Hartsteiger Berggschicht`n - Ein astraler Angroscho

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In den Wengenholmer Bergen, Ende Peraine 1047 BF

Es war wohl kurz nach Sonnenuntergang, als Baerwin urplötzlich von einem gellenden Schrei aus seinen Gedanken gerissen wurde. Er stand fast in seinem Schlafsack und eiligst ging der Griff zu seiner bereitliegenden Axt. Der Rest tat es ihm gleich und alle Augen gingen zu Balbine, die gerade so geschrien hatte. Vor der Frau stand Vitus, sein Fell war gesträubt und er schien etwas weiter weg anzuknurren, während er schützend vor der früheren Kramboldin stand. Die Frau selbst war beim Herdfeuer zusammengekauert und zeigte voller Furcht auf eine dunkle Ecke des Raumes. Alle blickten in diese Richtung und was Baerwin nun erkannte, ließ ihm fast das Blut gefrieren.

Dort stand eine durchsichtige Gestalt auf dem steinernen Boden. Ihr Aussehen glich von der Größe her einem Angroscho und der Ritter meinte, eine Art von altertümlicher Rüstung, Helm und eine langstielige Hellebarde als Waffe zu erkennen. All dies jedoch wirkte unnatürlich verzerrt und der Körper schien sich nur wie wabernder Nebel im Raum abzuzeichnen. Die Gestalt kam mit der gezückten Hellebarde auf die Gruppe zu und meinte dann in archaischem Rogolan: „Wer ihr seid? Was in meinem Turm ihr zu suchen habt?“ Hasmut, Arnhelm, Kuniswart Bocksbart und Balbine wichen angstvoll zurück, doch Wirolf, Baerwin, Vitus und Cildariel blieben an Ort und Stelle.

Rigolosch hob abwehrend seine Hände und meinte zur Antwort in Rogolan: „Angrosch zum Gruße. Wir sind Reisende und wollen dir nichts Böses, Stammesbruder. Wir haben hier nur Rast gemacht für die Nacht.“ Erstaunt blickten alle zu den beiden Angroschim, doch es schien so, als hätten Rigoloschs Worte Erfolg. Die geisterhafte Gestalt senkte ihre Hellebarde und meinte: „Ah, ihr seid auch ein Sohn des Allvaters. Dann willkommen in meinem kleinen Posten. Ihr könnt hier gerne übernachten. Aber morgen müsst ihr dann weiterziehen. Dieser Turm ist eigentlich militärisches Sperrgebiet des Bergkönigreichs, doch ich will mal nicht so sein.“ Mit großer Neugier trat Cildariel an die Gestalt heran. „Bemerkenswert, ich hab noch nie einen Geist von so nahe gesehen. Noch dazu einen Angroscho als astrale Gestalt.“ Augenscheinlich verwirrt blickte sie der Zwerg an und wandte sich dann an Rigolosch. „Was will die Gigrim?“ Rigolosch übersetzte und Cildariel war nun auch etwas verwundert. „Weiß der Zwerg denn nicht, dass er wohl bereits seit sehr langer Zeit tot ist und nur noch seine Seele sich hier auf Dere befindet?“ Der Angroscho setzte ein schiefes Grinsen auf, nachdem er die Übersetzung gehört hatte. „Ich habe keine Ahnung, was Ihr damit meint, junges Langbein, aber ich muss jetzt Wache stehen. Die Drax können jederzeit auftauchen und dann muss das Bergkönigreich gewarnt werden. Eure wirren Überlegungen könnt Ihr gerne für Euch behalten.“

Baerwin und Rigolosch sahen sich gegenseitig kurz unschlüssig an und dann meinte der Angroscho: „Hab Dank für deine Wache, Bruder, aber wie sollen wir dich denn nennen und aus welcher Sippe stammst du?“ Der Geist schien kurz nachdenken zu müssen, dann hellten sich seine Gesichtszüge auf. „Ich bin Perilax Sohn des Kunthul aus der Sandbrenner-Sippe.“ Alle blickten auf Rigolosch, doch der hob zur Antwort nur die Schultern. „Ich vermute, du stammst dann aus dem Bergkönigreich Dumron Okosch?“, erkundigte sich Baerwin weiter, was der Zwerg bestätigte. „Aber nun muss ich mich sputen. Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir ja gerne auf dem Dach des Turmes Gesellschaft leisten. Alleine Wache stehen ist oft sehr langweilig“, meinte der Zwerg und begann Haltung anzunehmen. Dann setzte er sich mit zackigem Schritt Richtung Dach in Bewegung. Die Menschen sahen alle nervös zu Wirolf, der sich unschlüssig mit der Hand über das Kinn fuhr. „Als Geweihter der Zwölf muss ich gestehen, dass ich so etwas auch noch nie zuvor gesehen habe. Wäre er ein bösartiger Geist, könnte ich einen Schutzsegen gegen ihn sprechen. Allerdings schien mir dieser Angroscho nicht wirklich mit finsteren Mächten im Bunde zu sein. Allenfalls etwas … verwirrt.“ Rigolosch erhob sich und eilte nun auch nach oben. „Ich werde versuchen, noch etwas aus dem Guten herauszubekommen“, meinte er, bevor er ins Obergeschoss eilte.

Balbine bat derweil Wirolf, trotz allem seinen Segen zu wirken. „Sonst kann ich hier nicht einschlafen. Dieser Turm ist offensichtlich verflucht.“ Das bezweifelten dann aber doch sowohl der Geweihte als auch Baerwin. Aber nichtsdestotrotz wirkte Wirolf seinen Segen und so beruhigt, konnte die Gruppe zumindest etwas Ruhe finden. Als Baerwin seine Wache hatte, kam Rigolosch wieder herab und an der Miene des guten Angroscho konnte er ganz klar erkennen, dass sein Freund über etwas angestrengt nachdachte. „Worüber grübelst du, Rig?“ Der Zwerg sah auf und berichtet dann: „Meine Vermutung scheint sich bestätigt zu haben. Ich konnte noch etwas mit ihm reden und das, was er mir berichtete, lässt mich vermuten, dass es sich hier wirklich um einen Vorfahren der Groscha-Fort-Brumborim handelt, der zu der Zeit lebte, bevor deren Sippen in die hiesigen Ebenen zogen. Er scheint eine Art Turmwächter gewesen zu sein. Aber warum er nach all den Jahren immer noch treulich Wache hält, kann ich mir nicht erklären. Meine Vermutung ist allerdings, dass er überraschend verstorben ist und daher gar nicht weiß, dass er längst in Angroschs Schmiede ziehen könnte. Sein Pflichtgefühl hält ihn hier zurück und er will anscheinend so lange ausharren, bis er irgendetwas erfüllt hat.“ Baerwins Augen wurden groß und er meinte dann: „Wie können wir ihm denn klar machen, dass sein Eid bereits erfüllt ist? Gibt es einen Weg, seine Seele zu erlösen?“ Rigolosch brummte und genehmigte sich einen Streifen Dörrfleisch. „Wohl nicht mit Worten. Da sind wir Angroschim viel zu dickköpfig. Aber ich werde darüber nachdenken. Sicherlich gibt es irgendetwas. Jetzt ruhe dich aber besser aus, mein Freund, morgen sollten wir wieder früh aufbrechen.“