Isnasotarer Stammtisch - Es war einmal bei den Kor-Knaben

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23. Ing 1047 BF
Es war einmal bei den Kor-Knaben
Der zwergische Stammtisch


Kapitel 4

Autor: Geron

Es war einmal bei den Kor-Knaben

Im Bierhammer in der Sendschaft Hartsteiger Thal, Ingerimm 1047 BF

„Vor einiger Zeit da war ich einmal bei den Kor-Knaben. Ich habe mit Albrax Sohn des Agam, Worthak und all den anderen gedient, aber mit großen Kriegergeschichten kann ich nicht dienen, denn ich war Feldkoch bei dem Haufen, denn Albrax hatte eines verstanden, dass hungrige Krieger schlechte Krieger sind. Als ich angeworben wurde da wurde mir gesagt, „Wir brauchen jemanden, der uns durchfüttert und einen, den wir im Notfall essen können.“ Sie haben gelacht. Ich nicht. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob es ein Scherz war.

Die Knaben zogen in jeden Krieg der letzten Jahrzehnte, und ich zog mit — immerhin musste ja jemand dafür sorgen, dass sie zwischen all dem Kämpfen auch mal einen Löffel in der Hand hielten. Wir kämpften gegen Novadis (deren Gewürze ich bis heute gerne nutze), gegen Orks (die, ich schwöre es, eine natürliche Aversion gegen saubere Töpfe haben), und natürlich gegen allerlei andere. Wir Knaben haben uns immer unseren Sold verdient. Und ich sag euch: Wenn die Auftraggeber einmal die Rechnung sahen, wurden sie bleicher als ein frisch aufgespießter Ork. Billig waren wir nie, aber wer die uns anheuerte, kauft nicht nur die beste Axt und die präziseste Armbrust — er kauft auch meine Suppen, und die retten Leben, das weiß jeder.

Es war während eines dieser endlosen Scharmützel mit den Orks. Schnee bis zu den Knien, Wind wie eine Peitsche, und wir natürlich mitten drin, weil irgendwer ein paar Söldner zahlen wollte, damit sie marodierenden Orks eins auf den Helm gaben. Ich hatte mir eine halbwegs windgeschützte Mulde gesucht und war gerade damit beschäftigt, aus meinem halb gefrorenen Gewürzsäckchen und einer zähen Ziege eine Suppe zu zaubern, die man nicht sofort wieder ausspucken würde. Die Brühe brodelte schon und der Duft stieg auf – warm, würzig, ein bisschen nach Ziege, aber in diesen Bergen roch alles irgendwann nach Ziege. Ich musste mir aber eingestehen, dass mein Eintopf wirklich … wirklich scheußlich geworden war. Nicht meine Schuld! Das Fleisch war grünlich gewesen, bevor ich es in den Topf geworfen habe, und zwar nicht wegen Kräutern. Die Bohnen waren so hart, dass man damit Nägel hätte aus dem Holz treiben können, und die Gewürze… na ja, waren halt der letzte Rest gewesen den ich gehabt hatte.

Und genau an diesem Tag musste natürlich ein Oger auftauchen. Es lag Nebel zwischen den Bäumen, alles klamm, wir waren sehr müde. Die Knaben kamen gerade von einem Vorstoß zurück, als es hinter den Zelten polterte – ein Geräusch wie zwei Häuser, die aneinander gerieben werden. „Oger.“, Albrax sagte es mit der Ruhe eines Zwerges, der keinen Oger fürchtet, aber sehr wohl weiß, dass er durch einen gestampft werden kann. Die Knaben drängten sich in Position. Äxte und Spieße wurden bereit gemacht, Armbrüste wurden geladen und Schilde gehoben. Und ich? Ich stand da mit meinem Topf voll ungenießbarem Eintopf und überlegte, ob ich es wagen konnte, ihn einfach kommentarlos zu entsorgen.

Dann brach das Biest durch die Bäume. Groß wie ein Scheunentor, hässlich wie die Sünde, und mit einem Hungerblick, der selbst mich schlucken ließ. Er roch uns. Dann roch er meinen Topf. Er zog die Nase kraus. Ich konnte förmlich hören, wie seine wenigen Hirnzellen versuchten, den Duft einzuordnen. Und da kam mir die Eingebung: „He!“, rief ich. Und ja, alle drehten sich um, als hätte ich gerade Angrosch eine Ohrfeige gegeben. Ich schaufelte mit der Kelle eine Portion Eintopf raus und hielt sie dem Oger entgegen. Der schnupperte, brummte, schnupperte nochmal. Dann passierte zweierlei gleichzeitig: Der Oger griff nach der Kelle. Die Knaben brüllten entsetzt, weil sie dachten, ich würde gleich gegessen. Aber nein. Der Oger kostete.

Er wirkte verwirrt, angeekelt und gleichzeitig schockiert. Seine Lippen verzogen sich. Seine Augen quollen hervor. Er gab ein Geräusch von sich, das irgendwo zwischen „Urgh“ und „Hilfe, ich sterbe“ lag. Dann taumelte er zurück. Und dann … lief er weg. So schnell, dass sogar Albrax meinte: „Bei Kor … ich wusste gar nicht, dass die SO rennen können.“ Die Knaben starrten mich an, als hätte ich gerade ein Wunder vollbracht. Albrax kam zu mir, hob den Deckel des Topfes an, betrachtete die Suppe und senkte den Deckel wieder, langsam, als würde er einen Dämon bannen. „Murgrim…“, sagte er schließlich, „versprich uns eines: Das da… kochst du nie wieder.“

Ich versprach es und ich hielt es auch. Seitdem erzählt man bei den Kor-Knaben, dass ich einmal einen Oger besiegt habe. Nicht mit einer Waffe. Nicht mit Magie, sondern mit einem Eintopf, der schlimmer war als der Tod. Zum Glück gab es danach bald besseres Essen.“

Murgrim nahm einen tiefen Schluck Bier und strich sich den Bierschaum aus dem Bart. Eldrik, Barox und Burri schauten den Hügelzwerg überrascht an. Mit so einer Geschichte hatte keiner von ihnen gerettet. Ob es wohl wahr war, oder war die Fantasie ein wenig mit Murgrim durchgegangen? Dann begannen alle drei Zuhörer schallend loszulachen.