Vom Troll erschlagen

Aus KoschWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kosch-Kurier1.gif

Ausgabe Nummer 6 - Efferd 1015 BF

SYRRENHOLT/Garetien. Die unheimlich anmutenden Umstände, die zur des answintreuen ehemaligen Freiherrn Dajin von Nadoret während des Überstellung zum ORG nach Gareth geführt hatten, konnten kürzlich aufgeklärt werden. So scheint es anch heutigem Erkenntnisstand, daß der Überfall auf den Geleitzug des Häftlings das Werk eines (bisher unbekannten) ruchlosen Magiers war. Zusätzlich schien dieser Zauberer noch einen in den garetischen Wäldern hausenden Troll — genauer gesagt eine 21 Spann große Trollin namens Kmussa — mit einem Beherrschungsspuch in seinen Bann gebracht zu haben, um sich bei dem niederträchtigen Überfall ihrer Hilfe zu bedienen. Glücklicherweise war dieser Bann jedoch nicht stark genug, denn die Trollin lehnte sich, nachdem sie den Gefangenen befreit hatte, gegen ihren Beherscher auf. Daraufhin wurde der ehemalige Baron von Nadoret eher zufällig erschlagen, der unbekannte Magier vertrieben, und somit wohl auch das Leben der Reiterinnen und Kutscher ds Geleitzuges gerettet.
Die Aufklärung dieser Umstände verdanken wir den Syrrenholter Holzfällern Degrich Haffentrab und Aklan Gondam, die, im dichten Firunnebel vom Wege abgekomen, rein zufällig am Lager der Trollin Kmussa vorbeikamen. Dort erblickten sie das dem Geleitzug entwendete große Banner, das weithin gesuscht wurde. Als treue Untertanen und mit Blick auf die ausgesetzte Belohnung meldeten die beiden dieses umgehnd ihrem Dorfschulzen. Groß war die Aufregung im Weiler Trunkbach am Forste, denn bislang galt die Trollin im nahen Wald als weithin ungefährlich und für ihres gleichen ungewöhnlich intelligent und umgänglich. Doch nun mußte man annehmen, daß sie angefangen hatte, selbst gut bewaffnete Reisende zu überfallen und sich dabei gar unheimlichen Zaubern zu bedienen. Am tiefsten aber saß der Schrecken beim Ritter Tann Gellich von Trunkbach darselbst, der mit seinen gesamten Mannen (derer zwei), nicht in den Wald, sondern stracks zum Vogt Bärthram, dem Verweser der Baronie, eilte, auf daß dieser sich der Sache annehme. Nach eingehender Überlegung entschied Vogt Bärthram, daß besagte Angelegenheit doch vielmehr Sache der Ferdoker sei, denn schließlich stammten sowoh der ehemalige ehemalige Freiherr von Nadoret als auch die Reiterinnen, denen er abhanden kam, gleichsam aus der Grafschaft Ferdok. So beschloß der verweser, sofort Boten nach Ferdok zu entsenden, der Trollin Kmussa aber vorläufig noch keinen Besuch abzustatten. Kaum zwei Wochen später marschierten so zwanzig Ferdoker Reiter und wohl ebensoviele Syrrenholter Gardisten nebst einigen Metenarer Recken unter Führung von Ritter Tann in den Trunkbacher Wald. Mit gezogenen Schwertern, langen Piken und gespannten Armbrüsten näherte sich der Trupp dem Ort, wo man das Lager der Trollin vermutete. An dem erneut sehr nebeligen Tage konnte man die Stätte jedoch nicht auf Anhieb finden, so daß nochmals einheimische Fährtensucher mit dieser Aufgabe ausgesandt wurden, während die Kämpfer und Kämpferinnen auf einer Lichtung rasteten.
Als fast drei Stunden zwei der Fährtensucher keine aufschlußreiche Spur gefunden hatten und der dritte immer noch nicht zurückgekehrt war, wurde befürchtet, daß er die Trollin zwar gefunden hatte, aber sie ihn auch. Um nicht in einen Hinterhalt des gefährlichen und möglicherweise magiebegabten Ungeheuers zu geraten, wollte Vogt Tann bereits schweren Herzens den Befehl zum Rückzug geben, als der vermißte Waldläufer Insar Katekin humpelnd und mit zerrissenenem Wams, aber am Leben auf der Lichtung erschien. Insar hatte die Trollin tatsächlich gefunden, nur war sie auf der Jagd nach einem kapitalen Keiler quasi über ihn gestolpert und hatte ihn trotz seiner heftigen Gegenwehr vorerst statt des Keilers mit in ihr Lager genommen. Nachdem ihm Kmussa nochmals versichtert hatte, daß sie ihn wirklich nicht fressen, sondern nur wissen wolle, warum er ihr Revier aufgesucht habe, erzählte Insar der Trollin, was er wußte. Nach geraumer Überlegenszeit entließ Kmussa den Waldläufer mit der Botschaft, daß Abgesandte der Menschen kommen dürften, sie aber nicht mehr als „drei Kleinlinge“ sehen wolle. Letztendlich konnte Vogt Tann Gellich sich doch dazu entschließen, gemeinsam mitInsar Katekin und Gyvanna Valdach, Oberweiblin der Ferdoker Garde, zu der Trollin zu gehen. Der Rest der Truppe sollte aber nur unweit hinter den drei Unterhändlern zurückbleiben und sich bereit hatlten, diese gegebenenfalls so schnell als möglich zu unerstützen.
Das fast endlos lang erscheinende Gespräch mit Kmussa, das bis tief in die Nacht hinein andauerte und in dessen verlauf Ritter Tann noch seinen Wappenrock verschenkte, klärte die Sache endlich auf. Unser allseits bemühter und und kühner Redakteur Helmbrecht Jolen ist einge Tage später gemeinsam mit einer gräflichen Abordnung zum Lager der Trollin aufgebrochen, um den Tathergang nochmals, möglichst in den Worten Kmussas festzuhalten. Hier eine lesbare Zusammenfassung:

