Hartsteiger Berggschicht`n - Die Schicksalswürfel werden geworfen

◅ | Vorbereitungen für das Zusammentreffen |
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Das Ende einer Reise | ▻ |
Im Riesenbrunnental, Ende Peraine 1047 BF
Baerwins Kopf war vollständig leer. Er wusste intuitiv was es nun zu tun galt und daher war kein Platz mehr für unnötige Gedanken. Sein Freund Rigolosch lieferte sich gerade einen erbitterten Zweikampf mit dem schwarzbärtigen Zwerg und drohte derweil von ihnen abgeschnitten zu werden. Der zweite Angroscho feuerte die restlichen sechs Menschen und den schwarzbärtigen Zwerg lautstark an und befahl ihnen, die ganze Truppe von Baerwin rasch zu töten. Baerwin wusste, dass er diese Resttruppe schnell in einen Kampf verwickeln musste, um sie so von Rigolosch abzulenken, denn der zwergische Gegner seines Schildbruders schien gut in der Kampfkunst unterwiesen zu sein. Selbst ohne Schild trieb dieser Rigolosch immer mehr zurück und sein Freund hatte große Mühe mit dessen gefährlichen Kriegshammer klar zu kommen. Dabei hatte er nur bedingt Augen für die anderen Gegner.
Glücklicherweise hatten Baerwins Fernkämpfer gute Arbeit geleistet und die Reihen der Feinde schon etwas in Unordnung gebracht. Mit dem zusätzlichen Überraschungsmoment aus ihrem Ansturm, hoffte der junge Ritter den Feind überrumpeln zu können. Als seine Gruppe bei den gegnerischen Bergleuten angekommen war, prallten beide Seiten rasch wuchtig aufeinander. Arnhelm und Hasmut begannen mit schnell aufeinander folgenden Stichen, einen Gegner zu erledigen und zwangen die restlichen Feinde dann zurück. Ihre Reichweite war hier von großem Vorteil. Die Bergleute, welche nur grobe Spitzhacken und schwere Vorschlaghämmer zu Verteidigung hatten, kamen damit nicht ausreichend an ihre Angreifer heran. Kuniswart und Baerwin achteten an den Flanken von Hasmut und Arnhelm derweil darauf, dass niemand in ihren toten Winkel geriet.
Durch die schnellen Erfolge von Baerwins Mitstreitern eingeschüchtert, wandten sich bereits zwei der Bergleute zur Flucht. Dies wurde von dem Angroscho mit dem Dolch jedoch nicht akzeptiert und er rammte einem der Flüchtenden die Waffe in den Bauch. „Feiglinge! Bleibt hier und kämpft gefälligst!“ rief dieser voller Zorn. Wahrscheinlich hätte die Hartsteiger Truppe diesen Kampf rasch gewonnen, doch dann öffnete sich die Türen der beiden Blockhäuser und es kamen weitere sechs Leute heraus. Das machte nun insgesamt ganze 11 kampftaugliche Feinde, was nicht gerade zum Vorteil von Baerwins kleiner Gruppe war. Glücklicherweise erwies sich Wirolf als ein solch guter Scharfschütze, dass zwei der zusätzlichen Angreifer schnell durch Bolzen niedergestreckt wurden. Aber drei weitere Angreifer erreichte nun ihre Gruppe, wobei diese von einer breitschultrigen Angroschna mit langen schwarzen Zöpfen angeführt wurden, welche einen wuchtigen Zwergenschlägel mit sich führte. Damit hatten Baerwin natürlich nicht gerechnet und fast wäre ihre Truppe durch diesen Ansturm aufgerieben worden. Kuniswart konnte einem Hieb der Zwergin nur im letzten Moment ausweichen, doch dann war sie so nahe heran, dass sie ihm mit einem Faustschlag einen wuchtigen Hieb gegen den Kiefer verpassen konnte. Der arme Mann wurde zur Seite geschleudert und blieb erst einmal liegen. Nun wandte sich Hasmut gegen die Zwergin und ließ seine Hellebarde auf sie niedergehen, doch sie konnte rechtzeitig zurückweichen.
Im nächsten Moment sahen sich Baerwin und Arnhelm fünf menschlichen Angreifern gegenüber. Wahrscheinlich wären sie einfach überrannt worden, aber da flogen zwei weitere Bolzen und ein Pfeil heran, welche die Angreifer verwundeten oder ausweichen ließ. Mit dem Mut der Verzweiflung griffen die beiden Männer gleichzeitig an und es gelang ihnen die Angreifer zurück zu treiben. Nun ertönte erneut das metallische Klicken einer Armbrust und dieses Mal kam der Bolzen von der anderen Seite. Das spitze Geschoss traf den armen Hasmut direkt zwischen die unteren Rippen und die Augen des alten Waffenknechts weiteten sich vor Überraschung. Mit einem triumphierenden Schrei versetzte die Zwergin dem taumelnden Mann einen Hieb gegen die Brust, bei dem sogar Baerwin aus seiner entfernten Position, die Knochen brechen hörte. „Hasmut! Nein!“ rief er erschrocken und blickte fassungslos auf den fallenden Kämpfer.
