Neues aus Hohentrutz - Winterreise

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Rahjawärts der Siedlung Hohentrutz in Moorbrück, im Firun 1033 BF

Dichter Schnee bedeckte den Sumpf.
Wohin man blickte, eine einzige, weiße Schneefläche.
Die einzige Erhebung weit und breit war die kleine Gesellschaft, die sich westwärts durch den tiefen Schnee voran arbeitete. Die Körper der Zugochsen dampften vor Anstrengung, denn sie zerrten Baumaterial auf zwei Schlitten hinter sich her, die man Rand des Sumpfes aus zwei normalen Fuhrwerken, vier langen Brettern und einem guten Dutzend Lederriemen improvisiert hatte.
Wieder so eine merkwürdige Konstruktion, die Danja aus dem Bornland kannte, wo man winters wohl alle Kutschen und Fuhrwerke mit solchen Kufen ausstattete.
Roban war zunächst skeptisch gewesen, ebenso die anderen Siedler, die ihn begleiteten. Diese Idee war alles andere als koscher – trotzdem funktionierte sie tadellos und erleichterte das Vorankommen im Schnee.
Seit ihrem Aufbruch aus Hammerschlag waren erst einige Stunden vergangen, und das verdankte man nicht zuletzt diesen improvisierten Schlitten. Wie hatte die Maga sie gleich genannt? Galoschka? Nein, Kaleschak. Wieder so was außerkoscheres, was sich kein Schwein merken konnte!
Es knirschte vernehmlich.
Roban hatte Girte am Zügel hinter sich her geführt, sie bildeten die Spitze der kleinen Kolonne. Das Gewicht der Stute prüfte die Festigkeit des gefrorenen Bodens, und diese Stelle schien nicht besonders fest zu sein.
Der Ritter hob die Hand und deutete nach links. Dort lag der Schnee noch tiefer, und glaubte man Danjas Worten, sprach das für hart gefrorenen Boden.
Sie hatte versucht, ihm diesen Effekt zu erklären, mal wieder mit Worten, die Roban noch nie gehört hatte. „Exotherme Zerfallsprozesse“, wer konnte damit schon was anfangen? Und was das damit zu tun hatte, dass Schnee auch auf Komposthaufen nicht so schnell liegen blieb, leuchtete ihm auch nicht ganz ein.
Doch was sollte es, denn bis jetzt stimmte das, was Danja behauptet hatte. Im tiefen Schnee kam man nicht besonders schnell, aber sicher voran, und bald würde man die ersten Pflöcke erreichen, die den Weg nach Hohentrutz kennzeichneten.
Wenn Firun ihnen gnädig war, würde man die Siedlung zum Abend erreichen, mit zwei Fuhrwerken voll Baumaterial, aus dem man im Frühjahr das nächste Haus errichten konnte.
Und bislang war der grimme Wintergott ihrem Vorhaben hold. Zwar trieb der Wind feinste Eiskristalle über das ebene Land, überzog Kleider, Haare und Bärte mit einer glitzernden Schicht, doch nach neuen Schneefällen sah es nicht aus. Dennoch, die Kälte war schneidend, biss den Wanderern ins Gesicht, ließ die Augen tränen und die Lippen rissig werden. Wangen und Hände wurden taub, und an den Beinen schienen Bleigewichte zu hängen.
Stunde um Stunde schleppten sie sich dahin, schweigend zumeist, denn das Stapfen durch den Schnee verlangte ihnen alle Kräfte ab.
Dann plötzlich stieß Thurescha einen Warnruf aus.
„Drakka! Da vorn. Auf der rechten Seite, Alphak!“
Robans Kopf schwenkte herum. Erst auf den zweiten Blick konnte er die Bewegung ausmachen.
Einige gedrungene Kreaturen, das dichte, dunkle Fell mit Schnee überzogen, näherten sich langsam und geduckt ihrem Zug.
„Rotaugen! Thurescha, Danja, Abwehrlinie. Alphak, hol die Geheimwaffe! Sindar, du bleibst bei den Wagen. Sind zwar keine Rotpelze, aber erschlag einfach alles, was euch zu nahe kommt!“
Roban drückte Firundal Sackfold die Zügel seines Pferdes in die Hand und zog den Reiterbogen aus der Deckenrolle hinter dem Sattel.
