Drifter Fehde - Auch der faule Apfel fällt nicht weit vom Stamm

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Auch der faule Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Phex 1048 BF

Metzel Siebenschröter saß auf einer Bank und stopfte sich gerade ein Stück Käse in den Mund, als seine beiden missratenen Söhne Melcher und Moribert endlich in Sicht kamen. Die zwei Jungs saßen auf ihren Gäulen und wirkten nicht gerade begeistert davon, ihren Vater zu sehen.

„Da seid ihr ja endlich.“, begrüßte Metzel sie und stieg auf sein Pferd.

„Was war denn so wichtig, dass du uns beide auf einmal sehen wolltest?“, fragte Melcher.

„Ja, genau. Wir hatten eine ganz gute Nummer mit den Nadoretern. Einfaches Geld und wir hätten sicher auch was plündern können.“, maulte Moribert.

„Ihr zwei denkt immer zu kurz.“, raunzte Metzel „Ich habe was viel lukrativeres im Blick.“

„Und da brauchst du zwei Helfer, weil sonst hättest du dich sicher nicht gemeldet.“, stellte Melcher fest.

„Ja, genau. Vater des Jahres bist du sicher nicht.“, maulte Moribert. „Sonst hättest du uns nicht gleichzeitig mit verschiedenen Müttern in die Welt gesetzt und dich dann ewig nicht sehen gelassen gehabt.“

Metzel verdrehte die Augen. „Ach, jetzt predigt hier nicht rum. Ihr seid ja auch keine Kinder von Traurigkeit. Jetzt kommt. Wir werden Söldner. Es gilt, Geld zu verdienen.“

„Aber wir waren doch gerade erst Söldner.“, wandte Melcher ein.

„Ach, Jungs, jetzt gilt es für die andere Seite zu reiten. Ich habe da eine Idee.“

Yassburg, später am selben Tag

Halmdahl von Sindelsaum besah sich die drei neuesten Rekruten für seine Schar. Die ersten beiden sahen ganz ordentlich aus, sicher Halsabschneider, aber wenn man Söldner anwarb, konnte man nicht allzu wählerisch sein. Der letzte Rekrut war schon im fortgeschritteneren Alter, aber auch ihn würde er nehmen. Sie hatten im letzten Gefecht zu viele Verluste eingesteckt, um jetzt irgendwelche Kandidaten abzulehnen. Um gegen die Übermacht der Nadoreter zu bestehen, konnte er jeden Schwertarm gebrauchen.

Die Sonne hing schon tief, als Halmdahl die drei zu den übrigen Söldnern führte. Die Kämpfer hatten sich um ein Feuer versammelt, kauten auf hartem Brot und schauten wenig interessiert zu den Neuankömmlingen hinüber.

„Wie heißen die drei?“, brummte einer der Soldritter, Simion, ein großer schmaler Ritter.

Halmdahl deutete auf den Ältesten.

„Metzel Siebenschröter. Und das da sind seine Söhne Melcher und Moribert.“

Simion zog eine Augenbraue hoch. „Söhne? Die schauen sich nicht mal ähnlich.“

„Anscheinend“, meinte Halmdahl trocken, „hat er sein Saatgut großzügig verteilt.“

Metzel grinste breit, als habe er gerade ein Kompliment bekommen. Seine beiden Sprösslinge hingegen warfen dem Vater giftige Blicke zu.

„Hört zu“, begann Halmdahl und verschränkte die Arme. „Wir brechen vor Sonnenaufgang auf. Die Nadoreter sind unterwegs. Wir sind nicht zahlreich genug, um ihnen ernsthaft gefährlich zu werden, aber wir werden sie trotzdem ein wenig aufmischen.

Yassburg noch später am selben Tag

Als die meisten Söldner sich bereits zur Ruhe gelegt hatten, saßen Melcher und Moribert abseits am Rand des Lagers.

„Glaubst du, der Alte weiß, worauf er sich einlässt?“, murmelte Melcher.

„Der Alte weiß nie, worauf er sich einlässt“, knurrte Moribert. „Aber er hat ein Händchen dafür, dass wir am Ende mit drinstecken.“

Sie schwiegen einen Moment.

Dann erschien Metzel hinter ihnen, ein Stück Käse in der Hand, er wirkte ruhig und entspannt.

„Ihr zwei macht euch schon Sorgen?“, fragte er kauend. „Keine Angst. Mit dem richtigen Plan können wir hier richtig absahnen.“

Melcher verzog das Gesicht. „Und was ist dein großartiger Plan?“

Metzel wischte sich die Hände an der Hose ab und beugte sich verschwörerisch zu ihnen.

„Also“, flüsterte Moribert, „ist der Plan wirklich so einfach? Raus, rein, Kiste holen, weg?“

Metzel stopfte sich ein Stück Käse in den Mund. „Einfach ist gar nichts. Aber Halmdahl ist gleich … beschäftigt.“

Melcher sah seinen Vater skeptisch an. „Womit beschäftigst du ihn denn?“

Metzel grinste breit. „Ich habe da was arrangiert.“

Die drei Männer warteten in einem Schuppen, bis die Alarmglocke erklang. „Reiter vor dem Südtor.“, schallte es über den Burghof. Innerhalb kürzester Zeit waren alle auf den Beinen. Befehle wurden gebrüllt und die Kämpfer eilten auf ihre Posten. Nur die Siebenschröter gingen in eine andere Richtung.

