Drifter Fehde - Maulwürfe unter Nadoret

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Maulwürfe unter Nadoret
Das Gehöft lag einsam im Schatten des Burgberges, in einem dichten Wald, umringt von zerklüfteten Hügeln. Aus den Ritzen des Strohdachs tropfte Wasser auf den festgetretenen Boden. Nur das Rufen von Krähen und das Prasseln des Regens war zu hören. Im Innern der Scheune brannte ein kleines Feuer dessen Qualm sich wie Nebel in den Balken unter dem Dach sammelte. Ein gutes Dutzend der Koscher Kumpel saß um das Feuer, unterhielten sich leise und horchten immer wieder, als erwarte jeder das Hornsignal des Feindes. Draußen schlug eine Tür im Wind, und alle Köpfe fuhren herum. Hanka Rotkoller trat ein, durchnässt und beide Arme voll Brennholz. Sie sah sich um, raunte ein knappes „Ruhig bleiben“ und warf das Holz neben die Feuerstelle. „Der Händler hat uns gut versteckt – höchstens der Schnupfen findet uns.“ Ein schwaches Lachen ging durch die Runde, doch die Stimmung blieb angespannt.
Forgrimm saß an einen Balken gelehnt. Er zog an seiner Pfeife und sprach: „Also hört zu, ihr Maulwürfe. Wenn wir den alten Brumil da rausboxen wollen, dann geht das nur über den Bauch der Burg, nicht über ihr Maul.“ Ein paar der Kumpel hoben die Köpfe. „Vor fast vierzig Wintern war ich das letzte Mal dort“, begann Forgrimm. „Damals war ich noch jung, naja, jünger. Der damalige nadoreter Baron Dajin sammelte gerade Truppen um Graf Growin zu stürzen. Forgrimm machte eine kurze Pause „Die Burg Nadoret – die steht auf einem Felsrücken, rundum steil und gut zu verteidigen. Aber es gibt da eine Stelle auf der abgewandten Seite. Eine verborgene Schlucht, die nur durch eine Klamm mitten im tiefen Wald betreten werden kann. Und wenn du den Weg nicht kennst, findest du sie auch nicht.“ Er machte eine kurze Pause, während draußen der Wind über die Mauer strich. „Die Klamm ist durch eine Mauer versperrt. Damals war sie schon halb überwachsen, mit Wurzeln und Efeu. Dahinter führt der Weg in die Schlucht hinein.“ Ein leises Murmeln ging durch die Kumpel. „In dieser Schlucht,“ fuhr Forgrimm fort, „gibt’s eine natürliche Höhle und irgendwo darin mündet ein Geheimgang. Der zieht sich quer durch den Felsen bis in den Weinkeller der Burg. Und glaubt mir – ich hab ihn damals mit eigenen Augen gesehen.“ Er stieß mit dem Pfeifenkopf gegen den Boden. „Wenn wir ihn finden, dann stehen wir mitten im Bauch der Burg, ohne dass ein Wachhund ’ne Ahnung hat. Von dort aus…“ – er blickte in die Runde – „…holen wir den Baron raus. Lebend, wenn’s Angrosch will.“ Einen Moment lang sagte niemand etwas. Dann murmelte Hanka, während sie mit einem glimmenden Ast das Feuer schürte: „Klingt nach einer schönen Arbeit, ganz nach unserem Geschmack.“ Roglom WackerstrunkDer für das Attribut „Briefspieltext mit“ des Datentyps Seite angegebene Wert „Roglom</br>Wackerstrunk“ enthält ungültige Zeichen oder ist unvollständig. Er kann deshalb während einer Abfrage oder bei einer Annotation unerwartete Ergebnisse verursachen. brummte „Genau das, was ein ordentlicher Koscher Kumpel braucht, um sich lebendig zu fühlen.“
Die Kumpel bewegten sich im Gänsemarsch durch den nächtlichen Wald, Forgrimm ging vorneweg, mit finsterem Blick. „Ich schwör’s bei Angroschs Bart“, knurrte er schließlich, „die Klamm ist hier. Ich kann’s riechen. So ein Fels verschwindet nicht einfach.“ „Vielleicht aber doch“, murmelte einer der Kumpel. „Oder sie liegt hinterm nächsten Hügel. Wie die letzten fünf Nächte“, brummte ein anderer. Forgrimm grummelte unverständlich in seinen Bart und sie setzten ihren Weg fort, bis sich der Wald zu einer kleinen Lichtung öffnete. Nebel kroch über den Boden, der Mond verbarg sich hinter Wolken. Forgrimm legte die Hand an einen Felsen, der aus dem Hang ragte. „Da“, sagte er leise. „Ich spür’s. Hier war die Pforte.“ Hanka trat neben ihn „Vielleicht war sie das. Jetzt ist hier alles voll Geröll.“