„Die Wagen müssen Hohentrutz erreichen!“ schärfte er dem Sohn des Schweinehirten ein.
„Ganz gleich, was mit uns passiert, ihr marschiert weiter, verstanden?“
Firundal presste die Lippen aufeinander und nickte tapfer.
Roban gab ihm einen aufmunternden Schlag auf die Schultern, hakte die Bogensehne ein und hängte den Köcher an den Gürtel.
Auch Thurescha hatte ihre Armbrust bereits schussbereit gemacht, während Danja einfach nur mit dem Stab neben der Zwergin stand.
Roban hoffte, dass sie nicht würde zaubern müssen, denn Thurescha hasste und fürchtete nichts mehr als Zauberei. Entweder würde sie Danja auf der Stelle erschießen oder davon rennen, wenn wirklich Magie gewirkt wurde.
Die Sumpfranzen schienen zu merken, dass ihr Überraschungsangriff erkannt war, sprangen auf und rannten jetzt in schnellem Lauf auf sie zu, wobei sie sich in zwei regelrechte Angriffskeile aufteilten, wie ein Reiterhaufen, der eine feindliche Kolonne in die Zange nehmen wollte.
„Nicht übel, ihr Drecksviecher!“ knurrte Roban anerkennend. Beide Zangenarmen zeigten ihnen jetzt nur schmale Vorderseite, keine gute Voraussetzung für gezieltes Schießen.
Alphak, komm aus den Socken!“ brüllte er nach hinten.
Der Hasenzüchter hatte einen großen Leinenbeutel vom zweiten Wagen gezogen und nestelte mit klammen Fingern an dem Band, dass den Beutel verschloß.
Endlich hatte er es gelöst, schleuderte das Behältnis weit von sich und dem Wagenzug weg. Der Beutel drehte sich in der Luft und gab nach einigen Sekunden seinen Inhalt preis.
Die Schlachtabfälle hatte Roban für ein paar Nickel erstanden, jetzt würde es sich zeigen, ob sich diese kleine Investition bezahlt machte.
Und tatsächlich – die ersten Ranzen hatten die Leckerbissen bereits gewittert, die da so mir nichts, dir nichts vom Himmel fielen, und schwenkten ab, um diesen Festschmaus nicht verkommen zu lassen.
Nach einigen Sekunden taten es die restlichen ihnen gleich, und jetzt zeigte ihnen das Rudel die Breitseite.
„Schuß!“ kommandierte Roban.
„Gortoscha mortomosch!“ erwiderte Thurescha und zog den Hahn durch.
Pfeil und Bolzen schossen zeitgleich von den Sehnen, und beide fanden ihr Ziel. Zwei Körper überschlugen sich in einer Schneewolke und blieben liegen, Firuns weißes Element färbte sich in korgefälligem Rot.
Roban legte den nächsten Pfeil auf die Sehne, während Thurescha die Armbrust absetzte und nach der Sehne griff.
Der Angriff hatte die Sumpfranzen kurz verwirrt, sie schwankten zwischen Angst, Wut und Fressgier, doch dann kreischte eine von ihnen regelrecht herrisch los, ein besonders großes Tier, und sofort formierte der Rest sich erneut, dieses Mal aber nur in einem einzigen, großen Haufen.
Und dieser Haufen zielte genau auf die drei frechen Zweibeiner, die es gewagt hatten, die Ranzen in ihrer ureigensten Heimat anzugreifen.
Roban und Thurescha schossen noch einmal.
Die Zwergin traf erneut, der Bolzen schlug einem der Tiere in die Stirn, doch Robans Schuß, der dem Leittier gegolten hatte, ging fehl, der Affe machte einen blitzartigen Satz zur Seite.
Für einen Moment schauderte Roban.
Das Vieh kannte er doch!
Erborn, der Wildhüter in Diensten des Reto von Tarnelfurt, hatte diesem Biest während der Erkundung der Siedlungsplätze schon einmal eine verplättet, nur in die Schulter, aber immerhin!
Scheinbar wollte es sich jetzt für die Wunde von einst bedanken, eine Rechnung, die in Blut beglichen wurde.
Er zog einen Pfeil aus dem Köcher, ließ ihn und den Bogen aber fallen, griff nach Schwert und Hammer. Er würde ohnehin keine Zeit für einen weiteren Schuß haben.
