Lang lebe Fürst Anshold!

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Ausgabe Nummer 60 - Hesinde 1041 BF

Lang lebe Fürst Anshold!

Krönungsfeier in Angbar

ANGBAR, Boron 1041 BF. Frohlocke, Koscherland! Zu Angbar auf Schloss Thalessia wurde Anshold vom Eberstamm zum Fürsten gekrönt. Kaiserin Rohaja erhob den Erbprinzen zum Nachfolger seines Vaters Blasius, den die Götter im Traviamond zu sich gerufen hatten. Möge der neue Herrscher uns in goldene Zeiten führen!

Ein bedeutungsvolles Datum war es, an dem sich die Edlen der Provinz in der Fürstenresidenz Thalessia versammelten: der 23. Boron, Kaiser Hals Geburtstag, der vielen als Erinnerungstag an die „gute alte Zeit“ gilt. Selbst manche, die sich in den Unruhen von Drift und Roterz als Feinde gegenüberstanden, ritten gen Angbar, denn es galt eine Woche vor und nach der Krönung ein strenger Fürsten- und Kaiserfrieden.

Am Krönungstag waren die Straßen der Capitale reich geschmückt mit Bannern, Kränzen und Girlanden. Schaulustiges Volk drängte sich am Mittag dicht auf dem ganzen Weg vom Garether Tor bis zum Fürstengarten. Denn Kaiserin Rohaja zog in die Stadt ein! Von der Pfalz Pervalia kam sie, und in welcher Pracht! Voran ritt ein halbes Dutzend Fanfarenbläser, gefolgt von einem Zug der Panthergarde. Dann die hohen Herren und Damen des Hofstaats: Hofzeremonienmeister, Hofmundschenk, Hofkaplan, Hofnotar, Hofmagus und Leibkämmerin. Endlich die Kaiserin selbst, im Prunksattel auf einem stolzen Schimmel, umgeben von ihren vier treuesten Leibgardisten. Hinter ihr folgten die Kaiserlichen Knappen: Jarlak von Ehrenstein, Tsayan von Rabenmund und Folkwyn von Darbonia. Den Abschluss machte ein weiterer Zug der Panthergardisten. Und es war doch nur ein Bruchteil des Kaiserlichen Trosses, denn den Großteil hatte die Kaiserin noch auf Weidleth zurückgelassen, wo sie die Nachricht von Fürst Blasius’ Tod erreicht hatte.

Unbeschreiblich waren Freude und Jubel der Angbarer Bürger, dass die Siegerin von Mendena die Reichsstadt mit ihrer Anwesenheit beehrte. Noch vor dem Garether Tor hatte Reichsvogt Bosper zu Stippwitz der Kaiserin die Schlüssel zur Stadt übergeben. Ehrfürchtig ging jedermann auf die Knie, wenn Rohaja von Gareth vorüber ritt, und sie dankte es mit gnädigstem Lächeln und huldvollem Winken. Endlich gelangte die Prozession über die Brücke zum Wasserschloss Thalessia, und die schweren Tore wurden hinter ihr geschlossen.

Die Krönungszeremonie fand im Königssaal statt, dessen prunkvollen Schmuck einst Kaiser Hal dem Fürsten Berndrich geschenkt hatte. Sie blieb dem Hochadel vorbehalten, während der Niederadel draußen im Schlosshof wartete. So kann sich unser Bericht nicht auf Augenzeugen stützen, sondern nur darauf, was das Hofprotokoll vorsieht. Die Kaiserin steht unter einem Baldachin am Ende des Saales, flankiert von den Angbarer Hochgeweihten des Praios und der Rondra. Als Königin des Kosch trägt sie die Steinerne Krone Fürst Baduars. Der Erbprinz schreitet durch den Saal und kniet vor der Kaiserin nieder. Sie fragt nach seinem Namen und seinen Vorfahren, was er treulich beantwortet. Die Kaiserin nimmt die Krone vom Haupt und lässt den Prinzen sie küssen. Dann setzt sie ihm die Fürstenkrone mit den vier goldenen Kugeln auf und spricht: „Erhebt Euch, Fürst vom Kosch!“ Die Lichthüterin reicht ihm das Zepter, der Schwertbruder das Banner Ondifalors, die Kaiserin steckt ihm den Ring der Wacht an. Sodann schwört der neue Fürst der Kaiserin Treue und Gefolgschaft, sie ihm im Gegenzug Treue und Schutz. Zum Schluss reicht der Oberste Richter der Hügelzwerge dem Fürsten einen Humpen, den er in einem Zuge leert.

Weil anschließend auch die Grafen und Barone ihre Treueschwüre leisteten, brauchte der Niederadel im Hof reichlich Geduld, bis der große Moment kam: Die Türen zum Balkon über dem Hauptportal öffneten sich, die kaiserliche Leibgarde trat heraus. Rohaja von Gareth, noch immer mit der schweren Steinernen Krone auf dem Haupt, erschien und rief herab: „Unsere treuen, lieben Koscher! Wir geben euch euren neuen Fürsten! Lang lebe Fürst Anshold vom Eberstamm!“ Die letzten Silben verschwanden bereits im Jubel der Junker, Ritterinnen und Edlen, denn nun war der Angekündigte an die Balustrade getreten und grüßte mit dem erhobenen Zepter. Fanfarenstöße forderten Schweigen. „Vasallen des Kosch“, rief Anshold vom Eberstamm in den Hof, „Wir danken euch für eure Liebe und Treue! Lasst uns gemeinsam diese neue Epoche einleiten, lasst uns das Wohl und den Frieden der Provinz erhalten und fördern – wie es Unser Vater Blasius immer getan hat!“

Ohne viel weitere Rede stieg der Fürst in den Hof hinab und mischte sich unter seine Gefolgsleute, fand für jeden ein paar freundliche Worte. Dann formierte sich der Adel zu einer Prozession mit dem Fürsten und dem Haus Eberstamm an der Spitze und zog im Triumph hinaus in die Stadt. Der Reihe nach wurden die Tempel von Praios, Ingerimm und Rondra besucht, um den Göttern den gebührlichen Dank abzustatten. Die Kaiserin verblieb derweil auf der Thalessia (wo sie später noch die Veteranen des Haffaxzuges zur Audienz empfing). Abends fand im Fürstenschloss ein großer Ball statt, die Angbarer Zünfte feierten im Rathaus und auf dem Neumarkt wurden, wie Blasius vom Eberstamm es stets gepflegt hatte an hohen Festtagen, im Namen des Fürsten Freibier ausgeschenkt und Würste verteilt.

Stordian Mönchlinger