Glücksnickel und Bosnickel

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Ausgabe Nummer 83 - Rahja 1047 BF

Aus Koscher Sagenwelt: Glücksnickel und Bosnickel

Wohl jeder könnte eine Geschichte erzählen, wie einer unverschämtes Glück gehabt hat. Manchmal war’s nur Zufall, manchmal Gevatter Phex – doch hier und da könnte ein Glücksnickel im Spiel gewesen sein. Das ist nun ein ganz besonderes Geldstück, auch wenn’s daher kommt wie ein gewöhnlicher Nickel, also ein Kreuzer. Er wandert von Hand zu Hand, von Beutel zu Beutel, und wer ihn hat, dem bringt er einmal Glück. Doch weiß man nichts davon, und wenn man’s wüsste, würde es nichts nützen, denn „Glück lässt sich nicht erzwingen“, wie der Volksmund weiß.

Es ranken sich viele Sagen um die Herkunft der Glücksnickel. Manche glauben, sie kämen aus dem Schatz des Sternenfuchses und seien durch ein kleines Loch in seinem Säckel hinab zur Erde gefallen. Andere meinen, sie stammten aus alten Zeiten, als die Jünger des Phex den Schergen der Priesterkaiser trotzen mussten – und das ging nur mit Glück. Doch das ist wenig glaubhaft, denn würde man nicht merken, wenn man eine derart alte Münze bekäme? – Den Glücksnickel aber erkennt man in der Regel nicht.

Auf jeden Fall soll Wilbur Sumspflog mehr als einmal einen solchen Nickel bei sich getragen haben, und das ist glaubhaft, da er oft in Gefahr geriet und mit heiler Haut davonkam; auch das Vermögen der Stippwitze soll mit einem Glücksnickel begonnen haben, und daher heißt es: „Wer den Nickel nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“

Dreierlei aber kann als sicher gelten:

  • Primo: Es sind mehrere solcher Nickel im Umlauf, denn „unverhofft kommt oft“.
  • Secundo: Auf jeden Glücksnickel kommt vice versa ein Pech- oder Bosnickel, der Unglück bringt; denn „alles hat zwei Seiten“ in der Welt.
  • Tertio: Der Nickel hilft jedem, ob klug oder dumm – bei Letzteren merkt man’s aber mehr. Von daher kommt der Spruch: „Das Glück ist ein Rindvieh.“

Karolus Linneger

Die Glücksnickel gibt es tatsächlich – ebenso wie die Bosnickel, und das meiste, was sich in der Beschreibung auf S. 7 findet, entspricht den Tatsachen. Allerdings stammen die Nickel nicht direkt aus dem Sternenschatz, ebensowenig sind es Relikte aus der Priesterkaiserzeit. Vielmehr wird alle sieben Jahre ein solcher Glücksnickel im Angbarer Phextempel geweiht und anschließend in Umlauf gebracht. Woher hingegen die Bosnickel stammen, können selbst die Geweihten nicht recht erklären; vermutlich hängt es damit zusammen, dass Phex nichts ohne Gegenleistung gibt, dass also jeder glückliche Zufall hier ein Missgeschick andernorts nach sich zieht. In der Regel bescheren die Glücksnickel keine großartigen Wunder; meist sind es die kleinen Zufälle im Alltag, nach denen man sich sagt: „Da habe ich aber Glück gehabt.“ Doch manchmal (das Glück ist eben unberechenbar) kommt auch etwas Großes dabei heraus. Der Sieg Ritter Baltrams von Eichental im Turnier (vgl. S. 11) ist ein solcher Fall. Den Triumph hat er nämlich nicht durch hartes Training oder überragendes Können errungen, sondern einfach durch unverschämtes Glück – gepaart mit einem ganzen Batzen Pech bei seinem Gegner im entscheidenden Kampf.