Das Leittier hetzte in gewaltigen Sprüngen heran, blanke Mordlust flackerte in den roten Augen, Geifer triefte von den Lefzen. Es war dem restlichen Rudel weit voraus, kaum noch zehn Schritt, dann würde es angreifen.
Ruckartig riss Roban seine Waffen vom Gürtel, suchte sicheren Stand.
Danja klatschte in die Hände und sprach ein Wort.
Schlagartig schien die Sumpfranze langsamer zu werden, ihr Körper überzog sich binnen eines Augenblicks mit einer dünnen Schicht aus Reif, sie strauchelte, brach zusammen, stieß ein klägliches Wimmern aus und blieb reglos liegen.
Sofort brach der Angriff des restlichen Rudels zusammen, kreischend sprangen die anderen Tiere umher, die ersten setzten sich sofort ab, suchten jetzt doch lieber nach den herumliegenden Schlachtabfällen.
„Hauen wir ab!“ drängte Danja. „Der CORPOFRIGO wirkt ganz gut, aber leider nicht allzu lang. Das Biest wird bald wieder aufstehen.“
„Ka Angrosch garaschmox! Das du eiskalt bist, Draxgroschna, wusste ich, aber dass es so schlimm ist...“, Thurescha eilte, so schnell es ihr die kurzen Beine gestatteten, hinter den zwei Großlingen her, immer darauf bedacht, einen Sicherheitsabstand zu der Maga einzuhalten.
„Ich hätte das Tier auch verbrennen können!“ gab Danja keuchend zurück. „Hättest du das präferiert?“
Angroschs Element in deinen lästerlichen Gigrim-Händen? Angrosch behüte! Ersäuf sie meinetwegen!“ schnaufte die Angroschna zurück.
„Nicht sabbeln, rennen!“ kommandierte Roban nach einem Blick über die Schulter.
Das Leittier hatte sich tatsächlich wieder aufgerappelt, schien aber ebenfalls die Lust an weiteren Angriffen verloren zu haben. Es humpelte zum Rest des Rudels, ließ seine schlechte Laune an ein paar Artgenossen aus, die schon beim Fressen waren, und sicherte sich wohl seinen Teil an ihrer „Geheimwaffe“.
Nach ein paar Minuten hatten sie die Wagen eingeholt und mussten ausführlich von dem kleinen Gefecht berichten. Roban lobte Alphak für den guten Wurf, der einigen Abstand zwischen die Wagen und die Sumpfranzen gebracht hatte, und Firundal dafür, den Zug trotz der Eile auf sicherem Grund weiter geführt zu haben.
Drei Stunden später erreichten sie den ersten Markierungspflock. Ein Stück einer roten Tischdecke, schon im Herbst bei einem Flickschneider erstanden, flatterte im Wind, mit einem Nagel an den Pflock geheftet, und in der Ferne konnte man schon den nächsten roten Flecken ausmachen.
„Jetzt ist es nicht mehr weit!“ versprach Roban, an die zwei Fuhrleute gewandt, deren Gemecker mit jeder Minute lauter geworden war, und tatsächlich war es noch nicht mal völlig dunkel, als sie Hohentrutz erreichten. Die letzte halbe Meile hatte sie ein Signalfeuer geleitet, von Rondred weisungsgemäß mit Anbruch der Dämmerung angezündet, und mit großem Hallo wurden die Ankömmlinge begrüsst.
Das Bauholz wurde auf den Querbalken unter den Hausdächern eingelagert, und was dort keinen Platz mehr fand, verschwand unter großen geflochtenen Schilfmatten.
Als endlich alle Arbeit erledigt war, versammelten sich die Siedler und die zwei Fuhrknechte im Haus des Ritters, wo es Sindar übernahm, mit großen Worten und noch größeren Gesten von ihrer Fahrt zu berichten.
Schon während des Sommers hatte sich „Sindars Märchenstunde“, wie der Ritter derlei Zusammenkünfte abfällig titulierte, zu einem festen Bestandteil des Hohentrutzer Alltags entwickelt.
Mochten die Geschichten auch maßlos übertrieben sein, die meisten Siedler hörten gern zu, und die wenigen, die für derlei Mär nur abfälliges Grunzen oder hochgezogene Brauen übrig hatten, verkniffen sich jeglichen, ohnehin nicht erwünschten Kommentar.