Da durchbrach ein seltsames Rauschen die Nacht. Ein Flattern. Dann ein Schatten über ihnen. „Deckung!“ brüllte jemand. Etwas Schwarzes stürzte herab, mit einem Schrei, der das Blut gefrieren ließ. Der letzte in der Reihe – ein junger Kumpel namens Rigim – wurde rücklings vom Boden gerissen. Krallen packten ihn an den Schultern, Flügel schlugen, Federn stoben durch die Luft. „Bei Golgaris Schwingen!“, fluchte Hanka, riss die Armbrust hoch. Der Bolzen schnitt durch die Nacht. Ein scharfes Kreischen folgte, halb menschlich, halb tierisch. Der Mond brach durch die Wolken – sein kaltes Licht fiel auf das flatternde Ungetüm und gab sein Gesicht preis: halb Frau, halb Tier, von zerzausten Federn umrahmt, die Augen wie glühende Splitter, weit aufgerissen vor Wahnsinn: „Süßes Fleisch des Steinvolks!“ kreischte sie und schnappte nach Rigims Kopf. Forgrimm sprang vor, seine Axt blitzte im Mondlicht. Ein Schlag, dann ein zweiter. Das Wesen ließ los, flatterte nach oben, stieß gegen einen Ast und schwang sich mit wütendem Fauchen davon. Rigim saß am Boden, die Schulter aufgerissen, der Kopf blutend. „Beim alten Väterchen… die wollte mich fressen!“ Hanka half ihm auf, während Forgrimm den Blick noch immer auf den Himmel gerichtet hielt. „Harpyien“, murmelte er. „Ich hätt’s wissen müssen. In der Schlucht war ihr Nest. Wenn sie hier jagt… dann sind wir nah dran.“ Roglom nickte. „Dann machen wir morgen Nacht hier weiter. Wenn sie uns lässt“
In der Höhle unter Burg Nadoret war es still. Seit vielen Nächten arbeiteten die Kumpel wortlos. Roglom bohrte den Eisenmeißel noch einmal ins Mauerwerk, dann hob er das Licht an und lauschte. „Da — hört ihr das? Hohl.“ Roglom riss mit dem Brecheisen die letzte Schicht Stein weg. Dahinter lag eine enge Pforte. Eine schmale Treppe führten steil aufwärts. Roglom klopfte Obolosch, den Sohn des Oglim anerkennend auf die Schulter: „Gut gemacht, Knappe Obolosch. Ohne deine feine Nase hätten wir den Gang nicht gefunden.“ Forgrimm knurrte zufrieden: „Sie haben den Gang zugemauert und getarnt. Also bewacht ihn keiner.“
Einer nach dem anderen krochen sie in den engen Gang. Nach schier unzähligen Stufen endete der Weg abrupt vor einer weiteren Mauer. Obolosch presste das Ohr gegen den Stein, klopfte, lauschte – und nickte. „Dahinter ist Luft.“ „Dahinter muss der Keller sein“, murmelte Forgrimm. Mit gedämpftem Klopfen begannen sie, die Fugen zu lockern. Schließlich löste sich ein Steinblock, dann ein zweiter, und kalte Kellerluft drang ihnen entgegen – schwer vom Geruch nach Moder und alten Fässern. Forgrimm kroch zuerst durch die Öffnung. Das schwache Licht der Laterne enthüllte Reihen von Fässern die sich im Schwarz verloren. „Weinkeller“, flüsterte er. „Wie ich’s gesagt hab.“ Einer nach dem anderen schlüpften die Kumpel in den dunklen Raum, duckten sich hinter die Fässer. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr.“ wisperte Roglom.
Dann quietschte eine Tür in der Ferne. Schritte hallten über Treppen. Roglom hob die Hand: „Licht aus. Atem flach.“ Die Kumpel nickten und duckten sich zwischen die Fässer. Ein magerer Diener mit Kienspan, der eine leere Karaffe trug und vor sich hin murmelte bog um die Ecke. Das Licht glitt über die Reihen, huschte über Zwergenschultern, doch keiner bewegte sich. Forgrimm presste sich in den Schatten eines Fasses, das Herz schwer wie Erz in der Brust. Der Diener blieb vor einem Fass stehen und zapfte Wein. Er sah sich um und stockte kurz. Dann drehte er sich um, als wäre nichts und ging den Weg zurück. „Gerade noch gut gegangen“, hauchte Roglom. „Und wenn nicht?“ flüsterte Hanka zurück. Der Mann hatte das Raumende fast erreicht, als es ein leises Schnappen gab. Ein Bolzen sirrte, traf ihn zwischen die Schulterblätter und der Diener fiel ohne Laut. Obolosch senkte die Armbrust und murmelte: „Sicher ist sicher.“
Sie schlichen weiter, an der Stelle vorbei, wo der Mann gefallen war. Das kleine Flämmchen seines Kienspans glomm noch, ehe es verlöschte. Hanka schlug ein Boronsrad in die Luft, als sie über den Toten stieg. Obolosch, der Schütze, legte ihm einen Heller in die Hand und drückte sie zu „Das erste Bier drüben geht auf mich“ dann klopfte er dem Diener auf die Schulter und stieg über ihn hinweg.
