Drifter Fehde - Die Nacht von Nimmertrutz

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Die Nacht von Nimmertrutz

Bei Hügelsaum

Bolzert Haubenschreier, seines Zeichens nach Knecht in der Senfmühle in Hügelsaum, führte gerade sein Maultier über den Baduarsteig und war wohl nur noch eine knappe Tagesreise von seiner Heimat entfernt. Obwohl er nur einige Tage weg gewesen war, um eine Lieferung nach Fürstenhort vorzunehmen und dort gleichzeitig einige Besorgungen vorzunehmen, freute er sich doch bereits darauf, bald wieder bei seiner Ulide zu sein. Es knirschte im Unterholz und Bolzert spannte sich sogleich an. Er war alleine unterwegs und ein Treffen mit einer Räuberbande oder einem wilden Tier fehlte ihm jetzt gerade noch. Er wollte schon nach seinem Schwert greifen, als sein Bruder aus dem Unterholz trat. Enno hatte sicherlich schon bessere Zeiten gesehen, aber das Leben als Vogelfreier im Borrewaldbund schien ihm jedenfalls nicht auf die Knochen geschlagen zu haben.

„Gut siehst du aus.“, begrüßte Bolzert seinen Bruder und die beiden Brüder lagen sich in den Armen. Obwohl Enno vogelfrei war, sahen sich die Brüder hin und wieder. Streng genommen war das natürlich strafbar, aber Frau Travia war die Familie heilig.

Die Brüder schnackten eine ganze Weile, tauschten Nachrichten über dies und das aus. Bolzert vermied es ausdrücklich, danach zu fragen, was sein Bruder derzeit so trieb, und Enno schien vor allem an Klatsch und Tratsch aus Sindelsaum und den umliegenden Dörfern interessieret.

Nachdem sie eine ganze Weile gesprochen hatten, kam Enno schließlich zur Sache. „Ich habe gehört, die Fehde in Drift ist wieder aufgeflammt und die Nadoreter sind auf dem Vormarsch. Ein Vögelchen hat mir erzählt, dass sie dafür allerdings die Burg Nimmertrutz ganz massiv entblößt haben. Da wäre ein Handstreich durchaus möglich. Ein anderes Vögelchen hat mir erzählt, dass man nachts fast ungesehen von Süden her an die Mauer kommen kann. Man brächte nur eine Leiter, die mindestens 14 Schritt lang ist, um da über die Mauer zu kommen, dann könnte man die Burg im Handstreich nehmen. Wir sind derzeit anderswo beschäftigt, aber vielleicht könntest du es zu deinem Dienstherrn sagen und der könnte es zu seinem Sohn sagen und der könnte darüber nachdenken, die Situation auszunutzen, um den Nadorets eins auszuwischen.“ Enno zwinkerte. „Nur so rein hypothetisch, versteht sich.“

Ein paar Tage später

Larona von Bardostein zwinkerte zur Burg hoch und besprach sich ein letztes Mal mit ihren beiden Unterführern, Albrax und Isida. Beide waren ähnlich erfahren wie sie, aber sie waren dennoch alle nervös. Sie waren aufgrund eines Gerüchts angerückt und zu zehnt würden sie nun ein gewagtes Unternehmen vornehmen. Den letzten Tag waren sie bei Dunkelheit vorgerückt. Sie hatten die Hufe ihrer Pferde umwickelt und ihre Rüstungen geschwärzt. Nun warteten sie in einem Waldstück darauf, dass es endlich dunkel wurde.

Als die Dunkelheit endlich hereingebrochen war, ging es endlich los. Albrax führte ihren kleinen Trupp an. Bei ihrem ersten Weg über ein Feld schlug Laronas Herz bereits schneller, aber das beschleunigte sich nur, je näher sie der Burg kamen. Ihr schien es, als würde jedes kleine Geräusch wie ein Glockenschlag ihre Ankunft ankünden. In ihrem Kopf spielten sich immer wieder verschiedene Schreckenszenarien durch. Trotz der dunklen Nacht führte sie Albrax langsam, aber sicher an die Burg heran. Kein Warnruf und kein Hornstoß erklangen. Sie waren nun fast am Fuß der Mauer angekommen. Larona bedeutete ihren Leuten, Stellung zu beziehen, während sie näher an die Mauer herantrat und einen Wurfhaken hochwarf. Ihr erster Wurf war zu schwach und der Haken schlug klirrend gegen die Mauer. Larona fluchte unterdrückt und warf sogleich nochmal. Wieder war der Wurf zu schwach und der Haken krachte erneut gegen die Mauer. Schweiß stand ihr auf der Stirn und Larona warf den Haken ein drittes Mal. Endlich segelte er zwischen zwei Zinnen hindurch. Larona zog hart am Seil und der Haken verhakte sich und kam ihnen nicht entgegen. Hastig begann sie, die Seilleiter hochzuziehen, während ihre Leute näherkamen.

Larona bestand darauf, als erste die Mauer zu erklimmen. Falls sich der Haken löste und sie alle in den Tod stürzten, wollte sie immerhin die erste sein. Aber der Haken hielt und wenig später standen sie auf der Mauer. Von Wachen war weit und breit nichts zu sehen. So leise wie möglich rückten sie bis zum Torhaus vor. Das Fallgatter war nicht herabgelassen worden und das Tor war schnell entriegelt. Albrax öffnete die Abdeckklappe seiner Laterne und gab ein Signal Richtung Wald. Kurz darauf war verhaltener Hufschlag zu hören und Isida durchritt mit einigen Leuten das Burgtor.

Nun ging im Bergfried Licht an. „Isida, sichere die Gesindehäuser. Albrax, du kommst mit mir“, befahl Larona und sie hasteten los. Der Bergfried war nicht verriegelt und kurz darauf standen sie im Festsaal der Burg. Von nirgendwo gab es Widerstand. Ab und zu begegneten sie verängstigtem Gesinde und trieben dieses im Saal zusammen.

Isida betrat den Saal und hatte einen jungen Mann, wahrscheinlich einen Jagdknecht, am Schlafittchen dabei, dessen rechtes Auge zu schwoll. Er hatte scheinbar als einziges sowas wie Widerstand geleistet.

Ein älterer Mann in Schlafanzug und noch mit Schlafmütze auf dem Kopf betrat schimpfend den Saal.

„Was soll das hier werden? Ich bin als Burgsasse für Burg Nimmertrutz verantwortlich und ihr Haderlumpen habt euch zu erklären!“

Wenig später war es Larona und allen anderen klar. Die Nadoreter hatten die Burg komplett verlassen und außer einem Jagdknecht war niemand mehr da, der besser mit einer Waffe umgehen konnte als ein normaler Handwerker. Das Nadoreter Banner landete im Dreck und das Banner von Sindelsaum wurde hochgezogen.