„...die Kampfstatt war erfüllt von einem beinahe niederhöllischem Lärm! Das Geschrei der blutgierigen Bestien, die Rufe der Kämpfer, das Stöhnen der Verwundeten!“ Sindars Hände formten dramatische Gesten, während ein Schnapskrug die Runde machte, eines der vielbejubelten Mitbringsel ihrer Reise.
„Verwundete?“ brummte Thurescha in Robans Richtung, aus der regelmäßige Qualmwolken vom Tabaknachschub zeugten.
Alphak hat sich den Fuß an einem Eisklumpen gestossen!“ gab dieser leise zurück. „Vermutlich meint er das!“
„Dann schließlich wurde der Ritter in einen mörderischen Zweikampf mit dem Leittier der Ranzen verwickelt, einem Monstrum, groß wie ein Zugochse, mit Klauen, lang wie der Säbel einer Ferdoker Lanzerin, und Zähnen wie im Maul eines Ogers. Verbissen fochten sie gegeneinander, und trotz aller Tapferkeit wäre unser geliebter Herr dem Ungeheuer wohl zum Opfer gefallen, wäre dieses nicht durch machtvolle Zauberei in einen Eisblock verwandelt worden!“
Andächtiges Raunen ging durch die Schar der Zuhörer.
Danja schüttelte kaum sichtbar den Kopf. Fehlten nur noch der Namenlose und sämtliche Erzdämonen, die im Sumpf ein Ringelreihen tanzten – und natürlich zwei Regimenter Goblins, die eigentlich in keiner von Sindars Erzählungen fehlten durften!
„Und kaum, dass wir den Sumpfranzen entgangen waren, wären wir beinahe einer ausgehungerten Goblinhorde in die Fänge gelaufen“, fuhr Sindar fort.
Danja gab einen leisen Seufzer von sich, Roban lachte in seine Pfeife.
Sindar und die Goblins! Rechnete man alle auf, die er schon über den Yaquir geschickt haben wollte, zwischen Perricum und Havena dürfte kein einziger Rotpelz mehr unter den Lebenden weilen!
Schließlich endete aber auch diese Erzählung mit einem regelrechten Massaker an einem blutgierigen Goblinhaufen und der sicheren Heimkehr nach Hohentrutz.
„Was mach´n we jetzt eigentlich mittem Holz?“ fragte Runkel Sackfold in die entstandene Stille.
„Ein Haus bauen!“ gab Roban halblaut zurück.
„Das sicher“, schaltete Salwine Zwingler sich ein. „Aber für wen?“
Einige Sekunden lang herrschte angespannte Stille.
Man wohnte jetzt seit über einem halben Jahr dicht an dicht beeinander, und jede Familie hoffte natürlich darauf, bald ein eigenes Haus haben zu können.
„Ich dachte mir“, Roban nahm die Pfeife aus dem Mund und erhob sich, „dass zunächst die Familien mit Kindern ein eigenes Zuhause bekommen. Und da wir deren mehr haben, zuerst jene mit den meisten Kindern.“
Runkel Sackfold grinste breit. Mit seinem Kinderreichtum konnte sich keine andere Familie messen. Und da es ihm den ganzen Sommer über gelungen war, dem feigen Schnirkefeld und dem dummen Hasweiler hier und dort Teile des von ihnen trocken gelegten Landes mit klugem Verhandeln und sanftem Druck abzuschwatzen, hatte er bald nicht nur das meiste Land, sondern auch ein eigenes Haus.
„Wenn Familien die gleiche Zahl Kinder haben, bekommen jene mit dem jüngsten Kind als erste ein Eigenheim, die anderen folgen dann entsprechend.“ Roban räusperte sich, tat einen Zug aus der Pfeife.
„Ergo bauen wir im Frühjahr ein Haus für die Schnirkefelds!“ schloß er seine Ausführungen.
Alle starrten den Ritter an.
Thurescha, die gerade den Schnapskrug in der Hand hielt, verschluckte sich und hustete einige Male, nur unterbrochen von zwergischen Verwünschungen.
Danja legte die Stirn in Falten, und Salwine konnte ein Widerwort gerade noch herunter schlucken.
„Wohlgeboren, ohne an Euren arithmetischen Fähigkeiten zu zweifeln...“, begann Danja vorsichtig, doch Roban hob mahnend den Finger.
