Die Trommlerin
Wolfhardt von der Wiesen: Die Trommlerin
Im Rahja im Jahr Neununddreißig
War eine blutige Schlacht,
Da haben so viele Menschen
Und Unmenschen einander umgebracht.
Bei Mendena ist das gewesen,
Doch konnt’ es auch anderswo sein,
Da wehten die Banner des Reiches,
Da standen auch unsere Reihn.
Das Blut ist in Strömen geflossen,
Die Bäche war’n bald purpurrot,
Und viele Helden starben –
Und manche sogar den Heldentod.
Und als das Tosen verklungen
Und verklungen das Kampfgeschrei,
Da kamen vom purpurnen Himmel
Die Raben und Krähen herbei.
Am linken Flügel, am Graben,
Da lag ein Mädchen im Gras,
Und rund um das Mädchen waren
Die Halme so rot und nass.
Sie trug kein Leder, kein Eisen,
Die Füße war’n ohne Schuh,
Sie hatte nur ihre Trommel
Und ganz viel Mut dazu.
Sie öffnet’ noch einmal die Augen
Und sah mich im Abendrot stehn
Und sah in der Ferne das Banner
Des freien Tobriens wehn.
Da tat sie den letzten Seufzer:
„Gerettet sind Heimat und Reich …“
Sie wollte wohl mehr noch sagen,
Doch war sie schon stumm und bleich.
Ich sah, wie die Augen brachen,
Sie war noch ein halbes Kind,
Doch war sie schon halb getröstet,
Weil wir andern gerettet sind.
Sie hat uns die Trommel geschlagen,
Im gleichen Takt wie der Schritt.
Ich hab sie zu Grabe getragen
Und viele andere mit.
Ich kenne nicht ihren Namen,
Das Heim nicht, von dem sie schied,
Doch möge sie weiterleben
In meinem bescheidenen Lied.
IN MEMORIAM MORTVORVM
