Veränderungen - Sieg oder Niederlage?

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Hinterkosch, 1029

Roklan hatte kraft seiner neu gewonnenen Autorität einen der Jäger als Kundschafter vorangeschickt. Gewandt war er in die Berge vorgedrungen, während die anderen dieses kleinen Stoßtrupps hier im Schatten der Bäume gewartet hatten. Eine leichte Anspannung breitete sich unter den Eikenhorstern, aber auch unter den Rittern aus. Würden sie auf die Räuber treffen und, wenn ja, wie würden sie dann verfahren? Einfach drauflos prügeln? Oder sich einen Schlachtplan überlegen?
Roklan musste eine Entscheidung treffen – ihm oblag nun die Sicherheit der Baronie Galebquell. Er lehnte an einer alten Föhre, knorrig und knarzend. Die Augen geschlossen, lehnte er auch mit seinem Hinterkopf an der harten Rinde. Die Beine leicht gespreizt, lagen seine Arme auf den Knien. Der Baronet war ruhig, zumindest äußerlich. Er atmete ruhig und versuchte sich zu konzentrieren.
Neben ihm saß Hlûthard und sein Blick ruhte nachdenklich auf seinem Schützling. Doch etwas anderes als nur die Sorge um den bevorstehenden kleinen Feldzug nagte an dem Ritter aus dem Kosch. Es war nicht nur Sorge und Stolz, was er für den künftigen Baron vom Galebquell empfand. Er ahnte, da war noch mehr und das würde wachsen. Aber es durfte nicht so weit kommen – nicht jetzt und auch nicht in Zukunft.
Roklan würde sich eine tüchtige schöne Frau von adligem Geblüt suchen. Suchen müssen. Hlûthard betrachtete die scharfen Gesichtszüge des Baronets. Sein dunkles Haar, wie es ihn in Wellen auf den Rücken fiel, wenn es offen war. Er sah die großen, starken Hände, und Hlûthard musste unweigerlich daran denken, was Roklan vor kurzem alles damit getan hatte. Sofort meldete sich wieder rahjaische Erregung, doch diesmal verbannte Hlûthard die Gedanken nicht – sondern ließ gedanklich die Hände des jungen Ritters genau das tun, was sie vorher getan hatten. Wie sanft sie waren und wie sehr Roklan seine Kraft zurückgehalten hatte.
Nein!
Hlûthard schüttelte den Kopf. Er durfte sich diese Gefühle nicht erlauben. Nicht für Roklan von Leihenhof, den künftigen Baron zum Galebquell. Er musste Roklan schützen – und ihn für seine Aufgabe als zukünftigen Baron vorbereiten. Und dazu gehörte eine Frau, der er Kinder schenken konnte und würde.
In diesem Moment erhob sich Roklan. Kräftig stieß er sich von dem Baumstamm ab und schob sich auf seine Füße. Mit wenigen Schritten stand er vor Hlûthard und ging neben dem Konnetabel Galebquells in die Hocke.
„Hlûthard, wie sollen wir vorgehen?“
Jäh sah sich der Edle von Lovast wieder in die Realität gerissen, als der junge Ritter mit seiner dunklen weichen Haut neben ihm hockte. Einen Moment lang wusste er nicht, was er sagen sollte – dann gewann sein Kriegertum die Oberhand. Er war um Rat gefragt worden, und Rat würde er erteilen.
„Wir warten nun erst mal den Bericht des Kundschafters ab. Aber ich vermute, dass sich die Räuber in den Höhlen befinden. Sie sind zu Fuß, allerdings können auch sie ihre Beute nicht in höchste Höhen tragen. Daher sind sie wohl in einer nicht allzu schwer erreichbaren Höhle.“
„Meinst du, wir sollten sie in die Höhlen treiben und dort dann ausräuchern? Sie kommen dann irgendwann hinaus“, warf der Baronet ein. Hlûthard überdachte diesen Gedanken.
„Sofern nicht ein zweiter Ausgang vorhanden ist. Aber dann haben wir ohnehin keine Möglichkeit, sie zu schnappen.“
Roklan nickte. Und hatte für sich beschlossen, die Bande durch argen Rauch aus ihrem Bau zu treiben. Gemeinsam mit den eikenhorster Jägern beriet er, wie dabei vorzugehen war – als dann auch schon der Kundschafter erschien.
