Eine Linde schlägt Wurzeln - Den Blick gen Efferd

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Texte der Hauptreihe:
K1. Den Blick gen Efferd
Ing 1033 BF
Den Blick gen Efferd

Kapitel 1

Den Blick gen Firun
Autor: Lindholz

Die Baronie Zwischenwasser im Ingerimm 1033 nach Bosparans Fall

Saria saß auf einem flachen Felsen am ansonsten sandigen Ufer des Angbarer Sees und blickte über den Stillen Grund hinweg in Richtung des Koschgebirges. Die schneeweißen Gipfel zu erblicken blieb ihr freilich verwehrt, ja selbst die gegenüberliegende Seeseite war hinter dichten, grauen Schwaden verborgen. An diesem Morgen war es sogar noch nebliger als an jenem Rohalstag vor mehr als einem Jahr als sie das erste Mal auf Valpos Horn geblickt hatte.
Diese Gegend war wirklich kein Ort, der auf den ersten Blick zu gefallen wusste. Gerade im Frühling und Herbst klammerten sich Nebel und Regen tagelang fest und legten jenen Hauch über das Land, den man wohl Tristesse nennen musste. Doch der Adligen gefiel es so. Wie bei Menschen, war doch auch ein Landstrich wesentlich interessanter, regte viel mehr das eigene Denken an, wenn er nicht gleich alles von sich offenbarte. Und schätzte man die schönen Tage nicht viel höher, wenn man wusste, dass es auch bald wieder graue geben würde?
An diesem Tag blickte sie dennoch mit Sorge auf den Stillen Grund hinaus. Sarias Gedanken kreisten um ihren Bruder, der irgendwo dort drüben in den Koscher Bergen dem jungen Grafen zur Seite stand. Gerne hätte sie ihn begleitet. Sie war es nicht gewohnt, längere Zeit von ihm getrennt zu sein. Selbst während ihrer Zeit an der tobrischen Front, hatten sie es weiterstgehend verhindert, zu unterschiedlichen Einsätzen abkommandiert zu werden.
Doch Etilian hatte darauf bestanden, dass sie hierblieb. Es sei wichtig, dass sie den Ingerimm in Valpos Horn verbringe, hatte er ihr erklärt und da die Teilnahme an der gräflichen Strafexpedition nicht einmal Geld in ihre immer noch leeren Kassen spülte, hatte sie kaum etwas einwenden können. Leider blieb er immer sehr vage mit dem, was er in den Karten gelesen hatte.
Zuerst hatte sie geglaubt, dass in Moorbrück oder Zwischenwasser irgendein Auftrag auf sie warten würde, doch bisher war alles ruhig geblieben und so verbrachte sie die Tage damit, kleinere Dienste für die schöne Herrin von Valpos Horn auszuführen und sich ansonsten die Zeit mit Ausritten und Waffenübungen zu vertreiben. Sicherlich würde auch heute wieder ein friedlicher Tag auf sie warten, während in Bärenfang, Fürstenhort oder wo auch immer sich die gräflichen Truppen gerade befinden mochten, vielleicht gerade jede Klinge gebraucht wurde. Wenn wenigstens bald Nachricht von jenseits des Sees nach Zwischenwasser gelangen würde!
Mit einem frustrierten Seufzer erhob sie sich von dem fast einen Schritt langen, flachen Stein, der ihre trübe Stimmung schon seit Tagen mit der Gleichmut hinnahm, wie man es von seinesgleichen erwartete.
Gerade wollte die Ritterin in das Haupthaus eintreten, als sie das Geräusch von Hufen auf dem sandigen Grund des Weges vernahm, der zum Gut der Herren vom Kargen Land führte und als sie sich umdrehte, erblickte sie einen jungen Mann mit kurzen, dunkelblonden Haaren, der auf sie zuritt. Er hielt einen Magierstab aus einem ungewöhnlich hellen Holz in seiner rechten, während er das Pferd mit der linken in einem leichten Trab lenkte. Die Robe war von grauer Farbe und auf den ersten Blick unauffällig, doch wenn sie nicht alles täuschte, bestand sie aus edlem Bausch und die aufgebrachten Stickereien verrieten ebenfalls, dass hier ein Kleidungsstück getragen wurde, was ein einfacher Mann nicht ohne weiteres bezahlen konnte.
"Die Zwölfe zum Gruß, edle Caballera. Ich suche den Herren des Hauses. Könnt Ihr mir verraten, wo ich ihn antreffen kann?"
Ein charmantes Lächeln legte sich auf die Züge des blonden Zauberers, als er sie ansprach, doch der Blick seiner graublauen Augen blieb distanziert. Saria musste zugeben, dass er für einen Mann, der gerade vielleicht zwanzig Lenze zählte, eine beeindruckende Ausstrahlung besaß, doch sie hatte schon charismatische Anführer närrische Tode sterben sehen und ließ sich deshalb wenig davon beeindrucken.
Dennoch erwiderte sie sein Lächeln als sie ihm antwortete: "Den Herren vom Kargen Land findet ihr an der Seite des Grafen jenseits des Angbarer Sees in den Bergen zwischen Kosch und Nordmarken."
Deutlich war die Enttäuschung in den Zügen des Adepten der magischen Künste abzulesen und so fuhr sie fort: "Aber wenn Ihr mir Euren Namen verraten wollt, gelehrter Herr, so will ich der Herrin dieser Hallen gerne eine Nachricht überbringen lassen, dass Ihr sie zu sprechen wünscht, so es denn etwas ist, was ihr auch mit ihrer Wohlgeboren besprechen könnt."
Der junge Mann nickte zustimmend: "Das wäre sehr freundlich von Euch und verzeiht, wenn ich bisher vergaß meinen Namen zu nennen. Ich heiße Amaros Desidero von Lindholz. Meine Base zweiten Grades ist ist mit dem Bruder des Hausherren verheiratet."
"Von Lindholz sagtet ihr?" fragte Saria überrascht nach und fuhr fort ohne eine Antwort abzuwarten: "Was für eine Überraschung! Mein Name ist Saria von Lindholz-Hohenried und es freut mich, endlich einen unserer Verwandten aus Almada kennenzulernen. Ihr seid doch aus Almada?"
Zum ersten Mal schien echte Wärme in die Augen des Magiers aufzuleuchten als er seine Herkunft bestätigte: "Ich entstamme tatsächlich dem almadanischen Zweig unserer Familia, auch wenn ich nicht Almada geboren bin. Es erfüllt mich ebenfalls mit Freude, Euch kennenzulernen und ich hoffe, dass wir schon bald die Gelegenheit haben, ein wenig miteinander zu parlieren. Was für ein Glück, dass wir so schnell aufeinander getroffen sind."
"Ja, was für ein Zufall", bestätigte Saria und musste an ihren Bruder denken.
"Geduldet Euch nur einen kleinen Moment. Ich werde sofort nach ihrer Wohlgeboren vom Kargen Land schicken lassen."
Nachdem sie eine Magd mit dieser Aufgabe betraut hatte, deren Blick verdächtig lange auf dem schönen Adeptus ruhten, half die Ritterin ihrem entfernten Verwandten dabei, vom Pferd abzusteigen, welches wiederum schnell von einem Stallburschen beiseite geführt wurde, der aus einem verborgenen Winkel schon längere Zeit neugierig das Gespräch beobachtet hatte.