Dohlenfelder Thronfolgestreit - Das Wolfssteiner Lager

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Texte der Hauptreihe:
K28. Sieg
K70. Das Wolfssteiner Lager
K95. Kajax
F25. Epilog
13. Tra 1033 BF
Das Wolfssteiner Lager
Bericht aus Dohlenfeld

Kapitel 70

Das Lager der Löwen
Autor: Reichskammerrichter, weitere

Nordmarken, 1033

Etwas abseits des Hauptlagers standen die wenigen Zelte der Streiter aus Wolfsstein, die ebenfalls am 10. Rondra das Tal erreicht hatten. Baron Lechdan sprach nicht sonderlich viel seit ihrer Ankunft in Nilsitz. Zuviel lief ganz und gar nicht so, wie es sich der Wolfssteiner vorstellte. In der Heimat intrigierte seine Gemahlin gegen ihn, stellte sich gar offen im Dohlenfelder Erbstreit gegen ihn. Zudem folgten ihr ärgerlicherweise noch einige Landadelige in Wolfsstein, so dass Lechdan seiner Gemahlin einen Hausarrest erteilen musste, bevor er abreiste. Er hoffe nur, dass sein Vetter und neuer Lehensvogt Roderich von Wolfsstein die Zügel der Baronie sicher in den Händen hielt, solange er selbst mit den meisten seiner Ritter und Waffenknechten in Dohlenfelde diesen götterverlassenen Hagen zurück in den Kosch prügelten. Hagen – mittlerweile war dieser Erbstreit auch für Lechdan zu einer persönlichen Angelegenheit geworden. Reichte es nicht, dass seine Gemahlin Praiodara durch die Parteinahme für Hagen den Keil immer tiefer zwischen sie trieb, so war das Schicksal ihres gemeinsamen Sohnes Lucan der traurige Höhepunkt bisher. Einst Knappe unter Bernhelm von Sturmfels, übernahm Hagen das ehrenvolle Amt des Schwertvaters für den jungen Lucan nach Bernhelms Tod. Statt jedoch seinen Pflichten als Schwertvater nachzukommen, vernachlässigte Hagen den Jungen und ließ es zu, dass Lucan während der Belagerung von Burg Dohlenhorst im vergangenen Winter von den eigenen Bombarden zu einem Krüppel geschossen wurde.
Grimmig blickte der Wolfssteiner Baron auf die sauber geschliffene Klinge seines Langschwertes. Was würde er nur dafür geben, diesem großmäuligen Angeber – Baron und Reichskammerrichter hin oder her – diese Klinge in den Wanst zu treiben. Bevor er ihm mit dem Blatt seiner Axt das blöde Grinsen vom Hals schlagen würde.
Leise wurde der Vorhang des Zelteingangs zur Seite geschoben. Magorn Fenwasian, des Barons Leibritter und jüngst als Junker auf Burg Nadelfels eingesetzter Streiter, sowie Rakon von Wolfsstein-Schleiffenröchte, ein Vetter des Barons, traten herein. Beide hatten mittlerweile leichtere Kleidung angelegt und ihre Rüstungen und Waffen den Knappen und Knechten übergeben. Nur ihre Schwerter hatten sie gegürtet, sowie die Wolfspelze über den Schultern drapiert. Das Zeichen der Wolfssteiner Ritterschaft. „Firun, Rondra und ihre göttlichen Geschwister mit dir, Lechdan. Die Zelte sind aufgeschlagen, die Knechte und Knappen fleißig. Wenn auch du bereit bist, können wir bald das Zelt Angronds aufsuchen.“, sprach Rakon. Der Edle zu Marderau hatte sich herausgeputzt, war er doch im Gegensatz zu seinem Vetter Lechdan als Freund von Bällen und großen Turneyen bekannt. Manch einer nannte den Edlen gar einen Salonlöwen.
Der wie stets eher wortkarge Magorn beäugte stattdessen eher interessiert die neue Streitaxt des Barons, das Reden konnte man hier wohl anderen überlassen. An seinem Gürtel hing ein schwarzer Wimpel mit dem Wappen seiner Familie – die goldene Distel auf schwarzem Grund.
Lechdan brummte missmutig und musterte Rakon und Magorn kurz.
„Lass’ Vater Hilbert dem Trosskoch über die Schultern schauen, damit wir nachher auch etwas Vernünftiges zu beißen haben. Und Prianna und Folcrad sollen mit zur der Unterredung kommen, die beiden sollten gut zuhören, das wird eine Lehrstunde in Sachen Kriegskunst, könnte ich mir vorstellen.“
„Es wird Zeit für Klingenwerk, nicht für noch mehr Reden.“, warf Magorn ein.
Lechdan grinste freudlos, „Das wirst du noch früh genug bekommen, alter Freund.“

Es vergingen nur wenige Augenblicke, bis die beiden Knappen des Barons von Wolfsstein das Zelt betraten. Beide erhofften sich in der anstehenden Schlacht genügend Ruhm, um ihren Ritterschlag zu erhalten oder diesem zumindest einen ordentlichen Schritt näher zu kommen und so unterschiedlich sie auch in ihrer Art waren, so einig und stolz standen sie hinter ihrem Schwertvater. „Das Lager ist aufgebaut, die Pferde versorgt, die Waffen und Rüstungen poliert und wir konnten auch bereits grob in Erfahrung bringen, wer sein Lager rings herum aufgeschlagen hat.“, verkündete Folcrad, während Prianna’s kühler Blick von der neuen Streitaxt zu den Anwesenden wanderte. „Es heißt, dass die Baronin zu Ambelmund jüngst im Zelt seiner Hochgeboren von Sturmfels eingetroffen sei.“, ergänzte Prianna.