Zorn flammte in dem jungen Ritter auf und am Liebsten hätte er sich sofort auf die Angroschna gestürzt. Aber davor galt es noch die restlichen Bergleute zu vertreiben und so warf er sich voller Wut auf diese, was ihre Reihe schnell zum Brechen brachte. Zwei der Männer ergriffen nun auch das Hasenpanier. Da ertönte ein Lautes, „Meister Jorax, Schwester Rafka, zieht euch zurück!“ von Seiten des Angroscho, der gerade mit Rigolosch rang. „Aber…“ erwiderte diese, doch der Schwarzbart rief entschieden „Verschwindet allesamt, dieser Gegner ist zu stark. Agnatz und ich geben euch Deckung!“ Die Bergleute sahen sich kurz erschrocken an, dann gaben sie rasch Fersengeld, schließlich waren sie keine Kämpfer, sondern Handwerker. Doch für diese hatte Baerwin keinen Blick mehr, er wollte nur noch die Mörderin von Hasmut erreichen und ihr seine Axt verpassen. Sein Jähzorn hatte ihn etwas blind gemacht und sein Tunnelblick war nur noch auf die zurückweichende Zwergin gerichtet. Da trat er auf einem losen Stein fehl und strauchelte etwas.
Wahrscheinlich rettete ihm dies das Leben, denn es flog ein weiterer Bolzen heran, der sich schmerzhaft in seine linke Schulter bohrte. Der Ritter schrie auf und die Wucht des Treffers ließ ihn zu Boden gehen. „Baerwin!“ rief Rigolosch erschrocken und die folgende Furcht um seinen Schildbruder, gab dem Angroscho neue Kraft. Der Schwarzbart vor ihm, versuchte ihn noch weiter abzudrängen, doch Rig war schneller. Er setzte in diesem Moment eine Technik ein, die ihm sein alter Kampflehrer beigebracht hatte. Der Hammer seines Feindes hob sich rasch und schlug dröhnend gegen den Schild. Mit einem satten Ton brach dieser in drei Teile, so dass die Holzsplitter nur so herumflogen. Doch damit hatte der junge Isnagrawer wohl gerechnet, denn mit seinem bloßen Unterarm fing er den Restschlag ab, so dass sich der Dorn der Waffe tief in sein Fleisch bohrte. Aber einen winzigen Moment lang verfing sich die Waffe wohl an seinen Knochen und der schnelle Folgehieb des jungen Angroscho traf genau dort, wo er hingezielt hatte.
Blut spritzte in hohem Bogen, als sich die Axt knapp oberhalb der Halskrause in den Hals des schwarzbärtigen Zwerges fraß. Völlig überrascht blickte ihn der Glatzkopf an, während Rigolosch ihm mit tiefer Stimme „Angroschs Wille!“ entgegen schleuderte. Er riss seine Waffe heraus und ein weiterer Blutschwall kam aus der Wunde. „Bruder!“ Dies war nun der panische Schrei der Angroschna, die voller Schmerz mitansehen musste, wie ihr Familienmitglied fiel. Augenscheinlich wollte sie nach einem Moment des Zögerns umkehren, doch der andere Zwerg der Gruppe packten Sie und schleiften sie, trotz ihres erbitterten Protestes, mit sich. Arnhelm, der derweil versucht hatte Baerwin einigermaßen zu decken und der mit Blut besprengte Rigolosch, waren jetzt die einzigen Leute die auf ihrer Seite noch auf den Beinen waren. In diesem Moment schossen etliche Bolzen von der gegenüberliegenden Seite heran.
Glücklicherweise waren diese nicht auf die Nahkämpfer gerichtet, denn das hätte wohl ihren sicheren Tod bedeutet. Nein der feindliche Schütze schien die Fernkämpfer von Baerwins Truppe ausgemacht und ins Visier genommen zu haben. Mit diesem Sperrfeuer versuchte er wohl den Rückzug seiner Kameraden zu decken und ihnen Zeit zur Flucht zu geben. Baerwin erspähte ihn verschwommen von einer Anhöhe. Dieser verdammte Bastard schien eine echte Repetierarmbrust zu haben, so schnell wie er feuern konnte. Woher hatte ein einfacher Kerl aus den Bergen nur so eine Waffe her? Doch glücklicherweise waren diese schnell aufeinander folgenden Salven nicht sehr zielsicher. Aber darum ging es dem Schützen augenscheinlich nicht, denn sobald seine Kameraden über die nächste Anhöhe waren, floh auch er flinken Fußes. Der junge Ritter, der gerade seine blutende Schulterwunde mit der Hand abzudichten versuchte, sah sich um. Der arme Hasmut war ohne Zweifel dem Tode nahe, Kuniswart war wohl noch ohnmächtig und auch Rigolosch blutete stark aus seiner Armverletzung. In diesem Moment erkannte er die Halbelfe Cildariel, die mit ihrem Rucksack eiligst zu ihm gelaufen kam. Dann drehte sich plötzlich alles um ihn herum, so dass er sich erst mal auf den Rücken legen musste.