Isnasotarer Stammtisch - Der zwergische Stammtisch

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23. Ing 1047 BF
Der zwergische Stammtisch
Die Bundschänke


Kapitel 3

Autor: Rigolosch

Der zwergische Stammtisch

Hartsteiger Thal in der Sendschaft Twergentrutz, Ingerimm 1047 BF

Schweigend marschierten der junge Knappe Arnulf von Hartsteig und der Angroscho Murgrim Siebenrüb nebeneinander her. Heute früh hatten Sie die Sendschaft Tannerau verlassen und waren auf gutem Weg in Richtung des Hartsteiger Thal. Doch seit dem Ereignis in der Bundschenke war der sonst so gesprächige Hartsteiger etwas wortkarg. Offensichtlich war es ihm peinlich, was hier passiert war, doch dieses dröhnende Schweigen mochten Murgrim überhaupt nicht. Daher meinte er nach einigen Schritten, „Das was du da hast Arnulf, manche in meinem Volk nennen es eine Gabe Angroschs.“ Der Hartsteiger marschierte weiter und gab keine Antwort. „Ich habe es selbst bei einigen tapferen Angroschim gesehen und auch wenn es manchmal schwierig war, konnten sie doch einigermaßen normal leben.“ erklärte Murgrim. Der junge Mensch seufzte und meinte nun, „Eigentlich sollte das, was ihr gesehen habt, gar nicht mehr passieren. Ich habe extra ein zwergisches Schutzamulett aus Koschbasalt dagegen bekommen und die hiesige Geweihte der Travia, Travine Bocksbart hat auf mich hin- und wieder eine Liturgie der Friedfertigkeit eingesetzt. Ich habe sogar einige Male mit ihr ein paar Techniken zur Selbstbeherrschung geübt und dennoch …“ Der junge Knappe begann langsam aufzutauen.

„Das erst Mal, dass mir das passiert ist, war nach meinem dreizehnten Geburtstag. Ich bin mit meinem Bruder über irgendwas in Streit geraten, ich weiß schon gar nicht mehr genau was es war. Aber wäre nicht rechtzeitig Rigolosch hinzugekommen, hätte ich ihn vielleicht zu Tode geprügelt.“ Murgrim stutzte überrascht, dann nickte er mit Anteilnahme, denn von diesen plötzlichen Wutausbrüchen hatte er auch schon gehört. „Als man meinem Großvater erzählte, was ich da habe, meinte er nur, wenigstens nichts magisches und auch ansonsten sehen darin nur wenige ein großes Problem. Wahrscheinlich weil ein Ritter auch mal zum Zorn neigen soll. Aber ich fürchte mich davor, denn wenn es passiert, dann sehe ich alles nur noch hinter einem rötlichen Schleier und mein Gehirn setzt ziemlich aus. Wenn ich dann wieder zu mir komme, naja ...“ Der Angroscho brummte und meinte, „Ich verstehe dich und deine Furcht die Beherrschung zu verlieren. Aber vergiss nicht, Angrosch oder einer der anderen deiner Götter hat dir diese Gabe gewiss nicht ohne Grund gegeben. Wie du sie aber einsetzt, da überlassen sie nur dir selbst. Ich denke, das ist deine ganz eigene Prüfung.“

Erfreut blickte ihn der junge Knappe nun an, „Ihr sprecht weise Worte Väterchen.“ Murgrim spürte, wie sich seine Ohren etwas röteten angesichts dieses Lobs. Der Zwerg meinte darauf hin, „Naja ich bin auch um einiges älter als du. Da wäre es doch wirklich eine Verschwendung, wenn man sich nicht eine gewisse Weisheit angeeignet hätte, meinst du nicht?“ Und damit gab er ihm einen spielerischen Ellenbogenstoß. Arnulf lächelte dann auch wieder und meinte, „Auf jeden Fall, vielen Dank. Aber wenn es euch möglich ist, bitte hängt es nicht an die große Glocke. Ich möchte nur ungern dass jemand davon erfährt, vor allem jetzt wenn ich in Sindelsaum bin.“ Murgrim strich sich mit der Hand durch den Bart, „Was glaubst du eigentlich was wir Angroschim sind? Wenn jemand ein Geheimnis bewahren kann, dann die Kinder von Angroschs Volk.“

Arnulf nickte und deutete nun auf einen schmalen Weg an einer doch etwas steilen Felswand. „Was ist das?“ erkundigte sich Murgrim unsicher, obwohl er die Antwort schon ahnte. „Das letzte Wegstück, bevor wir ins Hartsteiger Thal kommen. Nun gilt es Meister Angroscho.“