Forgrimm führte sie über Treppen und Gänge in eine schmale, gewölbte Passage. Es roch nach kaltem Schweiß, Exkrementen und altem Stroh – Kerkerluft. „Hier entlang“, flüsterte Forgrimm. Ein trüber Lichtschein fiel durch einen Türspalt. Aus dem Inneren klang ein kehliges Schnarchen. Hanka lugte hinein. Ein Mann saß auf einem Hocker, den Rücken an die Wand gelehnt, einen Schlüsselbund hing am Gürtel. Ein Arm hing schlaff an seiner Seite, in der Hand baumelte eine Flasche. Der Kerkermeister – schmutzig, halb entkleidet, und trunken bis zur Bewusstlosigkeit. „Das ist die Arbeit des Händlers“, murmelte Roglom. „Kohlbrenner meinte, er würde heute eine Wette verlieren und mit Branntwein zahlen.“ „Guter Mann“, flüsterte Forgrimm zurück. Sie schlichen an der Tür vorbei. Der Kerkermeister röchelte, hob kurz den Kopf, als wollte er etwas sagen – dann sank er wieder in den Schlaf. Die Flasche rutschte ihm aus der Hand und rollte über den Boden. Hanka hielt den Atem an. Doch der Mann rührte sich nicht mehr. Sie stiegen eine Treppe hinab - das dumpfe Schnarchen verklang hinter ihnen – und kamen in ein Gewölbe mit vergitterten Türen auf beiden Seiten. Hinter den Gittern hockten Schemen, manche stöhnten im Schlaf. Der Gestank war kaum zu ertragen. An einer Zelle regte sich etwas.
„He, ihr da!“ flüsterte eine Stimme aus der Dunkelheit. „Ihr seid keine Wachen. Wen sucht ihr.“ „Ruhe“, zischte Hanka. „Wir suchen Brumil Wackerstock.“ „Den Dickschädel von Drift? … Ich weiß, wo er ist. Lasst mich raus – oder ich ruf die Wachen.“ Für einen Moment war es totenstill. Irgendwo im Gang tropfte Wasser. Forgrimm trat näher „Wenn du das tust, bist du tot, bevor du Luft holen kannst.“ „Wenn ich bleib, auch“, flüsterte die Stimme. „Nehmt mich mit – ich kann euch helfen.“ Hanka hob die Armbrust. „Ein Wort noch, und du frisst Stahl.“ Die Gefangene wich zurück, keuchend. Doch in ihren Augen glomm Trotz. Forgrimm musterte sie lange: „Kein Lärm, verstanden? Wenn du muckst, stirbst du.“ Die Gefangene nickte hastig „Der Zwerg sitzt im Loch.“ Sie deutete auf ein rundes Gitter im Boden, am Rande des Gewölbes. Unter dem Gitter, in einigen Schritt Tiefe lag ein alter Zwerg auf dem schmutzigen Steinboden. Forgrimm legte seinen Bart auf das Gitter und hauchte „Brumil“. Der Gefangene hob den Kopf und blinzelte, dann zog er die Brauen hoch. „Forgrimm? … du bist spät“, krächzte er. „Aber nicht zu spät“ antwortete Forgrimm, und zum ersten Mal an diesem Abend huschte ein Schatten von Erleichterung über sein Gesicht. Einer der Kumpel zückte einen Dietrich und machte sich rasch ans Werk. Nach einem metallischen Knack sprang das Schloss auf, sie hoben den Deckel zur Seite und ließen ein Seil hinab. Roglom kletterte eilig runter und half dem Baron auf die Beine. „Kannst du gehen?“ „Für einen, der Monde lang an der Wand hing – erstaunlich gut“, brummte Brumil. Bevor sie den Kerker verließen, lösten sie ihr Versprechen und befreiten die Gefangene. Der Kerkermeister schnarchte noch immer, und im Weinkeller lag der tote Diener. Draußen empfing sie kalter Regen. Sie schlichen durch den Wald, bis das Gehöft auftauchte – ein dunkler Fleck in der Nacht. Die Tür der Scheune öffnete sich, noch bevor sie klopften. Etzel Kohlbrenner, der Händler, stand im Türrahmen, eine Öllampe in der Hand „Na endlich“, zischte er. „Hab schon gedacht, ihr hättet euch verlaufen.“ Brumil setzte sich ans Feuer und atmete tief ein. „Frei“, murmelte er. „Und Nadoret hat’s noch nicht mal gemerkt.“ Forgrimm grinste. „Noch nicht.“