Nachgedacht - Kosch-Kurier 83

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Ausgabe Nummer 83 - Rahja 1047 BF

Nachgedacht: Das Blatt

Es ist schon erstaunlich, welch unterschiedliche Bedeutungen ein und dasselbe Wort haben kann. Man nehme nur „das Blatt“.

Wenn ich es höre, kommt mir zuerst das Blatt Papier in den Sinn, auf welches ich schreibe – und natürlich der KOSCH-KURIER, den wir Chronisten als „unser Blatt“ bezeichnen. Einem Schreiner oder Holzfäller dagegen wird eher das Blatt seiner Axt einfallen oder das der Säge; und die Schiffer auf dem Großen Fluss werden wohl an das Ruderblatt denken, das sie in die dunklen Fluten tauchen; ein Waidmann an das Blatt des Hirsches, welches die Schulter des Tieres ist, weshalb man auch vom Blattschuss spricht; und den Boltanspielern in den Schänken beschert Gevatter Phex ein gutes oder schlechtes Blatt, je nach seiner Laune.

Doch all das ist Menschen- oder Zwergenwerk. Im allerersten, ursprünglichen Sinne ist ein Blatt das kleine, feine Gebilde, das tausend- und abertausendfach an den Bäumen hängt, im Frühling hesindegrün und im Herbste in allen Ingerimmsfarben, bis dann der grimme Herr Firun ein jedes vom Baum reißt.

Karolus Linneger