Was wirklich geschah
„Ich wollte grad ’n Hirsch fangen, da kommt doch so’n komischer kleiner Kerl mit spitzer Nase, bunten Sachen — ich mag bunte Sachen — und ’nem leuchtenden Stöckchen. Dann sagt er, er ist ein guter Freund von mir und ich sollt’ ihm eben mal helfen. Ich weiß nicht warum, aber ich bin mit ihm gegangen. Er ging dann zu ’nem Weg und sagt wir sollen uns verstecken. Dann kommen auch schon ’ne ganze Menge von Reitern und ’ne Kutsche, hatten bunte Sachen an und am schönsten war das bunte Tuch an der lange Stange, was im Wind flatterte. Ich mag bunte Sachen. Da hat der kleine Mann auf einmal umhergefuchtelt und wirres Zeug geplappert und dann war‘s auf einmal ganz neblig und ich war müde. War wohl ein Zauberer, der kleine, und ich mag eigentlich gar keine Zauberer. Dann war der Nebel weg und die Menschen haben nicht mehr geritten sondern geschlafen und mein Freund, nein nicht mein Freund sagt, ich soll die Kutsche aufmachen und den Mann drin rausholen. Das hab ich gemacht. Der hat auch geschlafen und ich hab‘ ihn zu ‘nem zaubernden Kerl gebracht. Als er dann wach war, war er furchtbar wütend und hat mit dem Zauberer ganz viel und schnell geredet und wollte dann mit einem Messer den Frauen in den bunten Sachen was tun. Das fand ich nicht nett, und er war ja nicht mein Freund und da hab ich ihn gepackt und ihm eine gewatscht. Dann schreit mich der Zauberer an: „Zurück!“ Ich pack den anderen über die Schulter und geh auch zurück, doch da wurd der Kerl rot bis zur Spitze seiner langen Nase und auf einmal kommt Feuer aus seinen Händen. Hier, da hab‘ ich noch dicke Brandmarken! Also werf‘ ich den einen weg und geh auf den Kleinen los, der gar nicht mehr mein Freund war. Der redet was, schimpft, redet dann wieder was und kurz bevor ich ihn packen kann ist er futsch, einfach weg. Dann wird auf einmal der andere hinter mir wieder, schreit mich an, aber bevor er noch an so‘n Schwert kommt, sagt er auf einmal gar nichts mehr. Da hab‘ ich ihm schon eins über die Rübe gegeben. War irgendwie nicht schön so, sowas mach‘ ich sonst gar nicht, hab ich ich mitgenommen und in die Schlucht geworfen. Sollt ja ja keiner wissen. Dann bin ich wieder zurückgegangen.
Der Hirsch war natürlich weg. Ach, ja, das schöne bunte Tuch an der Stange hab‘ ich mitgenommen — ich mag bunte Tücher. Hab‘ ich das schon gesagt?“
(Soweit die Aussage der Trollin, die wohl der Wahrheit entspricht — bekanntlich sind Trolle schlicht zu dumm zu m Lügen.)

Am Boden besagter Schlucht wurde schließlich auch ein zerschmetterter Körper gefunden, doch Krähen und anderes Getier hatten sich breits an dem Leichnam zu schafffen gemacht, so daß er nur schwerlich identifiziert wrden konnte. Der wertvolle Siegelring ds ehemaligen Freiherrn von Nadoret steckte jedoch noch immer an dessen Finger. Leichnam und Siegelring wurden inzwischen nach Nadoret überführt und der Familie übergeben, die Dajin von Nadoret in der von ihm selbst angelegten Famieliengruft unter Schloß Nadoret in einer feierlichen Zeremonie im Kreise seiner Lieben beisetzte. Leichte Probleme gab es allerdings bei der Verteilung der ausgesetzten Belohnung. Letztendlich einigte man sich darauf, daß die Holzfäller Degrich Haffentrab und Aklan Gondam 50 Dukaten bekommen sollten, wie auch die Trollin Kmussa zusätzlich zu dem ihr überlassenen Banner der Ferdoker Garde ebenfalls 50 Dukaten erhielt. Was Kmussa mit diesem Geld nun anfangen wird bleibt allerdings ungewiß; ebenso im Dunkeln liegt auch, wie sich die neue Sammeleidenschaft der Trollin, der es Wappen und Flaggen scheinbar angetan haben, sich entwickeln und auswirken wird. Dajin von Nadoret ist nun für tot erklärt worden, doch erhoben unentwegte Zweifler schon ihre Stimmen und sagten, alles könnte ein einziger großer Schwindel sein, denn ein Siegelring ließe sich auch leicht einem beliebigen Toten anstecken, und warum sollte man ausgerechnet den Worten einer Trollin Glauben schenken. Ungeklärt ist weiterhin die Identität jenes geheimnisvollen Magiers und warum am Tatort trotz der Anwesenheit eines Trolls (!) keinerlei Spuren gefunden wurden…

Wir allerdings glauben, daß das Kapitel Dajin von Nadoret nunmehr endlich geschlossen werden kann. Es verbleiben aber immer noch ganze 100 Dukaten, die auf den entkommenen Magier ausgesetzt wurden. Doch ist es kaum wahrscheinlich, daß dieser, den ja niemand außer Kmussa zu Gesicht bekommen hat, jemals gefaßt werden kann.