Roterzer Herzklopfen - Zwei Einsame Herzen

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Rakulbruck, etwas später im Jahr (Anfang Rahja 1040 BF)
Angunde von Sindelsaum war seit ihrer Rückkehr aus Almada unruhig. Es war nicht die Sorge um ihren Burder der sie umtrieb, denn der schien sich mittlerweile gut im Süden eingelebt zu haben. Nein, es waren vielmehr die Begebenheiten in Roterz die sie nachts wach hielten. Mal um mal machte sie sich Vorwürfe nicht länger geblieben zu sein. Irgendetwas an Rondrolfs Wesen hatte etwas in ihr ausgelöst. Vielleicht war es seine Ungeschicktheit in kämpferischen Belangen, und doch hatte er das Herz am rechten Fleck und schien seinen Platz gefunden zu haben. So hatte sie nicht mehr empfunden seit sie als Knappin ihren Knappenvater Anghard von Salmingen angehimmelt hatte.
Als dann endlich der langersehnte Brief aus Roterz ankam klopfte ihr das Herz fast bis in den Hals. Nachdem sie den Brief dann gelesen hatte war sie sich fast sicher, dass er genauso empfand wie sie.
Die nächsten Tage verbrachte Angunde grübelnd in ihrer Schreibstube, denn sie wollte, dass ihre Sätze mindestens genauso wohlformuliert waren wie die seinen.
Über die nächsten Wochen pflegten Rondrolf und Angunde einen ausgedehnten Briefkontakt, bis Angunde schließlich einen Entschluss fasste. Es war an der Zeit Tatsachen zu schaffen. Es schien ihr, als ob Rondrolf in seinen Briefen viel offener war, als er sonst je wäre und so entschloss sie sich nicht länger zu warten, suchte ihre besten Kleidungsstücke zusammen, packte auch ihre Rüstung zusammen und machte sich am nächsten Tag auf den Weg nach Roterz.

Die Reise schien sich schier endlos hinzuziehen, aber endlich kam eines Abends die Burg Adlerstein in Sicht. Diesmal hatte sie eine Magd mitgebracht und so verbrachte Angunde die nächste halbe Stunde am Strassenrand damit sich in ihre Rüstung zu quetschen, schließlich wollte sie den bestmöglichen Eindruck machen, wenn sie in Adlerstein einritt.
Solcherart angetan sprengte sie im forschen Trab auf die Burg und die schläfrigen Wachen zu, während ihre Magd mit ihrem Packpferd in einigem Abstand folgte. Die Wachen hatten das Spektakel schon eine ganze Weile von ihren Posten aus mit angesehen, als die Ritterin aber nun in voller Rüstung auf sie zugetrabt kam wurden sie aus ihrer abendlichen Schläfrigkeit gerissen. Sie erkannten den Schild mit dem Dachswappen, waren sich aber unschlüssig, ob sie Haltung annehmen sollten, oder ihr den Einlass verwehren sollten.

