, „Ihr müsst euch irren Wohlgeboren. Wahrscheinlich sorgt mein Trank für leichte Halluzinationen bei euch.“ Baerwin blinzelte verwirrt, aber jetzt wo Sie gerade seine Wunde verband, wollte er auch nicht mit ihr streiten außerdem waren seine Schmerzen noch immer stark. Nachdem Sie ihn versorgt hatte, ging sie wieder zu Kuniswart und kümmerte sich um diesen. „Was für ein Schlachtfeld.“ brummte Balbine als sie zu dem jungen Ritter trat. Baerwins Blick folgte ihrem und er verstand was sie meinte. Es lagen vier Menschen und ein Angroscho tot darnieder, dann waren da zwei verwundete Bergleute, welche noch in ihrem eigenen Blut lagen und von ihren Kameraden einfach so aufgegeben wurden. „Ja verdammt.“ meinte der Ritter, das hatte er sich doch einfacher vorgestellt.

Balbine half Baerwin aufzustehen und gemeinsam mit ihr ging er dann zu dem alten Waffenknecht Hasmut. Wirolf war bereits bei ihm und schien mit ihm zu beten. Dann meinte er zu dem jungen Ritter. „Für ihn gibt es keine Rettung mehr. Er muss nur noch leiden. Gib mir den Befehl und ich werde ihn erlösen.“ Baerwin schluckte erschrocken und blickte dann zu ihrer Heilerin, die jedoch nur traurig nickte. Wirolf hatte rasch sein spitzes Firunsmesser in der Hand und meinte, „Hasmut, der große Jäger sieht auf dich. Du warst stark im Leben, sei nun stark in deinem letzten Moment auf Dere.“ Aus Hasmuts Mund schien zur Antwort nur noch Blut zu kommen, so dass er lediglich schwach nickte. Mit einer Schnelligkeit, die Baerwin noch nie gesehen hatte, stieß der Geweihte zu, damit nicht noch die Angst von Hasmut Besitz ergreifen und er es sich anders überlegen konnte. Der Geweihte traf genau die Schlagader, Blut spritze und Hasmuts Augen wurden in wenigen Sekunden trüb. Wirolf hob das gerötete Messer zum Himmel und betete „Alter vom Berg, dieser Mann hat im Leben all deinen Herausforderungen getrotzt, immer sein Bestes gegeben auch kurz vor seinem Tod. Er war selbstbeherrscht, zäh und ohne Furcht bis zu seinem Ende. Nimm ihn daher in deine göttlichen Jagdgründe auf, oder geleite ihn zu einem der anderen göttlichen Paradiese.“ Alle machten das Firunszeichen und Arnhelm ergriff nun Hasmuts Hellebarde. „Er hat gemeint, dass er sie da, wo er hingeht nicht mehr brauchen wird. Daher werde ich diese Waffe nun an seiner Statt weiterführen.“ Die restlichen Anwesenden nickten lediglich, denn Arnhelm sah nicht so aus als würde er dabei lügen.

Danach begannen die Aufräumarbeiten. Cildariel kümmerte sich auch um die beiden verletzten zwergischen Bergleute, allerdings weit weniger einfühlsam als bei Baerwins Gruppe. Nach kurzer Zeit gab Sie Entwarnung, dass Beide durchkommen würden. Dies hörte sich wie Musik in Baerwins Ohren an, denn nun konnte er Gefangene vorweisen und sie auch noch zu ihren Gefährten befragen. Arnhelm, Wirolf und Balbine begannen dann die beiden Häuser zu plündern, während sich Rigolosch das kleine Bergwerk ansah. Anscheinend hatten Sie hier nach Blaubasalt gegraben und auch ein wenig davon gefunden, aber es handelte sich hierbei nicht um eine so große Ader, dass sich der Abbau tatsächlich lohnen würde. Nachdem sie alles wertvolle an sich genommen hatten, riss die Gruppe eines der beiden Häuser ein und ließen das Bergwerk einstürzen. Nichts sollte es attraktiv machen hier her zurück zukommen. Mit dem Holz der Häuser errichteten Sie einen Scheiterhaufen auf dem sie den Angroscho und die menschlichen Toten betteten. Es oblag Baerwin dann diesen zu entzünden und gemeinsam standen die kleine Gruppe dabei, als das hungrige Feuer nach und nach die Toten verzehrte. Wirolf sprach ein paar Worte zu ihrer ansonsten schweigenden Andacht und bat darin um die Gunst der Götter für die Seelen der Toten.

