1. Waldmarsch - Ein Lager des Bundes?

| ◅ | Eine merkwürdige Begegnung |
|
Harte Reaktion | ▻ |
| ◅ | Eine merkwürdige Begegnung |
|
Harte Reaktion | ▻ |
Ein Lager des Bundes?
Borrewald, Anfang Travia 1048 BF
Es war bereits um die Mittagsstunde des folgenden Tages, als die Truppe um Baerwin von Hartsteig zu der Lichtung gelangte, von der ihnen berichtet worden war. Der Hartsteiger befahl daraufhin: „Leise zum Waldrand schleichen. Waffen bereit halten, aber nur auf meinen Befehl nutzen.“ Nervös nickten seine Leute. Vitus sollte zurückbleiben und die restliche Ausrüstung bewachen. Der 4. und 5. Zug war leider beim Anschleichen genau so leise wie eine Rotte Wildschweine, die durch das Unterholz bricht, doch von der Lichtung kamen keine verdächtigen Geräusche. Schließlich gab Baerwin den stummen Befehl zum Halt und Bereithalten. Dann trat er als Erster aus dem Unterholz.
Auf der von Menschenhand gerodeten Lichtung erblickte er schnell zwei hölzerne Blockhäuser und einen großen, aus Lehm und Erde gefertigten Köhlermeiler. Überrascht sah er sich weiter um und erkannte dann einen großen, aber sehr schlaksigen Mann, welcher aus einem der Blockhäuser trat. Er war in einfache Loden- und Filzklamotten gekleidet, führte aber auch eine langstielige Holzfälleraxt mit sich. „Firun und Travia zum Gruße“, meinte der vollbärtige Kerl vorsichtig. „Wer seid ihr und warum schleicht ihr euch so an unser Lager an?“ Baerwin winkte aufgrund dieser Worte den Rest seiner Leute heran und meinte anschließend: „Praios und Rondra zum Gruße, guter Mann. Wir sind Mitglieder der fürstlichen Kompanie Halmdahl der Keiler und von seiner prinzlichen Durchlaucht, Erlan vom Eberstamm, angewiesen, die hiesigen Wälder zu patrouillieren. Habt ihr schon von uns gehört?“ Der Mann schüttelte nur den Kopf, erklärte dann aber: „Wir sind treue Untertanen, sowohl des Fürsten- als auch des Grafenhauses.“ Nun ergriff Kuniswart das Wort: „Wir sind auf der Suche nach dem Borrewaldbund. Habt ihr den hier irgendwo gesehen?“ Der Mann schüttelte erneut den Kopf und verkündete: „Da müsst ihr wohl noch tiefer Richtung Praios in den Wald.“ Baerwin seufzte leise. Dann meinte Rigolosch: „Sag deinen Leuten, sie sollen die Häuser verlassen und sich hier versammeln. Wir müssen prüfen, ob sich hier irgendwo Mitglieder des Bundes verstecken oder ob ihr hier irgendetwas Verbotenes in eurem Besitz habt.“
Am Gesichtsausdruck des Mannes konnte man erkennen, dass ihm das gar nicht recht war. „Bitte, wir sind doch nur einfache Leute. Meine Familie, die Baumrupfer, lebt schon lange hier in den Ausläufern des mächtigen Borrewaldes, ihr könnt uns vertrauen.“ „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, erklärte Rigolosch streng. „Los, los!“ Der große Mann dachte kurz nach und meinte dann: „In Ordnung, macht eure Durchsuchung. Leute, kommt zu mir!“ Eine achtköpfige Anzahl von Männern und Frauen scharte sich um den vollbärtigen Mann. Die Verwandtschaft untereinander war hier unübersehbar. Baerwin ließ die Armbrustschützen weiter in Position verharren und befahl stattdessen den Hellebardenträgern, die Durchsuchung vorzunehmen. Die Kontrolle der Leute dauerte nur kurz, aber keiner seiner Leute konnte etwas Verdächtiges bei den Köhlern feststellen.
