Hopfen, Malz und Herbstzeitlosen

Zu Hofe: Hopfen, Malz und Herbstzeitlosen
Gepanschtes Bier heilt Gicht des Fürsten
FÜRSTENHORT, Boron 1039 BF. Ein schlimmer Anfall von Gicht hielt Fürst Blasius wochenlang im Bett auf Fürstenhort und hinderte ihn unter anderem daran, in Angbar die Feier seines Geburtstags und des Bier-Jubiläums zu besuchen. Geweihte der Peraine brachten schließlich Linderung – mit einem Mittel, das von manchen mit Kopfschütteln quittiert wurde.
Es ist kein Geheimnis, dass Fürst Blasius vom Eberstamm gerne zünftige Feste feiert. Wie muss es ihn geschmerzt haben, dass er am 15. Travia das Jubiläum 1000 Jahre Koscher Reinheitsgebot auf dem Krankenlager im zugigen Schloss Fürstenhort verbringen musste. Noch mehr schmerzten ihn aber die Gelenke, denn die Gicht (auch als das Zipperlein bekannt) hielt in fest in ihren Klauen. Hausmittel wie Hirtentäscheltee, Johannisbeermus oder das Riechen an Lavendelbeutelchen zeigten kaum Wirkung. Auch das tägliche Gebet zu den Drei Schwestern unter Anleitung der Hofgeweihten Berngundis wurde nicht erhört.
Als Anfang Boron immer noch keine Besserung in Sicht und der Leibmedicus des Fürsten mit seinem Bosparano am Ende war, sandte Erbprinz Anshold Boten zu allen Perainetempeln der Provinz, damit sie nach einem Heilmittel forschten. Aus dem Waldtempel zu Nerbusch kam schließlich Ihre Gnaden Gissa, und mit sich brachte sie ein Rezept, das für Unruhe sorgte: Ein Dreiklang von Anis, Schachtelhalm und Herbstzeitlosen sollte den Fürsten heilen – angerührt in einem Krug gewärmten Ferdokers!
„Niemals!“, sprach der Cantzler Nirwulf Sohn des Negromon. „Der Fürst soll ein Hexenbier trinken – und noch dazu ein warmes? Wozu haben wir gerade die weise Regel der Fürstin Garethia gefeiert, wenn wir ihrer jetzt so spotten?“ Auch Mutter Berngundis mahnte, dass man Hopfen, Malz und Wasser aus gutem Grund nicht mit Kräutern vermische, habe dies doch in früheren Zeiten oft zu Vergiftungen geführt. Dem stimmte auch der Herold Hernobert zu: Jeder Ritter wisse, wie schlecht es Pferden bekomme, die zu lange auf Wiesen mit Herbstzeitlosen weideten.
Kein Verständnis erntete aber Leibmedicus Arbelius Sirbenlieb mit seiner Ansicht, dass Gichtkranke am besten überhaupt auf Bier verzichten würden. „Ein Bierchen in Ehren kann niemand verwehren“, betonte Burgsass Halwart vom Eberstamm, und Kammerherr Polter von Stielzbruk benannte die vielen bekannten nützlichen Auswirkungen eines tüchtigen Humpens auf Leib und Seele. Zum allgemeinen Erstaunen erhob der schweigsame Hofmagier Erolân von Mersingen die Stimme, um dem Herrn von Stielzbruk zuzustimmen. „Gerade deshalb sollten wir den Vorschlag Ihrer Gnaden nicht einfach in Bausch und Bogen verdammen. Die salubren Wirkungen von Cervisia Vera und jene von Anisum, Equisetum und Extemporis Autumnale könnten sich durchaus kombinieren, wenn nicht gar potenzieren!“ Nach einigen Augenblicken verständnislosen Starrens im Umkreis fügte er hinzu: „Bier und Heilkräuter können sich gegenseitig helfen, will ich sagen.“
Da räusperte sich Prinzessin Nadyana von Wengenholm und meinte: „Vielleicht sollten wir einfach den Fürsten nach seiner Meinung fragen.“ Dieser ebenso simple wie gute Vorschlag wurde allgemein akzeptiert und sogleich in die Tat umgesetzt. Fürst Blasius zeigte sich für jeden Vorschlag offen, der seine Schmerzen verringern konnte. Also ließ man Ihre Gnaden Gissa schwören, dass sie Bier und Kräuter nur mischen, aber keineswegs zusammen brauen würde („Wo denkt Ihr hin!“, entgegnete sie mit einem Augenrollen), dann wurden sofort die benötigten Zutaten besorgt.
Als das Heilbier zubereitet war (unter den wachsamen Augen fast des gesamten Hofstaats), brachte man es ans fürstliche Krankenbett. Blasius vom Eberstamm war anzusehen, welche Überwindung ihn das Leeren des Humpen kostete. „Jolpenbier kann nicht ekliger sein“, soll er später gesagt haben. Etwas kläglich habe er dreingeschaut, als ihm Gissa aus Nerbusch eröffnete, dass er mindestens eine Woche lang täglich zwei Krüge trinken müsse, berichteten Augenzeugen.
Doch das Martyrium lohnte sich: Nach wenigen Tagen begann der Fürst sich besser zu fühlen, nach einer Woche nahm er die Mahlzeiten wieder im Saal zu sich statt im Bett, und nach zwölf Tagen war die Gicht vollständig aus seinen Gliedern verschwunden. Noch bevor die Wege durchs Koschgebirge vom Schnee zugedeckt wurden, konnte der Hof aus Burg Fürstenhort abziehen in die bequemere Thalessia. Gissas Rezept ließ Fürst Blasius aufschreiben und – mit einem offiziellen Dispens für das Reinheitsgebot – in alle Perainetempel der Provinz verteilen.