Auch Angunde parierte ihr Pferd in zwei Mannslängen Abstand zum Tor. Die Wachleute steckten kurz die Köpfe zusammen, ehe der Älteste von Ihnen vortrat und sich mehrfach lautstark räusperte.
”Seid gegrüßt, Wohlgeboren”, er zog die Hacken mit einem ungeschickten, aber ziemlichen lauten Knallen zusammen, ”wen darf ich melden?”
”Angunde von Sindelsaum. Ich...werde nicht erwartet. Meldet mich dem Herrn Rondrolf an.”
Der Wachposten zog die grauen Augenbrauen zusammen, zuckte dann die Schultern und gab einem jüngeren Burschen mit abstehenden Ohren einen Wink.
”Meldet dem Sohn des Barons die Dame von Sindelsaum. Und beeil dich!”
Der Junge fiel beinahe um, als er sich ebenfalls an einem Hackenschlag versuchte, und flitzte davon. Der Ältere räusperte sich erneut.
”Der Herr Rondrolf hat Besuch am heutigen Abend”, erklärte er etwas unsicher. ”Aber ich bin sicher, dass er dennoch Zeit für Euch finden wird!”
Angunde schluckte schwer. Hatte Rondrolf womöglich Damenbesuch empfangen, oder steckte er in wichtigen politischen Verhandlungen, in die sie jetzt völlig unpassend hereinplatzte? Sie verfluchte sich selbst, ihr Kommen nicht avisiert zu haben, aber jetzt war es ohnehin zu spät.
Umso erleichterter war sie, als Rondrolf zügigen Schrittes den weitläufigen Burghof überquerte. In seinem Gefolge stapfte keine Dame, sondern ein bärtiger Kerl, einen Kopf kleiner als Rondrolf, mit einem Bierhumpen in der Rechten und einer Pfeife im Mundwinkel.
Rondrolfs Lächeln wurde breiter, seine Schritte noch schneller, als er sich Angunde näherte.
”Werteste Angunde! Welch unerwartete Freude!” Er beeilte sich, der Ritterin aus dem Sattel zu helfen, auch wenn ihm das angesichts des Gewichts ihrer Rüstung sichtlich schwer fiel. Kaum dass Angundes Stiefel Sumus Leib berührten, prustete der Pfeifenraucher vor Lachen.
”Darf man fragen, was Euch so erheitert?” fauchte Angunde ärgerlich. ”Und wer seid Ihr überhaupt?”
”Mein Bruder Roban”, erklärte Rondrolf rasch und warf Besagtem einem Blick zu, der so freundlich war wie ein Stich mit dem Mengbilar. ”Und sein derzeitiges Verhalten ist leider völlig normal. Seine gute Kinderstube liegt in einer Holzkiste unter dem Bett!”
”Wohlverwahrt!” grinste Roban, nahm einen Schluck Bier und deutete dann auf Rondrolf. ”Und grinsen musste ich, weil Ihr die erste Gerüstete seid, die er aus dem Sattel holt – und wohl auch die einzige bleiben werdet!”
”Immerhin weiß er sich einer Dame gegenüber zu benehmen!” Angunde hakte sich bei Rondrolf ein, der Roban kurz angrinste und sie durch das Burgtor führte. ”Ihr wisst anscheinend nur, wie man sie gegen sich aufbringt, und dass ziemlich gut!”
”Er ist Experte darin, Menschen gegen sich aufzubringen”, bestätigte Rondrolf. ”Aber folgt mir in das Haupthaus. Meine Eltern werden überaus erfreut sein, Euch wieder zu sehen. Erst recht, da unsere momentane Familienzusammenkunft einen höchst erfreulichen Anlass hat. Aber lasst Euch überraschen – der Abend verspricht, überaus angenehm zu werden.”
Roban blickte den beiden kopfschüttelnd nach. Wo war der stets gelassene Rondrolf geblieben? Irgendwo auf dem Weg hier herunter musste er ihn verloren haben. Oder Rahja hatte ihn einkassiert und würde ihn sobald nicht wieder heraus rücken. Roban seufzte schwer. Anscheinend wurde die ganze Welt allmählich bodenständig, er selbst eingeschlossen. Daran würde er sich wohl noch gewöhnen müssen.
Er bemerkte das Feixen der Wachmannschaft, schüttete das letzte Bier hinunter und röhrte: ”ACHTUNG!”
Das alte Rüstzeug klapperte, und eine Wächterin ließ vor Schreck die Pike fallen, als alle versuchten, Haltung anzunehmen.
”Mit euch Sauhaufen wehre ich nicht mal einen Haufen angetrunkener Halbstarker ab”, brummte Roban. ”Geschweige denn Adelsweiber, die meinem Bruder schöne Augen machen!”

