Schlechte Zeiten für Gastfreundschaft

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Ausgabe Nummer 41 - Efferd 1029 BF

Schlechte Zeiten für Gastfreundschaft

Wie es dem Schreiber und Boten Anselm Sindelburger in der Geistmark ergangen ist

Der folgende Brief des Schreibers Anselm Sindelburger nimmt Bezug auf das Tsafest auf der Angenburg, von welchem wir in der letzten Ausgabe des Kosch-Kurier berichtet hatten. Durch widrige Umstände gelangte der Text erst nun in unsere Schreibstube. Er mag damit etwas verspätet kommen, soll der geneignten Leserschaft aber dennoch nicht vorenthalten werden.

Wahrlich, wir leben in finsteren Zeiten! Allenthalben wankt die göttergefällige Ordnung, und Söldling wie Landmann tun, wie ihnen beliebt. In solchen Zeiten ist der Reisende besonders auf die Gastfreundschaft in TRAvias Namen angewiesen. Und eben diese suchte ich auf meinem Weg vom Greifenfurtschen nach Angbar in der Burg des Barons von Geistmark.

Doch ach! Zwar wies mir Kerzenschein aus den Fenstern des Bergfrieds freundlich den Weg durch die Nebel des Moors, in dem Burg Sighelms Halm gelegen ist. Doch am verschlossenen Burgtor war’s vorbei mit Freundlichkeit. Fünfmal verhallte mein Klopfen ungehört, bis endlich eine Wache ihre mürrisch gefurchten Brauen im Guckloch blicken ließ.

„In Mutter TRAvias Namen, ich bin als Bote unterwegs nach Angbar und bedarf einer Unterkunft“, hub ich an und wollte sogleich meinen Namen nennen — da fuhr mir die Wache dazwischen: „Dann sucht Eurer Glück woanders, Bote, denn hier ist kein Platz für Euch!“ Schon wollte der Mann das Guckloch wieder schließen, doch ich rief hastig: „Missachtet nicht vorschnell der Göttin Gebote! Eine kleine Kammer soll mir genügen, selbst nur eine Liege in Eurer Wachstube.“

Zornig funkelten da die Augen des Wächters, und er dröhnte: „Bescheiden mögt Ihr wohl sein, aber Platz ist dennoch nicht! In der kleinsten Kammer haust schon ein edler Herr, und in der Wachstube liegt das Gefolge auf und unter den Tischen!“

Mein verständnisloser Blick schien ihn etwas zu besänftigen, und mit gesenkter Stimme fuhr er fort: „Wisst nämlich, dass der Fürst in die Angenburg zum Tsatagsfest geladen hat, und männiglich, so dorthin zieht, muss hier vorbei und nimmt Quartier in unserer Burg. Erst gestern war’s der Graf von Ferdok in seiner Kutsche, heute sind’s die Barone von Metenar und Nadoret samt Junkern und Edlen – und in einigen Tagen mag selbst der Hinterkoscher Herzog hier anklopfen! Dabei sind die Kassen nach der Verheerung des Alagrimm leer, und die Vorratskammern seit gestern auch. Die Köchin betet zum Herrn PHEx, dass die Wagenladung Wurst und Rüben, die der Baron aus Angbar holen lässt, noch vor dem Herzog bei uns eintrifft...“

Er seufzte tief, offenbar beim Gedanken an einen Zipfel Wurst, und fügte an: „Ihr seht also, bevor Ihr Euch hier zwischen Ochs und Esel legt und mit ihnen aus der Tränke schlürft, geht Ihr lieber den Knüppeldamm zurück bis zur nächsten Bauernkate. Die gute Hamwide wird Euch Frau TRAvias Gastfreundschaft sicher nicht verweigern.“

Damit verriegelte er das Guckloch wieder, und ich tat, wie mir geheißen ward. In der Tat ließ es die treffliche Bäuerin nicht an Freundlichkeit mangeln, obwohl sich in ihrem Hof kaum ein Wursträdchen mehr gefunden haben dürfte als auf Burg Sighelms Halm. Dem besagten Vorratstransport begegnete ich übrigens zwei Tage später hinter Oberangbar — behütet von mehr als einem halben Dutzend spießbewehrter Büttel. Wahrlich, in was für Zeiten leben wir, dass Würste so scharf bewacht werden wie die Schatzkammern von Bosparan!