Im Kreis der Familie - Bardos Pläne

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Eff 1028 BF
Bardos Pläne
Zu Gast im Dachsbau


Kapitel 3

Dachsbau, 1028

Kurze Zeit später waren Bardos Bedenken vollends zerstreut. Alderan hatte ihn äußerst herzlich empfangen, und auch Erlan war überaus freundlich gewesen, auch wenn er sich in dieser Hinsicht in stärkerer Zurückhaltung übte als ihr gemeinsamer Großvater.
Nun saßen sie gemeinsam im gemütlichen Kaminzimmer und tranken einen vorzüglichen Beerenbrannt, während sie Erinnerungen an vergangene Zeiten austauschten. Vor allem brachten sich die Verwandten aber gegenseitig auf den neuesten Stand, was das Leben der jeweils anderen anging. Bardo erfuhr hier viel über die Ereignisse im Kosch der vergangenen Jahre und berichtete im Gegenzug von seinen Erlebnissen auf See. Er schmückte dabei seine Erzählung – wie gewohnt dem ‚anekdotischen Stil‘ folgend – weitschweifig aus und verzichtete auf unrühmliche Episoden, wie sein Ausscheiden aus der Kadettenschule.
Schließlich wandte sich das Gespräch den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit zu: der Schlacht um Angbar mit den vielen Verletzten und Todesopfern, zu denen auch Bardos Vater Alrik von Bardostein zählte.
Erlan lauschte den Erzählungen seines Vetters mit einem freundlichen Lächeln, doch war er innerlich der Ansicht, dass Bardo wohl zu Übertreibungen neigte. Im Grunde war es Erlan jedoch egal. Es ging ja um nichts von unglaublicher Wichtigkeit, und Bardo war ein wirklich guter Erzähler. Ansonsten wirkte Bardo etwas exotisch. Seine Seefahrertracht ließ ihn im Kosch wie einen Exoten wirken, dennoch wirkte er nicht lächerlich, sondern machte einen äußerst freundlichen Eindruck. Wenngleich ihn sein bisheriges Schicksal vom Kosch fortgeführt hatte, so war er im Herzen doch Koscher geblieben. Sein Begleiter wirkte indes etwas suspekt, aber Erlan hatte nicht die Zeit gehabt, ihn länger zu betrachten, denn nun war er mit dem übrigen Gesinde in der Küche und machte sich über die Reste vom Vortag her.
Als jetzt die Sprache auf den Kampf gegen den Alagrimm kam, ergriff sein Großvater Alderan das Wort.
„Das waren wahrlich schreckliche Ereignisse. Alrik war mir ein treuer Schwiegersohn und ich habe ihn sehr geschätzt. Sein Tod hat mich zutiefst betrübt. So viele sind mit ihm gefallen. So viele alte Freunde und Bekannte.“
Kurz drifteten Alderans Gedanken in die Vergangenheit, doch er hatte sich schnell wieder gefangen und fuhr fort.
„Erlan hätte es auch beinahe auch erwischt. Die Namen werden dir wohl nur noch wenig sagen, aber auch die Entensteger, Butterböser und Bärenstieger haben in Angbar schwer geblutet. Doch Angbar hat sich gut erholt. Die Schäden waren groß, doch die Angbarer sind ein fleißiges Völkchen, und an Hilfe hat es auch nicht gefehlt. Wenn man durch die Straßen läuft könnte man glatt glauben, dass nichts geschehen ist, doch dann hört man all die fremden Zungenschläge in Vierteln, in denen früher nur brave Koscher gewohnt haben, doch so ist es nun einmal. Mit der Zeit werden all die Darpaten und Garetier auch rechte Koscher werden.
Aber ich alter Mann habe genug gesprochen. Was treibst du eigentlich in Angbar, und was hast du für Pläne für deine Zukunft.“
„Nun, zunächst einmal muss ich die Erbschaftsangelegenheiten zu Ende regeln, doch dann werde ich mich wohl schleunigst darum bemühen müssen, vollends in die Fußstapfen meines Vaters zu treten und ebenfalls als Reichsedler bestätigt zu werden, da ja unser Titel – Praios sei’s geklagt – nicht erblich ist. Doch wer weiß, wann sich das klären lässt, denn das übrige Außerkosch hat es ja beinahe ebenso hart getroffen wie uns, und noch kann niemand sagen, wer überhaupt für solche Entscheidungen zuständig ist. Hoffen wir also, dass bald wieder Ruhe und göttergefällige Ordnung einkehrt.
Inzwischen werde ich mich in Angbar ein wenig umtun und versuchen, Kontakte zu knüpfen. Das Geritterhaus ist dafür sicher ein guter Ausgangspunkt, aber wenn ihr, liebe Verwandte, mir behilflich wäret und mich ein paar Leuten vorstellen könntet, würdet ihr mir einen großen Dienst erweisen.“
Als Alderan ihn fragte, wo er zu wohnen gedächte, erwiderte Bardo:
„Turm Bardostein ist momentan noch zu zugig und ein wenig…nun ja…sagen wir mal mein Vater hat sich in seinen letzten Jahren nicht mehr unbedingt um die Gemütlichkeit unseres Anwesens gesorgt. Daher werde ich auch weiterhin Quartier im Geritterhaus von Angbar nehmen. Die Gesellschaft ist angenehm, man ist etwas unter sich, aber dennoch mitten in der Stadt. Das gefällt mir ausnehmend gut. Aber es wäre natürlich eine Schande den guten alten Turm verfallen zu lassen, daher habe ich den guten Rumbolasch Barschentopf, unseren Haushofmeister zu Bardostein, gebeten, den Turm etwas herrichten zu lassen, damit ich zumindest ab und zu dort wohnen kann. Etwa, wenn es nach einer Rundfahrt mit der Jacht zu spät wird.“
Allmählich begann Bardos Bauch zu knurren, daher fragte er nun seinen Großvater ganz unverblümt:
„Bislang haben wir ja vorzüglich getrunken, aber ich muss gestehen, dass mich der Hunger nun gar fürchterlich zu plagen beginnt. Ich möchte in keinem Fall unverschämt erscheinen, aber die Koscher Küche hat mir so lange gefehlt und ich freue mich so darauf, im Kreise der Familie ein echtes Koscher Mahl einzunehmen, das mir nicht im Gasthaus serviert wird, sondern in einem trauten Heim im Kreise der Lieben.“
Alderan und Erlan hörten den Plänen Bardos genau zu, bis Bardo die Rede auf das Essen brachte.
„Aber natürlich, dann werden wir uns mal ans Essen machen. Wenn du eine Wohngelegenheit brauchst, kannst du auch gerne im Stadthaus unserer Familie Quartier beziehen. Es erfüllt wohl kaum die Ansprüche, die ein mächtiger Baron an ein Stadthaus stellen würde, doch fiel es unserer Familie nach einer Erbschaft in den kaiserlosen Zeiten zu. Damals hat die Keuche auch vielen der unseren das Leben gekostet.“
Alderan stand recht schwungvoll auf und marschierte zielstrebig aus dem Zimmer heraus. Bardo und Erlan folgten ihm, bis sie durch eine Tür in den Garten heraus traten. Dort war unter einer Gruppe Ahornbäume eine Tafel aufgebaut worden. Flugs wurde Bardo den anwesenden Familienmitgliedern vorgestellt. Bardo schwirrte schnell der Kopf, und die meisten Namen vergaß er sogleich wieder. Es waren einfach zu viele neue und bisher unbekannte Gesichter. Während man sich über das Essen hermachte klang der Tag langsam im Kreis der Familie aus.