Angunde beruhigte sich rasch wieder. Rondrolf hatte sowohl während der Turnei wie auch in einen Briefen die eine oder andere Andeutung bezüglich seines Bruders gemacht – sie vorgewarnt traf es wohl eher. Dennoch, einen derart ungehobelten Menschen hatte sie dann doch nicht erwartet.
Noch weniger erwartet hatte sie aber, was ihnen kurz vor dem Rittersaal begegnete. Zunächst hörte sie merkwürdig patschende Geräusche und ein heiteres Lachen.
”Na, wohin will die kleine Irmgunde denn?” Die Stimme war die des Burgherren. Angunde blieb stehen, blickte Rondrolf fragend an, der hintergründig lächelte.
Dann krabbelte ein kaum ein Jahr altes Kind um die Ecke des Flures. Patschend landeten die kleinen Händchen auf den Fliesen, während sie wie ein pummeliger Käfer auf sie zukam, dicht gefolgt vom Baron selbst, der mit breitem Lachen auf dem rotwangigen Gesicht eine Art spielerischer Jagd veranstaltete.
Angunde musste in Rondrolfs Lächeln einstimmen. Sie hatte Baron Grimwulf als höflichen, aber etwas brummligen Menschen kennen gelernt, doch jetzt schien er nur noch ein stolzer Großvater zu sein, der sich ohne Vorbehalte für sein Enkelkind begeisterte.
Das Kleinkind ließ sich auf das in dicke Windeln gewickelte Hinterteil fallen, als es beinahe Angundes Stiefel berühren konnte, und blickte auf großen, runden Augen zu ihnen hinauf.
”Hab ich dich!” Grimwulfs riesige Hände zogen die Kleine in die Höhe, wo sie vor Freude quiekend die Hände in den Bart des Großvaters wühlte. Erst jetzt schien der Baron zu bemerken, dass sein Sohn nicht allein gekommen war.
”Ach – die Dame von Sindelsaum! Wie schön, Euch wieder zu sehen! Rondrolf, wir haben doch keinen Termin verschlafen, oder?”
”Ich kam ohne Ankündigung, Hochgeboren”, erklärte Angunde halblaut. ”Ich hoffe, Ihr verzeiht, dass ich einfach herein platzte!”
”Verzeihen?” donnerte Grimwulf fröhlich. ”Da ist nichts, was ich verzeihen müsste, Frau von Sindelsaum. Ihr seid willkommen auf Adlerstein, heute und an jedem anderen Tag. Heute sogar ganz besonders, will ich meinen.”
”Ich darf bekannt machen”, schaltete Rondrolf sich ein, ”Angunde von Sindelsaum, dies ist das jüngste Mitglied der Familie, Irmgunde Grobhand von Koschtal, Tochter meiner Schwester Ingrild und ihres Mannes Andromir Wubblinger. Wir haben derzeit eine kleine, informelle Familienzusammenkunft, bei der uns willkommener Besuch keinesfalls stören kann!”
Angunde spürte, wie ihr Röte in die Wangen stieg. Zum einen war es ihr etwas peinlich, schwer gerüstet zu so einem traviagefälligen Ereignis zu erscheinen, zum anderen machte es ihr Freude, derart herzlich aufgenommen zu werden, als sei sie selbst schon Teil der Familie.

