Fünfzehn Jahre Hammerschlag

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1. Efferd 1042, Angbarer Zitadelle

Auf dem Hof der Angbarer Zitadelle herrschte heute ein dichtes Gedränge. Auf dem zentralen Exerzierplatz hatten vier Banner der Fürstlichen Bergschützen und Hellebardiere unter den strengen Blicken ihrer Offiziere Aufstellung genommen. Vor der Treppe zum alten Fürstenpalast saß Fürst Anshold vom Eberstamm hoch zu Ross auf seinem Streitross. So schwer gerüstet wie heute hatte man ihn zuletzt beim Feldzug im Wengenholm vor neun Jahren gesehen. Umgeben war der Fürst von seinen Hausrittern und Teilen seines Hofstaates. Auch sie waren allesamt hoch zu Ross und schwer gerüstet.
Von der Vorburg her wurde Hufgeklapper hörbar. Die gestrengen Blicke der Offiziere glitten noch einmal an ihren Mannschaften entlang und dann kam der Wehrmeister des Kosch in Sicht. In gemessenem Trab führte er eine große Schar Schlachtreiter in den Hof. Sobald sein Pferd den ersten Pflasterstein des Platzes berührte, nahmen die angetreten Fußsoldaten Haltung an. Thorben Raul Baduar von Hammerschlag hielt derweil geradewegs auf den Fürsten zu. Sie wechselten einige Worte, die für die Umstehenden kaum zu verstehen waren.
Dann holte Thorben tief Luft und sprach lautstark „Mein Fürst, es war mir eine große Ehre, die Koscher Wehr in zahlreiche Schlachten und Kriege der letzten fünfzehn Jahre zu führen, doch nun, da ich das fünfzigste Lebensjahr erreicht habe, ist es für mich an der Zeit, meinen Marschallstab zurückzugeben.“ Mit diesen Worten überreichte der Wehrmeister seinen Amtsstab dem Fürsten.
Der Fürst antwortete „Ich danke euch im Namen aller Koscher für euren treuen Dienste. Es ist nicht zuletzt euer Verdienst, dass die Koscher heuer keinen Unbillen zu fürchten haben.“
Der Wehrmeister neigte das Haupt. „Durchlaucht, erlaubt mir, meine Stellvertreterin Alvide von Eichental als meine Nachfolgerin vorzuschlagen. Sie hat sich vielfach als umsichtige Heerführerin bewiesen und diente eurem Vater bereits als Knappin und danach als Schlachtreiterin.“
Fürst Anshold nickte dem ehemaligen Wehrmeister freundlich zu und winkte die erwähnte Baronin aus dem Gefolge des Wehrmeisters zu sich. „Hiermit überreiche ich euch, Alvide von Eichental, Baronin zu Sindelsaum, den Amtsstab als Wehrmeisterin des Kosch. Möget ihr ebenso umsichtig wie euer Vorgänger handeln und die Feinde des Kosch in ihren Schuhen schlottern lassen.“
Alvide von Eichental nahm den Amtsstab aus der Hand des Fürsten entgegen und sprach. „Ich schwöre hiermit, den Kosch stets treu und wacker zu verteidigen und euch stets mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“ „Mögen Rondra und Ingerimm stets mit euch sein.“, antwortete der Fürst.
„Doch nun gilt es, ein kleines Festessen auf der Thalessia zu verspeisen.“ Dabei zwinkerte der Fürst dem ehemaligen Wehrmeister und der neuen Wehrmeisterin zu und ließ sein Pferd antraben. Alvide und Thorben reihten sich sogleich neben ihm ein.
„Ein Hoch auf Wehrmeister Thorben.“, donnerte die Stimme Hogirs, Sohn des Harosch, dem Hautpmann der Fürstlichen Bergschützen, über den Platz und die fürstlichen Reiter und Fusssoldatenließen sich nicht lange bitten, donnerten ihre Waffen auf den gepflasterten Boden und ließen ihren alten Wehrmeister hochleben und vergaßen freilich auch nicht ihre neue Wehrmeisterin gebührend zu begrüßen.
So manch einer meinte gar zu sehen, wie dem wackeren Hammerschlager die Augen feucht wurden, als er aus dem Burghof herausritt.