Der Alagrimm - Wandergeplauder

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5. Bor 1039 BF
Wandergeplauder
Regnerische Begrüßung


Kapitel 2

Kneipengespräche

Tosch Mur, 05. Boron 1039 BF

Es dunkelte bereits, als Korkron abreisebereit vor dem kleinen Gasthaus in Hammerschlag wartete. Daak, stand in seinem leichten Geschirr vor dem kleinen Wagen. Dieser war nun etwas leichter, denn um seinen ersten Eindruck beim Bergvogt Tharnax auszumerzen, hatte sich Korkron nun mit Rüstung, Streitäxten, Armbrust und Schild zur gemeinsamen Abreise rausgeputzt.

Ein langer Tag lag bereits hinter ihm. Neben einem Besuch bei der Angroschna hatte er mit einigen Bütteln gesprochen und die wildesten Gerüchte vernommen. Hierbei entging es ihm nicht, dass die menschlichen Büttel die Schuld eindeutig bei der bewusstlosen Angroschna sahen.

Diese hatte bei Korkron einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwar war sie bewusstlos. Aber in ihre konnte er partout nichts Böses erkennen. Ganz im Gegenteil fand er das Äußere der jungen Zwergin extrem ansprechend und so schwankte er in seinem ersten Eindruck zwischen der benötigten Neutralität und dem Wunsch, diese Angroschna möge unschuldig sein. Wo blieb denn bloß Tharnax?

Dieser kam kurz darauf nicht, wie von Korkron erwartet aus dem Gasthof, sondern von aus den Stallungen, einem robusten Holzanbau mit Schrägdach, welcher sich seitlich an das Hauptgebäude anschmiegte. Der Bergvogt führte ein robust wirkendes Zwergenpony an der Leine hinter sich her, auf dem seine Habseligkeiten gut verschnürt und gegen die Witterung mittels Wachstuch abgedeckt waren. Der Sattel des Tieres schien noch ziemlich neu, oder nur wenig genutzt. Das Leder glänzte und wirkte äußerlich sehr geschmeidig.
Tharnax trug einen Hammer am Waffengurt, welcher offensichtlich einhändig geführt wurde. Der zu seiner Wehr gehörende Schild, ebenso wie die vortreffliche Armbrust, waren in speziellen Halterungen am Sattel befestigt.
„Garoschem, Sohn des Kodorn. Ich hoffe der Tag hatte keine üblen Überraschungen für dich parat“, grüßte er als er Korkron erblickte.
„Ziehst Du in den Krieg junger Angroscho? Im Vergleich zu gestern scheinst Du mir stark gerüstet zu sein.“
„Nein, Nein, Bergvogt, antwortete Korkron auf die Spitze des Einäugigen. Ich kam mir nur etwas nackt vor so ohne Axt und Schild.“
„Komm, du kannst mir entlang des Weges berichten. Ich marschiere eh viel lieber, als das ich reite.“

Langsam zogen die beiden Zwerge los, wobei Tharnax den Weg vorgab. Daak und das Pony liefen den ansteigenden Weg, bepackt mit der jeweiligen Ausrüstung der beiden Krieger, nebeneinanderlaufend hintendrein. „Nun“, begann Korkron seinen Bericht, „viel konnte ich tatsächlich noch nicht in Erfahrung bringen.
Die ermordete Geweihte war wohl ziemlich beliebt und Einwohner Siebenessens ziemlich aufgeregt, als der Mord geschah. Und da kam es für die Büttel sicher passend, dass die offensichtliche Täterin direkt nach oder bei ihrer Tat in die Bewusstlosigkeit fiel und daraus nicht mehr erwacht. Ohne Einschreiten des Abtes wäre sie wohl bereits gehängt worden.“
Nach einem kurzen Moment der Stille antwortete der ältere der beiden Zwerge, mittlerweile seinen Hammer in den Händen abwiegend, als gelte es, einen Richterspruch abzuwägen: „Ist es nicht etwas zu einfach, dass die Mörderin direkt neben der Leiche zu finden ist?“
Korkron nickte: „Ich habe einen Bericht nach Tosch Mur geschickt.

Die beiden Angroschim gingen, im Einvernehmen, zunächst die Situation vor Ort klären zu wollen, ihren Weg durch die im Frühling erwachende Landschaft weiter.
Korkron mochte es, wenn die Sonne schien. Der Regen von gestern war vergessen und ein strahlend blauer Himmel begleitete die beiden rothaarigen Angroschim.
Die meiste Zeit liefen die beiden ruhig, schweigend und ihren Gedanken nachgehend nebeneinander her. Doch Tharnax fragte immer wieder geschickt, so dass Korkron über seine Zeit in Xorloschs Kampfschule , seine Reisen und den „Disput von Angbar“ berichtete, indem er vor den Augen des Bergkönigs einen Zwist als Lüge enttarnte und die Lex Zwergia in einer solchen Manier verteidigte, dass der Bergkönig ihn hinterher persönlich ansprach und ihn zu seinem Mandatar machte.
Tharnax war ein aufmerksamer Zuhörer, brachte sich in die Geschichten des Korkron ein und berichtete seinerseits über seine Kriegszeiten und über Ârxozim, seine Heimat.
Das ruhige Pläuschchen wurde nur einmal etwas reger, als Korkron nach der Armbrust fragte und Tharnax in großer Schwärmerei den Bau und die Mechanik der Fernwaffe berichtete.
Ins Schwärmen kam der Vogt, als er von einer neuen Einheit Eliteschützen innerhalb des nordmärkischen Garderegiment Ingerimm Hammer berichtete. Sein alter Freund und Oberst Dwarosch, Sohn des Dwalin hatte das Halbbanner ausschließlich mit Gandrasch- Armbrüsten ausstatten und ausbilden lassen. Die 25 Soldaten waren in Senalosch stationiert und hatten zum Teil auch von Tharnax ihren Feinschliff erhalten.

Es dunkelte bereits, als die beiden Zwergenkrieger Siebenessen erreichten. Da beide der Meinung waren, heute Abend nichts mehr in der über den Dorf liegenden Abtei ausrichten zu können, entschlossen sie sich, in einem der beiden Gasthäuser einzukehren.
“Komm”, sagte Tharnax. “Mischen wir uns unters Volk, trinken ein kühles Bierchen- oder, zwei, oder drei.” Der Bergvogt feixte amüsiert. “Dabei werden wir sicher zu hören bekommen, was nach Meinung der Einheimischen geschehen ist. Noch wichtiger jedoch, wir spüren der lokalen Stimmung nach. Das kann für deine Arbeit beziehungsweise unser Vorhaben bedeutend sein. Wir wollen doch nicht unvorbereitet in ein Nest Höhlenspinnen stoßen.
Vielleicht”, Tharnax senkte leicht die Stimme”, solltest du dich nicht gleich zu erkennen geben.”