Angunde wusste nicht wie ihr geschah. Rondrolf hatte sie zu einem gemütlichen Zimmer gebracht, wo sie sich rasch ihrer Rüstung entledigte und in bequemere Kleidung schlüpfte. Bei der Familienzusammenkunft wurde sie herzlich aufgenommen, ganz als sei sie Teil der Familie. So geborgen hatte sie sich im Kreis ihrer Familie nie gefühlt. Ihr Vater war ein Trunkenbold gewesen, ihre Mutter äußerst in sich zurückgezogen und von ihren Geschwistern lebte nur noch ihr Bruder Halmdahl, aber der war auch nicht gerade was man einen ”herzlichen Menschen” nennen würde, hatte er doch seinerzeit den Bruder seiner jetzigen Gattin ermordet und am Tod ihres Vaters und Vorbesitzer von Halmdahls jetzigem Lehen war ihm auch eine Mitschuld gegeben worden. Mit dem Rest ihrer Familie hatte sie nicht viel am Hut. Sie waren ihr stets fremd geblieben.
Hier aber, auf Burg Adlerstein, fühlte sie sich zum ersten Mal in langer Zeit daheim. Das prasselnde Feuer, das ausgelassene jauchzen Irmgundes und das herzlichen Gelächter der Anwesenden versetzten sie in gelöste Stimmung. Da konnte ihr auch Roban keinen Strich durch die Rechnung machen, der ihr über seinen Bierhumpen immer wieder scheele Blicke zuwarf. Stattdessen genoss sie die ungeteilte Aufmerksamkeit Rondrolfs, und die herzliche Aufnahme durch die übrigen Familienmitglieder.

Die nächste Woche verging wie im Fluge. Rondrolf und Angunde verbrachten viel Zeit miteinander und sie hoffte, dass ihr Besuch nie enden würde. Schließlich fasste Angunde einen Entschluss, suchte sich ihre beste Kleidung heraus und ließ sich, ohne Rondrolfs Wissen bei Grimwulf anmelden lassen.
Ihre Hände waren klamm, als sie das Arbeitszimmer des Barons betrat. ”Euer Hochgeboren,” begann sie, doch Grimwulf winkte ab. ”Lass gut sein. Nun warst du bereits die ganze Woche hier zu Gast, sodass wir zum du übergehen sollten.” Angunde schluckte kurz und nickte ”Wie ihr ähm du wünschst”
”Was hast du auf dem Herzen?”
Erneut musste Angunde schlucken.
”Nur heraus damit. Entgegen der landläufigen Meinung beiße ich nicht.”
Angunde raffte ihren gesamten Mut zusammen. ”Grimwulf, ich möchte um die Hand deines Sohnes Rondrolf anhalten. Er gibt mir den Halt und die Wärme, die ich mir wünsche, und auch ich glaube, dass er mich sehr mag. Ich bin zudem nicht mittellos und Herrin über 400 Untertanen in der Ferdoker Mark. Mein Lehen möchte ich in die Ehe mit einbringen. Ich kann euch keinen alten Namen bieten, doch das Haus Sindelsaum hat sich stets redlich für den Fürsten geschlagen.” Angunde holte kurz Luft um fortzufahren, doch Grimwulf unterbrach sie und erhob sich von dem schweren Eichenstuhl, auf dem er gesessen hatte.
”Angunde, Gold und große Namen waren und sind in unserer Familie stets zweitrangig gewesen!” Der alte Baron nahm Angundes Hände in die seinen. ”Stets haben wir auch die Herrin Rahja ein gewichtiges Wort mitreden lassen, und ich sehe es Rondrolf an der Nasenspitze an, dass er für dich das Gleiche fühlt. Ich habe dich bereits bei deiner Ankunft in unserer Familie willkommen geheißen, und ich bekräftige dieses Willkommen. Wenn du Rondrolf heiraten willst, so werdet Ihr es mit unserem Segen tun!”
Angunde schluckte einige Male schwer, dann fiel sie ihrem zukünftigen Schwiegervater ganz unstandesgemäß um den Hals. Baron Grimwulf lachte, klopfte ihr auf den Rücken und schob sie dann sachte zurück.
”Geh jetzt zu Rondrolf! Eine Schande, dass der Bursche dich noch nicht selbst gefragt hat, aber, nun ja, Rondrolf ist eben Rondrolf. Vermutlich feilt er seit Wochen an den richtigen Worten und würde noch Monde brauchen, ehe er sich traut. Er braucht eine Frau, die ihm mal auf die Sprünge hilft, und ich wette meinen Bart, dass du genau die Richtige dafür bist!”