-Abends kurz vor Sonnenuntergang-


Fluchend und schimpfend nahm Murgrim die letzte Kurve des Bergweges. Er hatte zwar schon befürchtet, dass die Qualität des Weges mies sein würde, aber langsam begann er auch jede Unebenheit und jeden Stein unter seinen schweren Sohlen zu spüren. Das Alter machte sich ebenfalls bei ihm bemerkbar, doch als Sohn Angroschs stapfte er eisern weiter und versuchte sich seine Erschöpfung nicht anmerken zu lassen. Der junge Knappe vor ihm, nutzte seinen langen Axtstiehl als eine Art von Wanderstock, doch auch sein Gesicht war gerötet und ihm lief der Schweiß nur so herab. Schließlich hatten sie es nach oben geschafft und Arnulf meinte, „Hier Väterchen Murgrim, das Hartsteiger Thal.“ Der Anblick war nun, da sich die Praiosscheibe langsam hinter den hohen Bergen zurückzog, immer noch beeindruckend und gleich als Erstes fiel dem Angroscho der größte, immer noch schneebedeckte Berg inmitten des Tals auf. „Ist das der Isnasot?“ Arnulf nickte zustimmend und meinte, „Heimat meines Hauses und auch der hiesigen Bergwacht. Nun aber lasst uns schnell ins Tal steigen, vielleicht können wir meine Tante noch vor dem Sonnenuntergang aufsuchen.“

Gesagt getan und schließlich waren Mensch und Zwerg wohlbehalten im Tal angekommen. Murgrim verstand nun gut, wie die Hartsteiger zu ihrem Namen gekommen war. Auf- und Abstieg waren wahrlich hart und kraftraubend gewesen. Arnulf führte den Angroscho nun gleich zum Trutzer Forst, an dessen Ausläufern er ein einfaches Fachwerkhaus erblickte. „Seit nur vorsichtig Väterchen, meine Tante ist eine friedfertige Frau, aber wenn ihr eine ihrer Blumen zertretet, dann kann sie zum Alagrimm werden. Murgrim, der gerade seinen Fuß senken wollte, konnte diesen gerade noch auf einen anderen Fleck Rasen setzen. „Ich werde es mir merken.“ Arnulf wollte gerade noch etwas Anderes sagen, doch in diesem Moment zerriss ein Schrei den Abend. Erschrocken hielten sowohl Zwerg als Mensch an. Arnulf nahm sofort seine Axt zur Hand und meinte, „Mir nach Meister Mugrim.“ Dann stürmte er los und trotz der anstrengenden Wanderung schien er immer noch etwas Kraft übrig zu haben. Mugrim fluchte derb, packte dann aber seine Armbrust und gab sich Mühe dem Mensch so schnell wie möglich zu folgen.

Er fand Arnulf im Gespräch mit einer schlanken, grauhaarigen Frau vor, die voller Abscheu auf etwas deutete. Als er ihrem Finger folgte, erblickte er einen großen Maulwurfshügel und sein Gesicht verzog sich etwas. „War das ein schlechter Witz?“ Doch sein menschlicher Gefährte blickte nun zu ihm und gab ihm ein Zeichen seine Armbrust zu senken. Offensichtlich hatte sich Linde von Hartsteig nur über den frischen Hügel so aufgeregt, der einige ihrer Blumen zerstört hatte. Arnulf redete gut auf sie ein und dann beruhigte sie sich etwas. Dann aber meinte Arnulf „Tantchen, ich habe einen Gast mitgebracht. Sein Name ist Murgrim Siebenrüb.“

Die Frau wandte sich um sah den Angroscho und meinte dann formvollendet in ordentlichem Rogloan, „Garoschem Garascho Groscho-Fort Brumborim.“ Murgrim erwiderte den Gruß und nach einem kurzen, höflichen Vorgespräch enthüllte er ihr den Grund für seine Reise. Die Frau hatte ruhig zugehört und meinte dann, „Ach Mutter Traiva, kaum hat der Altbaron von meinem Honig gekostet, da kommen schon mehr Anfragen auf mich und meine Bienen zu, als ich alle bedienen kann. Aber keine Angst Väterchen, ich werde für euch schon noch ein Glas finden. Allerdings ist es schon spät. Seit so gut und kommt morgen nochmal zu mir. Dann werde ich euch das gewünschte übergeben können.“ Erfreut nickte der Angroscho und dann wandte sich die Frau an Arnulf. „Du solltest mich gleich zu deinen Eltern begleiten Ulfi, deine Mutter wird sich sicherlich sehr freuen, wenn du wieder da bist. Außerdem hast du sicherlich schon die ein oder andere Geschichte in Sindelsaum erlebt oder?“ Arnulf blickte kurz zu Murgrim und bejahte dies dann.

„Ihr Meister Angroscho, geht am besten zu unserer hiesigen Schänke. Der Name ist der Bierhammer. Dort wird man euch Speis und Trank servieren, wie es sich für einen Sohn Angroschs geziemt, denn der Wirt ist auch ein Kind des Weltenbauers. Das hörte sich für Murgrim sehr erfreulich an, denn nach der ganzen Marschiererei sehnte sich sein Körper nach Ruhe, einem deftigen Mahl und einem guten Humpen Bier. Gemeinsam schritten die Drei ins nächtliche Dorf Angersteig und dort zeigte ihm Arnulf den Weg zur Schänke. Nachdem sie sich getrennt hatten, betrat Murgrim gleich das gezeigte Gebäude.