„Ihr denkt wohl, ich wäre zu dämlich zum Zählen, was?“ grinste er breit. „Aber mitnichten. Wenn die Schnirkefelds sich ein Haus bauen und bei den Brotbäcks ausziehen“, er deutete auf die entsprechenden Personen, „dann ziehen Alphak und Jalosch bei den Brotbäcks ein. Es wäre nämlich wenig sinnvoll, die Sackfolds und die Schweine getrennt unterzubringen. Außerdem können die Brotbäcks dann mal wieder ne Nacht durchschlafen, denn wenn Klein-Alderan seine nächtliche Atzung verlangt, klingt er wie die Posaunen von Perricum!“
Er grinste Lana Schnirkefeld an, die ihren schlafenden Sohn auf dem Arm wiegte.
„Und da Jalosch ja schon an seiner Behausung gräbt“, er nickte dem Angroscho zu, der wie Thurescha schon an passender Stelle ein Loch in den Hügel getrieben hatte – allerdings am entgegen gesetzten Ende -, „wäre dann nur noch Alphak bei den Brotbäcks im Haus. Mit der nächsten Bauholzfuhre bekämen dann die Goblindodts ein eigenes Heim, und Alphak müsste seine Mümmler wieder ein Haus weiter schleppen. Falls dich das nicht stört, Alphak!“
„Nein, nein“, versicherte der Hasenzüchter rasch und warf einen unbehaglichen Blick zu Balbine Sackfold, der es wohl wenig gefiel, dass er sich ihr bald erheblich besser entziehen konnte als bisher.
„Und die Steine? Was machen wir mit denen?“ fragte Salwine jetzt weiter.
„Ein Backhaus errichten!“ erklärte Roban unumwunden. „Brotfladen vom offenen Feuer ist ganz nett, aber ein anständiges Brot aus dem Ofen ist in jedem Fall besser! Möglicherweise lässt sich dort auch eine kleine Esse unterbringen“, diesmal war es Thurescha, die mit einem Nicken bedacht wurde, „für kleinere Reparaturen oder so.“
Der Ritter stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Tja, die Palisade muss ich wohl hintan stellen. Aber nach dem Debakel mit den Knüppelmatten sollten wir nächstes Jahr einen Knüppeldamm nach Hammerschlag in Angriff nehmen, damit wir nicht immer ein ganzen Götterlauf warten müssen, ehe die nächste Holzfuhre nach Hohentrutz findet.“
„Wir könnten doch einen Knüppeldamm nach Klammwinkel bauen“, schlug jetzt Jalosch vor. „Der Weg ist bestimmt kürzer als bis nach Hammerschlag!“
Robans Kopf drehte sich in die Richtung des Pilzzüchters wie die Rotze auf der Achtertrutz eines Kriegsschiffs – langsam und bedrohlich. „Nach Klammwinkel?“ knurrte er. „Und uns fürderhin von dem Goldmund von Koschtal abhängig machen, wenn wir was brauchen? Hat man dich mit dem Streitkolben frisiert? Eher fress ich drei Fuhrwerke Mist samt Zugtieren! Der Knüppeldamm wird nach Hammerschlag gebaut! Der Erbvogt von Hammerschlag ist alter Soldat, also ein Mann von Ehre! Der wird uns garantiert nicht an den Karren fahren!“ Wirklich zustimmen wollte dieser Begründung wohl niemand, denn trotz der alten Fehde war von Klammwinkel und seinem Herren bis jetzt keinerlei Feindseligkeit ausgegangen. Widersprechen wollte aber ebenfalls niemand, denn die Entscheidung des Ritters schien so fest und unverrückbar zu stehen wie die Koschberge. „Aber ehe wir mit dem Knüppeldamm anfangen, werden wir erst mal einen zünftigen Moorbrand legen. Damit müssen wir ohnehin warten, bis der Boden einigermaßen entwässert ist, und diese Zeit können wir nutzen, um die neuen Gebäude zu errichten. Sobald wir das alles hinter uns haben, kümmern wir uns um den Knüppeldamm.“ Roban nickte noch einmal bekräftigend und schob sich den Pfeifenstiel wieder zwischen die Zähne. „Und jetzt sollten wir alle zusehen, dass wir ins Bett kommen! Der Tag ist ganz schön in die Knochen gegangen, und der nächste wird bestimmt auch nicht erholsamer!“