Hochzeit auf Adlerstein (Ende Rahja 1040 BF)


Es dauerte nur wenige Wochen, bis die Hochzeitsglocken nach Adlerstein riefen. Abgesehen von Mitgliedern des Hauses Grobhand trafen ansonsten nur einige Niederadlige der Region, sowie Angundes Bruder, Halmdahl, aus dem almadanischen ein, hatte sich Angunde doch mit dem Rest ihrer Familie überworfen. Der Mangel an großen Namen, oder einer großen Festgesellschaft schien die beiden Brautleute aber gar nicht zu stören, denn sie hatten nur Augen füreinander. Den ganzen Tag über liefen sie mit einem seligen Lächeln auf den Lippen umher und steckten mit ihrer offenen Freude die übrigen Anwesenden an. Nur Roban verdrehte ob der ”übermäßigen Glückseligkeit” bisweilen genervt die Augen und stattete der Burgküche den ein oder anderen ”Kontrollbesuch” ab, die er stets zufrieden kauend beendete. Ob die von seinem Bruder gewünschte Anwesenheit von Leowina Steinkopf auf Butterwus seine Laune dabei hob oder senkte, war schwer zu sagen – der Wettstreit der gegenseitigen Beleidungen, der schon vor Monden in Uztrutz begonnen hatte, wurde aber fortgesetzt.

Je näher die eigentliche Zeremonie schritt, desto unruhiger wurde Rondrolf. Er hatte Hochzeiten beigewohnt, kannte den Ablauf, wusste, was er wann sagen musste, und dennoch...
Heute würde sich sein Leben für immer ändern, zum Guten ändern, davon war er überzeugt. Aber würde er Angunde glücklich machen können, dauerhaft glücklich machen? Er war kein Krieger, kein ganzer Kerl, konnte mit Worten und Griffel besser umgehen als mit Schwert und Lanze. Würde Angunde ihr Glück ausgerechnet mit ihm finden, oder würde sie seiner irgendwann überdrüssig werden. Seine Eltern wollte er mit diesen Worten nicht behelligen, nicht so kurz vor der Hochzeit. Seine Schwester war mit ihrer Tochter beschäftigt, und natürlich war es völlig unmöglich, Angunde selbst von seinen Zweifeln zu erzählen.
Blieb nur eine Person, die dafür bekannt war, selbst die ungewöhnlichsten Probleme zu lösen – allerdings auf häufig ungewöhnliche Art.
Er fand Roban in der Nähe der Küche. Ein Stück Mettwurst verschwand gerade zwischen seinen Zähnen.
”Wenn du so weitermachst, werden unsere Gäste mit Butterstullen vorlieb nehmen müssen”, seufzte Rondrolf, erntete aber nur ein Grinsen für seine Kritik. Dann zog er seinen Bruder in einen leerstehenden Raum, von denen es viele auf Adlerstein gab, und erzählte ihm von seinen Sorgen. Zwischen Robans Brauen bildete sich eine Falte, die tiefer und tiefer wurde.
”Lass mich raten”, schloss Rondrolf schließlich. ”Du stimmst mir voll und ganz zu und verstehst überhaupt nicht, wie Angunde sich überhaupt für mich erwärmen konnte!”
Roban verschränkte die Arme, seine Kiefer mahlten, als müsse er – was selten vorkam – die nächsten Worten gut überlegen.
”Rondrolf, ich sage es dir jetzt einmal, ein einziges Mal, und wenn du egal wem erzählst, dass ich das gesagt habe, ziehe ich dir die Ohren so lang, dass du sie als Schal tragen kannst!” Robans mahnender Zeigefinger sagte alles, und Rondrolf wappnete sich für eine saftige verbale Abreibung. Doch dann legte ihm sein Bruder beide Hände auf die Schultern und blickte ihn ernst an.
”Rondrolf, du bist ein feiner Kerl, schon immer gewesen. Du bist ein prima Bruder, und auch wenn du kein großer Kämpfer bist, du bist treu, ehrlich, fleissig und anständig. Hätte Angunde einen Krieger gewollt, hätte sie einen gesucht, aber das hat sie nicht. Sie hat dich erwählt, und sie selbst weiß am besten, warum sie das getan hat. Wenn du Zweifel hast, ob du sie liebst, dann lass die Hochzeit platzen. Vater wird dir den Arsch versohlen und Mutter sechs Monde nicht mit dir sprechen, ich werde das Essen vertilgen und kein Weib wird dich je wieder ansehen.
Aber wenn du Zweifel hast, ob sie dich liebt, dann geh runter und schau sie dir an. So, wie sie dich anhimmelt, wärst du der einzige, der daran zweifelt! Sie wird mit dir glücklich sein, und zwar mit dir, so wie du bist! Also bleib, wie du bist, dann machst du nichts falsch. Versuch nicht jemand anderes zu sein, das funktioniert sowieso nicht, und jemand anderen wird Angunde auch gar nicht wollen! Also mach dich nicht verrückt – du, und nur du, bist der Richtige für sie!”
Rondrolf brauchte einige Sekunden, ehe er die Tragweite dieser Worte vollständig erfasst hatte. Dann nickte er lächelnd.
”Du hast recht, Roban. Es sage das selten, aber du hast vollkommen recht! Hast du sonst noch gute Empfehlungen für mich?”
Roban schürzte kurz die Lippen. Diesmal dachte er nicht sonderlich lang nach.
”Halte dich von den Mettwürstchen und dem Räucherschinken fern!”
”Wieso? Sind sie nicht gut?” Rondrolf fürchtete bereits, dass jetzt das nächste Problem auftreten konnte.
”Nein!” Roban grinste. ”Sie sind so gut, dass ich selbst möglichst viel davon zu fressen beabsichtige! Und jetzt troll dich, und tritt mir nicht noch mal als Junggeselle unter die Augen!”