Die einzelne Wache, wohl der Sohn Halmdahls, war schnell umgehauen worden. Moribert fesselte und knebelte den Jungen mit geübten Griffen.

Metzel schüttelte den Kopf. „Ihr seid lauter als ein Oger, der Holz hackt.“

„Und trotzdem hat’s gereicht“, zischte Melcher beleidigt.

„Ihr seid beide zu laut. Als hättet ihr’s nie gelernt.“

„Wir haben’s von dir gelernt“, flüsterte Moribert beleidigt.

„Dann hab ich’s euch wohl schlecht beigebracht.“

Metzel hantierte einige Minuten mit dem Schloss der schweren Truhe herum. Das Scharnier knarrte kaum hörbar. Drinnen lagen die Soldzahlungen für Halmdahls Truppe sorgfältig gestapelt.

Melcher pfiff leise durch die Zähne. „Bei den Zwölfen. Davon könnten wir ein halbes Jahr lang leben.“

„Oder ein ganzes, wenn wir weniger saufen“, fügte Moribert hinzu.

„Das tut keiner von euch“, grummelte Metzel. „Packt’s ein.“

Sie stopften so viel Geld wie möglich in ihre Satteltaschen. Dann führten sie ihre Pferde zum Nordtor.

Moribert und Melcher tauschten einen Blick.

„Der Links gehört mir“, murmelte Melcher.

„Der Rechte ist sowieso hässlicher“, meinte Moribert.

Gleichzeitig schlugen sie zu — blitzschnell, gezielt. Je ein Schlag mit dem Knauf, kein Blut, kein Geschrei. Die Männer kippten zur Seite wie nasse Säcke.

„Wann meinst du, Halmdahl wird’s merken?“

Metzel schwang sich in den Sattel. „Oh, er wird nicht lange brauchen. Aber dann sind wir längst fort.“

Wenig später erreichten sie den Waldrand. „Kommt weiter, Jungs.“, rief Metzel, aber Melcher hielt sein Pferd an, die Augen waren zusammengekniffen.

„Vater“, begann er, und das Wort klang plötzlich wie eine Drohung. „Wie viel hast du eigentlich eingepackt?“

Metzel drehte sich langsam um. „Genug.“

„Mehr als wir“, stellte Moribert fest, der bereits in einer seiner Satteltaschen wühlte. „Bei den Zwölfen! Du hast bestimmt doppelt so viel!“

Metzel blinzelte unschuldig. „Vielleicht habe ich einfach schneller gearbeitet.“

„Du hast uns übers Ohr gehauen!“, zischte Melcher und packte ihn am Ärmel.

Metzel riss sich los. „Ich habe euch überhaupt erst den Plan beschafft und die Ablenkung organisiert. Ohne mich würdet ihr jetzt noch in der Burg Ratten zählen!“

„Ohne uns hättest du die Wachen nicht gleichzeitig ausschalten können!“, konterte Moribert und stemmte wütend die Fäuste in die Hüften. „Wir hätten wenigstens einen ehrlichen Anteil verdient!“

Metzel starrte seine Söhne an — und plötzlich war sein Blick hart wie Stein.

„Ihr zwei vergesst, mit wem ihr sprecht.“

Moribert lachte heiser. „Wir sprechen mit einem alten Mann, der ohne uns die Hälfte seines Plans nicht hätte durchziehen können.“

Ein gefährliches Schweigen legte sich über die drei.

Nur das Schnauben der Pferde und der ferne Lärm aus der Yassburg erfüllte die Luft.

Metzel löste langsam die Hand von seinem Gürtel…

… und Melcher zog gleichzeitig sein Schwert ein Stück aus der Scheide.

„Moment!“ rief Moribert und hob beide Hände. „Hauen wir uns jetzt gegenseitig die Köpfe ein, während Halmdahl drinnen die ganze Burg wachmacht? Das ist doch verrückt!“

„Verrückt wäre“, knurrte Melcher, „dem Alten einfach durchgehen zu lassen, dass er uns betrügt.“

Metzel verschränkte die Arme. „Ich betrüge niemanden. Ich sorge vor.“

„Für dich!“, maulten beide Brüder gleichzeitig.

In diesem Moment zerriss ein Hornsignal die Nacht.

Drei kurze Stöße.

Melcher fluchte. „Sie haben die Spur gefunden!“

Metzel schnallte sich entschlossen in den Sattel.

„Wir können das jetzt klären oder später. Aber jetzt — jetzt müssen wir reiten!“

Die Brüder sahen sich an, der Zorn noch heiß in ihren Augen — aber die wütenden Fackeln, die bereits über der Burg sichtbar wurden, entschieden für sie.

„Das ist noch nicht vorbei“, sagte Melcher leise.

„Nein“, bestätigte Moribert.

„Nichts ist je vorbei“, antwortete Metzel, „solange Gold im Spiel ist.“

Sie sprangen gleichzeitig auf ihre Pferde — aber sie ritten nicht gemeinsam los. Metzel ritt Richtung Süden. Er verkündete: „Ich schulde Burgolf noch Geld für die Ablenkung.“

Die Brüder ritten noch eine Weile gemeinsam in die andere Richtung, doch dann teilten sie sich ebenfalls auf, denn keiner traute dem anderen.