Grimsauer Liebe - Nadoreter Zorn

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Burg Nadoret, Anfang Praios 1041 BF

Hakan von Nadoret schäumte vor Wut. Ein Bote der Stadtgarde der Kaiserstadt Gareth war gleichzeitig mit Guneldes Diener angekommen und hatte Unerhörtes berichtet. Der Lûrer Baron Rainfried von Grimsau hatte es doch tatsächlich gewagt, Hakans Tochter zu entführen. Vor einigen Wochen hatte der Bursche vorgesprochen und um ihre Hand angehalten, aber damals hatte er sich eine Abfuhr geholt, war Gunelde doch bereits mit Bolzerich von Uztrutz verlobt, der Mitglied eines ungleich wichtigeren Adelshauses war als dieser dahergelaufene Neubaron, der ohnehin nur über ein ärmliches Lehen im Amboss herrschte. Nun hatte Rainfried die Dinge offensichtlich selbst in die Hand genommen und Gunelde einfach entführen lassen. Hakan war aufgewühlt und sein Temperament drohte mit ihm durchzugehen. Was wagte es dieser armselige Bergbaron, Hand an seine Tochter zu legen?
Während Hakan im Kaminzimmer auf und ab marschierte, gab Baronin Neralda Cella flüsternd Anweisungen an einen ihrer Gardisten. „Jetzt hör endlich auf, hier immer hin und her zu rennen, Hakan.“, schnauzte sie ihren Cantzler an. „Ich habe angeordnet, dass Raul von Kemlar sich augenblicklich nach Lûr aufmachen soll, um die Herausgabe deiner Tochter zu fordern. Derweil machen sich Boten nach Uztrutz, Drift und Bärenfang auf den Weg, um unsere Verbündeten zu den Waffen zu rufen. Du wirst die Truppen der Alttreuen selbst anführen. Eine Abordnung unserer Garde macht sich soeben bereit. Unser Neffe Wilbur wird dich begleiten und deine übrigen Kinder werden sicher auch dazu stoßen. Und nun mach dich reisefertig und lehre diesen Raubritter, was es heißt, sich mit dem Haus Nadoret anzulegen.“

Drift, 30. Praios 1041

Der kleine, sonst so beschauliche Hafen von Drift glich heuer eher einem Heerlager als einem Handelshafen. Der Anblick der vielen Bewaffneten ließ Bolzerichs Herz höherschlagen. Die letzten Tage hatte er sich an der erfolglosen Belagerung der Yassburg beteiligt, aber außer hohen Verlusten hatten sie dort nichts erreicht. Während Baron Narmur seine Wunden leckte, hatte sich Bolzerich mit seinen Leuten nach Drift begeben, hatten das Haus Nadoret und auch seine Schwester, die Baronin Derya von Uztrutz, doch zahlreiche Bewaffnete geschickt, um seine Verlobte aus der grausamen Kerkerhaft in Lûr zu befreien. Bolzerich konnte sich an der ganzen Pracht gar nicht satt sehen. Da waren Nadoreter Fußsoldaten und Reiter, dazu waren die Ritter von Kemlar und Hirschingen mit ihrem Waffengefolge angereist, ebenso wie Wilbur und Balinor von Nadoret. Weitere Fußsoldaten aus Uztrutz gesellten sich zu seiner eigenen kleinen Schar Berittener. Der Baron von Bärenfang, Erzbart von Drabenburg, war gar höchstselbst an der Spitze seines Waffengefolges erschienen. Als wäre all das nicht genug, hatten die Nadoreter einige der landlosen Ritter vom Grauen Schild mit ihrem Waffengefolge verpflichtet. Zu guter Letzt wurden von einem der Flussschiffe sogar zwei Geschütze abgeladen. Man hatte wirklich an alles gedacht. Selbst eine Belagerung würden sie so leicht für sich entscheiden können. Bolzerich versuchte die Zahl der Kämpfer zu zählen, aber es gelang ihm nicht so recht. Es waren einfach zu viele. So schätzte er, dass sich hier fast zweihundert Kämpfer unter dem Hirschbanner versammelt hatten. Der Bund der Alttreuen zeigte seine Zähne. Bolzerich malte sich einmal mehr in Gedanken aus, wie er an der Spitze dieses Heeres in Lûr einmarschierte und seine Angebetete aus den Klauen des geifernden Rainfried von Grimsau befreien würde. Im Anschluss würde man Drift befrieden, das jedenfalls hatte Bolzerich beschlossen.
Zwei Tage später, als das Heer sich endlich auf den Marsch machte, fühlte sich Bolzerich gedemütigt. Hakan von Nadoret, Guneldes Vater, hatte dem stolzen Jüngling unmissverständlich klar gemacht, dass dieser hier das Kommando habe und er selbst gefälligst die Klappe halten sollte und zu tun habe, was man ihm befahl. Auch von seiner Idee, in die Kämpfe in Drift einzugreifen, hielt der Nadoreter Cantzler reichlich wenig. Zu verworren und zu gefährlich sei das alles. Narmur bewege sich angeblich an der Grenze zum Hochverrat und auch wenn er ein Bundesbruder sei, werde man ihn nur bei einer normalen Fehde unterstützen, nicht aber beim Kampf um fürstliche Besitzungen. So hatte das Heer auch einen weiten Bogen um das umkämpfte Yassburg geschlagen.
Immerhin hatte man Bolzerich und den Uztrutzern die ehrenvolle Vorhut anvertraut, während die Ritter vom Grauen Schild, die ohnehin nicht viel mehr als Söldner waren, die Nachhut bilden mussten. So konnte sich Bolzerich wenigstens erfolgreich einreden, dass er den ehrenvollsten Platz im Heer erhalten hatte. Der nüchterne Hakan hielt das Uztrutzer Kontingent freilich für am entbehrlichsten und hatte sie daher in die Vorhut gesteckt.
So zog das Heer langsam durch das Drifter Land und begann dann mit dem steilen Aufstieg in die Ambossberge.