Fürstliches Ritterturnier zu Angbar 1041 - Livelinds Ritt

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Brodilsgrund, 9. Rondra 1041, Ringstechen am Mittag

Livelind von Hammerschlag blinzelte einen Schweißtropfen aus ihrem Augenwinkel. Es war zwar nicht besonders warm, aber die Anspannung ließ sie doch gehörig schwitzen. Ihr erstes Turnier und das auch noch in ihrer Heimat, vor dem Fürsten und ihrem Vater. Diesen hatte sie bereits in der Nähe des Fürsten auf der Ehrentribüne entdeckt und auch ihr Schwertvater, Baron Nimmgalf von Hirschfurten war dort.

Sicher hatte ihr stolzer Vater den Fürsten schon darauf aufmerksam gemacht, dass nun seine Tochter reiten würde. Sicher hatte er auch erwähnt, daß sie erst seit kurzem Knappin war, aber was nützte das, wenn sie nicht wenigsten ein paar Ringe abräumte. So viele Menschen sahen zu. Livelind fühlte sich einfach nur unwohl und im Gegensatz zu ihrer sonstigen Überzeugung dem ganzen vielleicht doch nicht gewachsen. Die Lanze war lang und schwer und für eine 12jährige dann doch schwerer zu Handhaben, als für ältere, kräftigere Knappen und selbst die schienen Schwierigkeiten zu haben. Ein 18jähriger, Leuthardt von Eslamsberge-Krolock, war mit nur 2 Ringe aus der Bahn zurückgekehrt und ausgesprochen beschämt gewesen, genau wie die ebenfalls 18jährige Alveria von Lodenbach mit nur 4 Ringe.

Livelind wollte es gern besser machen, aber so viele Menschen schauten zu. Nun war sie froh über das Abschiedsgeschenk ihres Vater als sie in die Knappschaft gegangen war, den Yaquirtaler Fuchswallach auf dem sie saß. Erst war sie enttäuscht gewesen, hätte sie doch lieber eine Stute gehabt, aber ihr Vater Thorben hatte nur gelacht und gemeint, eine kleine Zicke brauche keine große Zicke unter dem Hintern, sondern was ruhiges. Und ruhig und zuverlässig war ihr Fuchs – inzwischen liebte sie ihn sehr.

Dann das Zeichen. Ein letzter Blick zur Tribüne, ihre Mutter schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und dann drückte sie dem Pferd die Fersen in die Flanke. Der Fuchs reagierte sofort. Reiten konnte Livelind schon ausgesprochen gut – ihr Vater hatte ihr sehr klar gemacht, daß er es nicht dulden würde, wenn sie es nicht fleißig übe. Aber dieses vermaledeite, unhandliche, lange Ding in ihrer Hand machte er doch schwer zu schaffen. Der erste Ring flog heran und tatsächlich rutschte er die Lanze hinab. Getroffen. Die Freude war so groß, das die Konzentration nachließ und sie die nächsten beiden Ringe verpasste, dann aber vier, fünf, sechs, sieben und acht auf der Lanze landeten. Die letzten zwei ließ sie leider wieder aus, die Lanze war einfach zu schwer und ihr zitternder Arm konnte sie nicht mehr ins Ziel lenken.

Sechs, es waren sechs Ringe geworden. Mehr als die Hälfte. Sie war erleichtert und hoffte, es würde Vater und Schwertvater genügen. Schließlich war es ihr erstes Turnier. Beim nächsten schon wollte sie besser sein und sich nach und nach einen Namen machen. Und welcher Schwertvater wäre besser geeignet dafür als ihrer, der berühmte Turnierritter Nimmgalf von Hirschfurten.