Dann bat Baerwin den großen Köhler, ihnen die Häuser zu zeigen. „Nach was sucht ihr denn?“, erkundigte sich der Mann, als er ihnen die erste Blockhütte zeigte. „Waffen, Raubgut, Nachrichten, ungewöhnliche Dinge, einfach alles, was euch verdächtig machen kann, dass ihr mit dem Borrewaldbund zusammenarbeitet.“ Der bärtige Köhler meinte schlicht: „Wie ich euch schon gesagt habe, wir sind gesetzestreue Leute und helfen keinen Gesetzlosen. Aber …“ Er unterbrach sich und Baerwin blickte ihn neugierig an. „Ja?“ Der Mann schluckte kurz und meinte dann: „Aber der Bund hat bisher weder uns noch irgendjemandem, den ich kenne, ein Unrecht getan. Nein, ihre Ankunft ist uns sogar ein wenig recht.“ Baerwins Augen wurden gefährlich schmal, er legte seine Hand auf den Kopf seiner Streitaxt und meinte: „Weshalb das denn?“ Der Mann blickte ihm direkt in die Augen: „Früher wimmelte es hier in dem Wald von Gesetzlosen, die jedes Unrecht verübten, dazu kamen Banden von Schwarz- und Rotpelzen, welche uns Menschen schon immer feindlich gesinnt waren, von der Ausgeburt des finsteren Ogers Goro ganz zu schweigen. Doch mit der Ankunft des Borrewaldbundes hat sich hier im Wald eine Art von unsicherem Kräftegleichgewicht gebildet. Die Gesetzlosen sind entweder zum Bund gewechselt oder halten sich nunmehr zurück, genau so wie die Ork- und Goblinbanden, da der Bund über einige hervorragende Streiter und Schützen verfügt. So herrscht hier erstmals eine gewisse Ruhe. Daher können meine Familie und ich jetzt wieder einfacher den Wald bearbeiten und unserer Beschäftigung nachgehen.“
Baerwin antwortete energisch: „Dann habe ich ausgezeichnete Nachrichten für euch. Jetzt, wo unsere Kompanie da ist, werden wir uns um euren Schutz kümmern. Im Turm Harzklamm residiert nun der junge Erbprinz des Kosch. Er zahlt mit guter Münze und nimmt fleißige Leute gerne bei sich auf. Ihr könnt daher ganz beruhigt sein.“ Der Köhler fummelte etwas verlegen an seiner speckigen Mütze herum, bevor es aus ihm herausbrach. „Herr, wir haben euch nicht um eure Hilfe gebeten oder die des Fürstensohnes. Wir sind bodenständige Handwerker des Waldes, wir wollen hier einfach nur Holzkohle herstellen, diese verkaufen und so unseren Lebensunterhalt verdienen. Wir möchten uns nicht auf eine Seite stellen müssen oder jemanden gegen eine andere Seite unterstützen.“ Baerwin strafte den Mann mit einem kalten Blick, denn diese Antwort gefiel ihm gar nicht. „Ich verstehe euer Anliegen, nichtsdestotrotz sind wir jetzt hier und daher werden wir die hiesigen Angelegenheiten in unsere Hand nehmen, so wie es das fürstliche Recht für richtig hält.“ Der bärtige Köhler schien kurz innerlich tief zu seufzen, was Baerwin noch etwas mehr ärgerte. In diesem Moment trat Rigolosch heran und meinte: „Sind sauber. Hier ist wirklich nur Kohle.“ Der Hartsteiger nickte und meinte dann zu seinem Freund: „Rig, wie war noch mal die offizielle Anweisung des Fürsten? Die Bewohner von Albumin sind zukünftig angehalten, einen Teil ihres Zehnts direkt an die fürstliche Kompanie zu entrichten?“ Überrascht sahen der Angroscho und der Köhler Baerwin an, dann nickte der Zwerg zögerlich. „So ähnlich hab ich es auch verstanden.“ Der junge Ritter wandte sich wieder an den Köhler und meinte: „Ihr habt es gehört. Meiner Truppe wäre aktuell sehr geholfen, wenn ihr uns einen Sack eurer besten Holzkohle zur Verfügung stellen würdet. Natürlich wird dies auf eure zu leistenden Abgaben angerechnet.“ Der große Mann blickte nun noch unglücklicher drein und zögerte lange mit seiner Antwort. Dann jedoch meinte er mit Bitterkeit in der Stimme: „Wenn es zur Unterstützung der fürstlichen Truppen ist, dann sollt ihr natürlich eure Kohle bekommen.“ Baerwin lächelte zufrieden und meinte: „So sprechen wahrlich getreue Untertanen. Dann zeigt mir mal, wo ihr eure fertige Ware lagert“, und übersah dabei, wie Rigolosch ihm einen sehr zweifelnden Blick zuwarf.