Unter Schurken - Via Ferra

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Hinterkosch, 1021

Nun ging der Weg des Vierspänners steile, eng gewundene Serpentinen hoch hinauf in Richtung des berühmt-berüchtigten Breschenpasses, der durch die tiefe Schlucht zwischen St. Rhÿs und Yulagskrone führt und Dohlenfelde mit der Via Ferra verbindet. Dort war der Karren des Jergenquellers zu Bruch gegangen. Als Hochgeboren Stoia mit seinen Begleitern das gerade erwachende Dorf Erzweiler passierte, durchbrachen die ersten Strahlen von Praios’ Schild den dichten Nebel und tauchten die Almen und steilen Berghänge in ein unwirkliches Licht. Aber erst bei der kleinen Bergbausiedlung Ilpettasbinge ließen die Gefährten den Nebel des Darlintales endgültig hinter sich, die Kälte der Bergwinde machte die Koscher Adligen jedoch fröstelnd. Aber ans Schlafen dachte nun, so knapp vor dem Ziel, keiner mehr.
Steil stieg die Via Ferra an und zwängte sich durch das enge Tal der Stiege, die sich zwischen Yulagskrone und der finsteren Wand eines mächtigen, dreigipfligen Massivs hindurchwand. Einige Stunden später hielten die erschöpften Reisenden Mittagsrast, kaum, daß sie die winzige Siedlung Ulmenreth am Löwensee, einem klaren, kristallkalten Bergsee mit grünschimmerndem Wasser, hinter sich gelassen hatten. Vom Löwensee an wand die Erzstraße sich wieder abwärts und die dräuend engen Steilwände wanderten gelassen hinfort von der schmalen Spur, die sie bislang doch so eifersüchtig bewacht hatten. Aus sicherem Abstande jedoch beäugten sie die Straße weiterhin, nur geringfügig bedeckt mit einem Kleide aus Flechten und Moos, Lehm und Erde, auf dem schließlich wieder hochragende, dunkle Föhren Fuß faßten. Der Tag, nur ein trüber, grauverhangener Gast, nahm wieder seinen Abschied.
Ein eisiger Windstoß rauschte durch die Bäume und stach Rossen und Kutscher in die Augen. In stetem Schauer tanzten winzige Schneeflocken, Ifirns eisiger Kuß, aus den schwerbäuchigen Wolken. Über Steine und Böschung hatte sich das weiße Leichentuch des Winters schon beinah ganz gelegt, und nur hin und wieder ragte noch ein Stück dunklen Felsens oder feuchter Erde trotzig aus der erfrierenden Umarmung. Mit einem Flattern und Schwirren schoß aus dem Gestrüpp neben der Straße ein lauthals zeternder Streifenmeister. Die erschrockenen Kutschpferde stampften und schnaubten.
“Brr! Ein schauderhaftes Wetter! Was gäb’ ich jetzt für einen Krug guten Ferdokers am warmen Kamin!“
Ritter Falk war sich der fehlenden Mahlzeiten dieses Tages gar zu schmerzlich bewußt und begann, sich in aller Ausführlichkeit über die arg kärgliche Verpflegung seit dem Aufbruch von Rabenstein auszulassen.
Merwerd ignorierte seinen unzufrieden brummenden Beisitzer. Die klammkalte Feuchtigkeit troff von seinem breitkrempigen Kutscherhut und hatte längst schon ihren Weg durch seinen dicken Umhang gefunden. Zudem erforderte es seine ganze Aufmerksamkeit, die vier aufgeregten Pferde im Zaume zu halten – glücklicherweise steckte die Anstrengung auch den Vierbeinern in den Knochen, so daß diese bald wieder in ihren gewohnten Schritt zurückfielen.