Die Trommlerin

Aus KoschWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kosch-Kurier36-.gif

Kosch-Kurier Sonderausgabe - Tsa 1040 BF

Wolfhardt von der Wiesen: Die Trommlerin


Im Rahja im Jahr Neununddreißig

War eine blutige Schlacht,

Da haben so viele Menschen

Und Unmenschen einander umgebracht.


Bei Mendena ist das gewesen,

Doch konnt’ es auch anderswo sein,

Da wehten die Banner des Reiches,

Da standen auch unsere Reihn.


Das Blut ist in Strömen geflossen,

Die Bäche war’n bald purpurrot,

Und viele Helden starben –

Und manche sogar den Heldentod.


Und als das Tosen verklungen

Und verklungen das Kampfgeschrei,

Da kamen vom purpurnen Himmel

Die Raben und Krähen herbei.


Am linken Flügel, am Graben,

Da lag ein Mädchen im Gras,

Und rund um das Mädchen waren

Die Halme so rot und nass.


Sie trug kein Leder, kein Eisen,

Die Füße war’n ohne Schuh,

Sie hatte nur ihre Trommel

Und ganz viel Mut dazu.


Sie öffnet’ noch einmal die Augen

Und sah mich im Abendrot stehn

Und sah in der Ferne das Banner

Des freien Tobriens wehn.


Da tat sie den letzten Seufzer:

„Gerettet sind Heimat und Reich …“

Sie wollte wohl mehr noch sagen,

Doch war sie schon stumm und bleich.


Ich sah, wie die Augen brachen,

Sie war noch ein halbes Kind,

Doch war sie schon halb getröstet,

Weil wir andern gerettet sind.


Sie hat uns die Trommel geschlagen,

Im gleichen Takt wie der Schritt.

Ich hab sie zu Grabe getragen

Und viele andere mit.


Ich kenne nicht ihren Namen,

Das Heim nicht, von dem sie schied,

Doch möge sie weiterleben

In meinem bescheidenen Lied.


IN MEMORIAM MORTVORVM