Hlûthars Grabmal

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Bekanntmachung des Fürsten zum Gratenfelser Landtag | ▻ |
Wolfhardt von der Wiesen: Hlûthars Grabmal
Im Talgrund flackert Feuerschein,
Wohl an die hundert Flammen,
Von Norden und Osten ziehn ihre Reihn
Sich vor der Klamm zusammen.
Das graue Felsgestein erglüht
Im hellen gelben Feuer,
Die Nacht in allen Farben sprüht
Und zeichnet Ungeheuer.
Da! Schleppend durch den alten Grund
Ziehn schwarzgewand’te Scharen.
Was suchen sie zu dieser Stund?
Sie tragen Totenbahren.
Sie tragen Recken, zwölf an Zahl
Und schreiten mit klagenden Schritten,
Zwölf Helden sie tragen, bleich und fahl,
Und den Grafen in ihrer Mitten.
Den Grafen Hluthar, vor Gareth er stritt,
Gefall’n von Dämonenhänden.
Sie führen den toten Grafen mit
Zu des Reiakaths schroffkalten Wänden.
Es gähnt eine Grotte, ein hohes Tor,
Zwei Klippen aufragen wie Säulen.
Sie ziehen mit kaltem Schaudern durchs Tor
Und hören den Wind draußen heulen.
Und drinnen weitet Granit sich und Kalk
In steinernen, winkligen Nischen:
Elf Pfeiler, ein jeder ein Katafalk
Und ein Felsenthron dazwischen.
Sie betten den Mantel, den Mantel so rot,
Auf den schwarzen, ehernen Quader
Und darauf den Grafen, mehr schlafend denn tot -
Was kümmert ihn Schlacht noch und Hader?
Dort sitzt er mit gebrochenem Blick
Und hält eine Scheide in Händen —
Ja, Siebenstreich war sein Schwert und Geschick,
O wenn sie es wieder nur fänden!
Und an seiner Seite der Helden Schar,
Des Grafen treue Vasallen;
So herrschet noch immer der Heil’ge Hluthar
In des Reiakaths heimlichen Hallen.
Doch den Eingang zur Höhle verschlossen sie
Mit Felsengestein, eherner Wacht,
Das Tor zu der Grotte, es öffnet sich nie,
Wird nicht einst das Siegel gebracht.
Du fragst, welches Siegel das sollte sein?
Das mag dir keiner mehr weisen,
Doch gibt es ein kleines Blümelein,
Das Hlutharssiegel soll heißen …