Dort drinnen war bereits alles für den heutigen Abend hergerichtet worden. Ein kleines Feuer brannte im Kamin, Murgrim roch eine köchelnde Pilzsuppe und der Angroscho hinter dem Tresen war gerade dabei Krüge zu putzen. Als Murgrim eintrat blickte der Angroscho auf, musterte ihn überrascht und nach einem kurzen Moment trat er sofort auf den Zwerg zu. „Willkommen Bruder, dreifach willkommen im Bierhammer. Ich muss zugeben ich war zuerst überrascht, denn ich habe nicht mit Besuch eines Stammesbruder gerechnet. Wir haben hier nur selten Gäste. Aber auch deswegen gleich ein herzliches Garoschem.“ Murgrim war angesichts dieser Begrüßung sicher, dass er hier einen komfortablen Abend verbringen würde. Er blickte sich in der leeren Gastschänke um. „Ist es in Ordnung wenn ich mich einfach wo hinsetze?“ Der Wirt schüttelte energisch den Kopf und führte ihn direkt zu einem bereits gedeckten Tisch in der Nähe des Kamins. Prächtig gefertigte mit individuellen Runen verzierte Steinkrüge standen dort und alle Möbel waren in passender Zwergengröße. Auch lagen auf dem Tisch bereits Gedeck für drei weitere Zwerge. „Das ist unser wöchentlicher Stammtisch.“ erklärte ihm Burri freundlich, „Neben meiner eigenen Person, sind auch noch die beiden Erzzwerge Eldrik Sohn des Tarix und sein Bruder Barox aus der Isnagraw-Sippe Stammtischbrüder. Hier ist leider oft nicht viel los und da unsere beste Informationsquelle, ein reisender Krambold mit Namen Mattosch Sohn des Joharl, aktuell nicht kommen kann, bestehe ich darauf, dass du seinen Platz einnimmst. Magst du Pilzsuppe mit Speck?“

Ohne eine Antwort abzuwarten schob der eifrige Burri den armen Murgrim auf einen Stuhl, eilte dann wieder hinter den Tresen um ihn einen schäumenden Humpen vorzusetzen. Dann eilte er wieder los und er begann Suppe in einen Teller zu löffeln. Als Murgrim sich wieder soweit gefasst hatte, öffnete sich die Tür erneut und zwei stämmige, breitschultrige Zwerge betraten den Raum. Das es sich hierbei um Groscho-Roroxim-Angrasch handelte, bemerkte Murgrim sofort. Des Weiteren erkannte er bei einem von ihnen auf dessen Schürze und Hammer, die Insignien der Angrosch-Kirche. Murgrim erhob sich, „Garoschem Brüder.“ Überrascht davon, jemand Anderes an ihrem Stammtisch zu sehen, kamen die beiden Zwerge näher und nach kurzer Zeit begann man sich auszutauschen. Wie bei Erzzwergen üblich, musste Murgrim ihnen erst einige Mitglieder seines Stammbaumes aufzählen, bis sich schließlich ergab, dass einer seiner Ahnen einst einem Ahnen der Isnagraw Sippe einmal eine vorzügliche Spitzhacke verkauft hatte. Bevor das allerdings noch aus dem Ruder laufen konnte, kam schließlich Burri wieder hinzu und stellte vor jedem der Angroschim einen dampfenden Teller Suppe hin. „Kommt, kommt, esst. Von eurem ganzen Gerede trocknet mir ja schon die Kehle alleine beim Zuhören aus.“

Nachdem Murgrim nun den zweiten Teller Suppe zu sich genommen hatte und den dritten Humpen an die Lippen setzte, fühlte er sich soweit gestärkt. Es waren nun mehrere Personen in der heimeligen Stube, doch alle schienen mit ihren eigenen Angelegenheit beschäftigt, so dass niemand die Angroschim sonderlich betrachtete. Eldrik zündete nun seinem Bruder und sich ein Pfeifchen an, während sich Burri wieder Murgrim zuwandte. „Also Meister Siebenrüb, jetzt hast du lange genug unseren Geschichten und Ahnenreihen zuhören müssen. Doch nun bist du an der Reihe.“ Eldrik nickte und meinte, „Es ist schon immer so an unserem Stammtisch Gewohnheit, dass ein Gast eine besondere Geschichte zum Einstand erzählen muss. Dabei kann es sich um alles handeln. Ganz gleich was es ist, wir sind immer neugierig auf gute Geschichten, sei es aus der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Erzählt uns etwas und verdient so eure Mitgliedschaft an diesem runden Tisch.“

Murgrim nahm einen Zug aus der gereichten Pfeife, konzentrierte sich und beugte sich anschließend vor. Das Feuer im Kamin brutzelte munter vor sich hin und die Geräusche um sie herum waren nicht aufdringlich, so dass der Zwerg keine Mühe hatte in einer angemessenen Lautstärke sprechen zu können. „Dann spitzt mal eure Ohren Brüder und hört meine Geschichte. Ich hoffe sie ist gut genug für diese Runde und gefällt euch so wie all Denjenigen, die ich sie bisher erzählt habe..."