Anschließend unterhielt sich Baerwin mit seiner Mitstreitern ob Sie etwas Besonderes gefunden hatten. Doch das Meiste waren nur einfache Dinge wie Ersatzwerkzeuge, häusliche Gegenstände und Vorräte. Zumindest Letzteres kam ihnen zugute, hatten sie doch schon Einiges von ihren eigenen verbraucht. Rigolosch, dessen linker Arm nun in einer Art von Verbandsschiene hing, brummte unwirsch „Schade, dieses ganze Blutvergießen wegen dem Bisschen hier.“ Wortlos stimmte Baerwin ihm zu und meinte dann, „Meinst du diese Leute werden zurückkommen?“ Der junge Angroscho seufzte und grummelte, „Zu den Menschen kann ich nichts sagen. Aber die Angroschna auf jeden Fall. Ich fürchte ich hab mir da ein großes Problem eingefangen, als ich ihren Bruder tötete.“ Baerwin blickte seinen Freund überrascht an und der Zwerg gab grimmig die Antwort, „Blutrache.“ Der junge Ritter schluckte den jeder der sich mit Angroschim etwas auskannte, wusste was dies bedeutete. Solange Rig nicht ein entsprechendes Wehrgeld zahlen würde, wäre die Angroschna hinter seinem Leben her um sein Blut zu vergießen, wie er das ihres Bruders vergossen hatte. „Angroschs Wille!“ meinte sein Freund nun achselzuckend, „Komm Baerwin, gib mir noch etwas von unserem Bier ab.“

Der Ritter entschied sich anschließend den heutigen Tag hier in der zweiten Hütte zu verbringen. Sie stellten Wachen auf, doch die Bergleute kamen nicht wieder. Am nächsten Morgen, als dann alle soweit wieder reisetauglich waren machten Sie sich auf den Rückweg. Baerwin war schon gespannt was sein Großvater und der Herr Graf zu alldem sagen würden. Hoffentlich hatte er sich würdig erwiesen und das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt. Als sie nach vielen Tagen Reise ohne Zwischenfälle wieder mit ihren Gefangen im Hartsteiger Thal ankamen, da wurden sie freudig begrüßt. In all dem Trubel über ihre Rückkehr suchte Baerwin dann seinen Großvater auf der meinte „Du kannst mir später Meldung machen. Erstmal Willkommen zurück. Jetzt ruhe dich erst mal aus und iss ordentlich. Danach komm zu mir und dann schreiben wir gemeinsam eine Nachricht an den Herrn Grafen. Ich bin mir sicher er wird von deinen Erlebnissen sehr beeindruckt sein.“

Als Baerwin dann nach dem Mahl wieder zu seinen Reisegefährten trat, gab es für ihn eine schwere Entscheidung zu treffen. Sein Großvater hatte ihm erläutert, dass er lediglich 2 Leute in sein dauerhaftes Gefolge aufnehmen konnte, alles andere würde die Mittel seiner Familie übersteigen. Doch die Entscheidung wurde ihm rasch abgenommen. Etwas zu seinem Missfallen, teilte ihm Kuniswart gleich mit, dass er und Balbine gemeinsam nach Adlergang gehen würden. Offensichtlich hatte er es geschafft, die gute Dame zu überreden ihr Geschäft zukünftig in Adlergang zu betreiben. Steigschreiter war zwar von hier, aber als Geweihter würde er ihm wohl nicht als Gefolgsmann zur Verfügung stehen. Standen daher nur noch das Geschwisterpaar Sarindelgruber zur Auswahl. Nach kurzer Rücksprache der Beiden untereinander waren sie mit dem Vorschlag des Ritters einverstanden. Also leisteten sie Baerwin einen weiteren Treueeid und der junge Ritter war froh, neue Mitglieder für seine eigene Lanze gefunden zu haben.

Dann rief ihn sein Großvater in sein Arbeitszimmer und gemeinsam begannen Sie ein Schreiben für den Grafen zu verfassen, wobei Rodhelm darauf bestand, dass Baerwin mit seiner Leistung gehörig angab. Das Schreiben begann mit den Worten „Ein Abenteuer in den wengenholmer Bergen, aufgezeichnet von Baerwin von Hartsteig im göttergefälligen Monat Ingerimm 1047 nach Bosparans Fall …