Es vergingen noch zwei Stunden, ehe alles bereit war. Bis dahin hatte Rondrolf sich umgezogen, unter den kritischen Augen seiner Mutter. Noch einmal, wie er halb erleichtert, halb besorgt dachte, zupfte seine Mutter an seiner Kleidung herum, und sie selbst schien die gleichen Gedanken zu hegen.
Als die Zeremonie begann, versuchte Rondrolf, sich mit dem abzulenken, was er gut konnte. Alle dienstbaren Geister waren auf ihren Posten, der Travia-Geweihte war bereit, alle trugen ihre festlichen Kleider. Sogar Roban wirkte regelrecht gepflegt an diesem Tag, auch wenn man bei genauem Hinsehen bemerken konnte, wie er und Leowina heimlich Knüffe in die Nierengegend oder Tritte auf die Füsse austauschten. Als dann endlich Angunde von ihrem Bruder zu ihm geführt wurde, schwanden sämtliche Zweifel aus ihm und wich dem freudigen Unglauben, diese Frau heute tatsächlich heiraten zu dürfen.
Und als der Geweihte ihre Hände mit dem seidenen Tuch aneinander band, da war er sich sicher, dass die Götter ihre Verbindung segnen würden. Mit dieser Frau wollte er alt werden, und sie fühlte genauso. Der Hochzeitskuss wurde mit Applaus bedacht – nur sein Bruder pfiff anerkennend auf den Fingern, aber das hörten Angunde und Rondrolf überhaupt nicht.

Im Anschluss an die Zeremonie gab es ein großes Fest, bei dem so allerlei Köstlichkeiten verzehrt wurden und auch das Koscher Bier in großen Mengen floss. Schlussendlich zog sich das Brautpaar in ihre Gemächer zurück um ihren Traviabund zu besiegeln und selbst Robans Frotzeleien schienen zu diesem Zeitpunkt eher gutmütiger Natur zu sein.

So kam es also, dass die ”ewigen” Junggesellen Angunde und Rondrolf zueinander fanden. Doch wenngleich die beiden nicht glücklicher hätten sein können waren nicht alle über diesen Bund erfreut.