Ein glanzvolles Leben, ein schmählicher Tod

Aus KoschWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen


Kosch-Kurier36-.gif

Ausgabe Nummer 41 - Efferd 1029 BF

Ein glanzvolles Leben, ein schmählicher Tod

Die Vita Orsinos von Falkenhag, des Grafen vom Angbarer See

Orsino Dragodwarth Firundal von Falkenhag zum Grauen See, Graf vom Angbarer See, Reichserztruchsess, Reichs-Großsiegelbewahrer, Baron von Zwischenwasser, Reichsedler von Gerbaldsgrund, Landedler von Falkenhag etc., wurde am 5. Rahja 971 BF in den Räumen des Angbarer Hesindetempels geboren, in welchem seine Eltern noch kurz zuvor einen neuen Bibliothekssaal einweihen wollten. Beide, Graf Praiodan und Gräfin Praiodane, waren sehr stolz, als Orsino am Garether Kaiserhof seinen Knappendienst verrichten durfte.

Schon in diesen jungen Jahren fand er seine Liebe an Rahjas Geschenken — und die Erzählungen geheimer Zeugen seiner amourösen Abenteuer jener Tage könnten kaum delikater sein. Schnell erwarb er sich nicht nur großes Wissen, eine geschliffene Zunge, beste Manieren und galantes Auftreten, sondern auch die Achtung am höchsten Hofe des Reiches. Sein praiosfrommer Vater jedoch, sah die flatterhafte Lebensart des Sohnes mit Unbill. Als sich 997 BF sein Vater Graf Praiodan dem Herren Praios weihen ließ, übergab er Amt und Titel dennoch gemäß gewohntem Recht an seinen ältesten Sohn Orsino. Bald schon, gesellte sich das hochehrenwerte Amt des Reichs-Großsiegelbewahrers hinzu – welches ihn wiederum lange Zeit in Gareth band. Seine Reisen zwischen Kaiserstadt und Schloss Grauensee, zumeist in prächtiger Ferrara-Kutsche, wurden nahezu legendär. Am Angbarer See zog mit ihm garetische Lebensart ein — einige seiner Bankette, Tanzabende und Maskenbälle gehören zu den rauschendsten Festen, die der Kosch je sah: Etwa der Feenball 1009 BF, die Tulamidische Nacht 1015 BF oder die Große Jagd im Firun 1023 BF. So manche Liebesnacht folgte, und doch war unter den Damen nie jene Auserwählte, die ihn zum Traviabund führen durfte. Auch die anderen Gaben der Rahja lagen dem Grafen sehr am Herzen — und nicht nur Dichterfürst Wolfhardt von der Wiesen erlebte ihn als hehren Förderer der Kunst.

Doch auch ernste Seiten nannte der schöne Graf sein Eigen, speziell in den späteren Jahren. Nach einer entbehrensreichen Pilgerfahrt nach Bjaldorn, von der er heilige Gaben des Weißen Mannes für die Herzogenkinder Weidens mitbrachte, kam er ernst und besonnen zurück. Seither fand man ihn immer wieder nachdenklich vor, jedoch nicht, ohne sogleich wieder den alten Charme und Witz zu erleben.

Die lange Zeit unbekannteste Facette Orsinos war jedoch die Freundschaft zu Answin von Rabenmund, welche wohl schon seit frühen Garether Tagen bestand. Offen jedenfalls, stand Orsino zu Zeiten von Answins erster Usurpation nie auf dessen Seite. Auf dem Garether Parkett war der Graf offenbar ein Meister der Intrige und des verdeckten Spiels geworden, was ihm später nutzen sollte.

Zu Elenvina wurde er 1027 BF zum Reichserztruchsess gekürt, was er bald schon nutzte um den wieder erschienenen Answin in dessen Bestreben zu unterstützen das Reich zu retten. Doch was in hehrem Sinn begann wandelte sich nach Rohajas Rückkehr zum Hochverrat. Dieses Spiel endete nun schließlich tödlich — auf dem Richtplatz zu Gareth, am 5. Tage des allgerechten Praios, im 1029ten Jahre nach dem Fall Bosparans.

Losiane Misthügel