Gegen Durst und hitzigen Streit

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Kosch-Kurier Sonderausgabe - Ingerimm 1039 BF

Gegen Durst und hitzigen Streit

Wie ein Bierfass für Einigkeit sorgte

STEINERNES TAL, Ingerimm 1039 BF. Dies sind die getreulich niedergeschriebenen Erinnerungen des Horst Haffinger, wie er sie unserem Chronisten in die Feder diktierte. Zwar stehen die Ereignisse nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Feierlichkeiten rund um das Reinheitsgebot, aber wir waren der Ansicht, dass dieser Bericht dennoch einen Platz in unserer Sonderausgabe mehr als verdient hat.

In diesem Götterlauf durfte ich meinen Herrn Rodhelm von Hartsteig zum Schwurbundtreffen im Steinernen Tal begleiten. Es war ein eher kleineres Treffen, denn viele Adlige waren mit unserem Grafen gen Osten gezogen, um den Erzverräter zu stellen. Statt dem Herrn Grafen war nun zu aller Überraschung seine Frau, die wunderschöne Mechtessa, anwesend, die dem Haus Wengenholm erst vor wenigen Götterläufen zwei gesunde Kinder geschenkt hatte. Die Anwesenheit der Landesmutter sprach sich rasch herum, und jeder Sendschaft war daran gelegen, der freundlichen Dame ein prächtiges Geschenk zu übergeben, um so vor den anderen angeben zu können. Eines dieser Geschenke war auch ein Fass gutes, dunkles Bier, gebraut nach Koscher Art und gesegnet von der Travia-Geweihten der Hauptstadt, Herdane Haubinger persönlich. Die Sendrin von Adlergang verkündete stolz, dass ihre Schwester dieses Fass zur Feier des 1000-jährigen Bestehens des Reinheitsgebotes in Angbar erworben habe und jetzt dem Grafenhaus zum Geschenk machen wolle.

Nachdem alle Gaben überreicht worden waren, kam man, wie immer, zu den Beratungen innerhalb des Steinernen Tals zusammen, und hier zeigten sich recht bald tiefe Risse in der Wengenholmer Gemeinschaft. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, doch der Stein des Anstoßes war wohl, dass eine Sonderabgabe für den Kampf im Osten zu entrichten sei. Viele Sendschaften, darunter die Adlerganger, weigerten sich, diese – wie sie es nannten – Raubsteuer zu zahlen, während andere, darunter mein Herr, diese Sturheit fast schon als Landesverrat bezeichneten. Die Gespräche wurden hitziger, die Rufe lauter, und man bemerkte schon, wie einige der Anwesenden ihre Hände an die Axtstiele und Messergriffe legten. Auch die Gräfin schien diese Unruhe bemerkt zu haben und schlug daher vor, dass sich jeder etwas von ihrem Bier einschenken sollte, um die Gemüter wieder zu kühlen. Nun kenne ich mich mit dem Anzapfen recht gut aus, daher gebot mir mein Herr, doch die Humpen für alle der Anwesenden zu füllen.

Doch oh weh, wie hätte ich das tun sollen? Das überlassene Fass, aus gutem Eichenholz gefertigt, umfasste wohl nicht mehr als 2 Urn (= 20 Maß) und damit viel zu wenig, um allen diesen trinkfesten Männern und Frauen einen guten Baroscht (= 1 Maß) einschenken zu können. Aber viel Zeit blieb mir nicht, darüber nachzudenken, denn schon drängten die ersten Durstigen heran. Wer uns Wengenholmer kennt, der weiß ja, dass wir zu Bier nicht nein sagen – und zu Kostenlosem schon gar nicht. Daher schlug ich den Zapfhahn ein (mit lediglich zwei Schlägen, wohlgemerkt!) und begann einem jeden seinen gereichten Humpen voll zu machen. Ich zapfte und zapfte – und da bemerkte ich es: Ich schwöre auf Mutter Travia und alle anderen elf Götter sowie sämtliche Heiligen unseres Landes, dass wir hier einem Wunder der guten Mutter beiwohnten! Ich war mir sicher, dass dieses Fass niemals reichen würde, doch so oft ich auch immer den Zapfhahn öffnete, so oft kam herrliches Bier heraus, so dass ich jedem Einzelnen einen Krug voll machen konnte. Erst nachdem ich mir selbst zu guter Letzt einen Krug eingeschenkt hatte, war das Fass leer, so als wäre alle Flüssigkeit darin ausgetrocknet. Doch damit nicht genug, kaum hatte das frische Bier die jeweiligen Kehlen benetzt, da verschwanden der hitzige Zorn und der Hader aus den Versammelten, und sogar mein Herr führte ein sachliches Gespräch mit der Sendrin von Adlergang, während man sich gegenseitig immer wieder zuprostete.

Als man sich dann wieder zum Rat einfand, da schien es so, als wäre Mutter Travia selbst in unseren Reihen anwesend, denn es gab eine einvernehmliche Einigung, und nichts führte mehr zu Konflikt und Hader. Ich habe meine Gedanken hierzu an Mutter Travine herangetragen, die mir nahelegte, dies auch dem KOSCH-KURIER zu enthüllen. Wie bereits gesagt, ich denke, dies war ohne jeden Zweifel ein Wunder der Mütterlichen und so passend zur Feier des Reinheitsgebots. Die Dienerin der gütigen Göttin beschloss meinen Bericht an den Travia-Tempel in Angbar weiterzuleiten, um sich mit ihren Oberen dazu zu besprechen. Vielleicht wird es ja als echtes Wunder anerkannt? Aber ich einfacher Mann kann dazu nur sagen, dankt Mutter Travia und dankt ihren Gaben, denn dieses Mal hat uns das Bier wahrlich beschützt.“

Mattosch Sohn des Joharl