„Nicht weit von hier haben sie sich in einer Höhle eingenistet“, berichtete Aarwin, der Jäger. „Es waren wohl so viele wie ich Finger an der Hand habe. Aber nicht mehr. Ich habe sie beobachtet – lange. Und sie kamen und gingen, und sie kamen und gingen – aber immer nur so viele wie ich Finger an der Hand habe.“
Um seine Beobachtung zu verdeutlichen hob er die rechte Hand und spreizte die Finger weit ab. Roklan unterdrückte ein Grinsen, das hatte der fähige und eifrige Aarwin nicht verdient.
„Es gibt einen kleinen Kamm, der zur Höhle führt, da kommen wir ungesehen sehr nah heran.“
Roklan sah zu den Bergen hin – solche Kämme hatten den entscheidenden Nachteil, dass sie sehr eng waren und gemeinhin nicht sehr leicht zu erklimmen. Dennoch war das die Möglichkeit, die sie nutzen mussten. So kamen sie nah und ungesehen heran, wie Aarwin es gesagt hatte.
Rasch hatten sie ihren Schlachtplan zurecht gelegt. Sie wollten durch einen schnellen und gezielten Angriff die Räuber in die Höhle treiben. Die Jäger würden mit ihren Kurzbögen von unten angreifen und so die Banditen ablenken, während sich Hlûthard und Roklan über den Kamm heranschleichen würden.
Und so machten sie sich auf den Weg. Hlûthard und Roklan umgingen im dichten Gebüsch vor den Bergen den direkten Weg und kämpften sich mühsam die Hänge hinauf.
„Geht es noch?“
Hlûthard reichte dem jüngeren Ritter die Hand. Roklan schnaufte und schimpfte mit sich, dass er doch so aus der Form sei. Wie konnte er bloß von dem älteren Hlûthard beim Klettern übertrumpft werden?! Dankbar packte er die Hand seines Lehrherrn und zog sich den Hang hinauf. Kurz nur holte er Luft, dann raffte er sich auf und kletterte mit Hlûthard weiter voran.
Nach und nach näherten sie sich der Höhle. Dort harrten die Räuber ihrer Zerschlagung. Roklan warf einen Blick hinunter. Nicht mehr denn 50 Schritt im Gestrüpp entfernt warteten die Jäger auf seinen Befehl. Der Baronet hielt sich jedoch noch mit seinen Zeichen zurück.
Tapfer robbten sich die beiden Ritter vorwärts. Nun trennten sie nur noch wenige Schritt vom Felsvorsprung vor der Höhle. Roklan sah erneut zu den Jägern und machte eine fragende Geste. Firunia nickte und Roklan wusste, vor dem Höhleneingang war zumindest ein Bandit.
Er wartete noch einige Augenblicke, dann gab er das verabredete Handzeichen. Sofort schossen die Jäger aus ihren Verstecken, und vom Felsvorsprung hörten Roklan und Hlûthard Geschrei und Gezeter. Fußgetrampel verschwand in der Höhle und Roklan sah, wie Firunia ein rotes Tuch schwenkte. Niemand war mehr draußen. Roklan und Hlûthard fetzten um die Ecke, mit gezogenen Schwertern, und während sich Hlûthard vor dem Höhleneingang aufbaute, nahm Roklan die Kräuter, die ihm die Jäger gesammelt hatten, und warf sie in das Feuer. Sofort entfachte sich beißender Rauch und der Baronet nahm seinen Mantel, um den Rauch in die Höhle zu wehen. Hlûthard trat beiseite, und quälend langsam kroch der Rauch durch das Felsmassiv. Es waren Kräuter, deren Rauch eine betäubende Wirkung hatte. Die Eikenhorster kannten sie, denn zu einem Trunk verarbeitet und mit Milch oder Wasser vermischt, halfen sie beim Einschlafen. Und nun quoll die betäubende Wirkung durch die Höhlen.
Von drinnen hörten sie ein Husten und Keuchen, dann sich schnell nähernde Schritte. Hlûthard machte sich bereit und Roklan sah, wie die Jäger mit Wurfhaken herbei rannten. Nicht lange, und sie würden auch hier oben sein. Da tauchte auch schon die erste Gestalt aus dem Rauch auf, Hlûthard zögerte nicht und schlug mit der breiten Seite seines Schwertes zu. Die Gestalt fiel zu Boden. Nun brachen weitere Personen durch den Rauch, sie hatten ihre Waffen gezogen, doch ihre Bewegungen wirkten schwerfällig und ungelenkt. Roklan und Hlûthard kämpften sie mit nur wenigen Schlägen nieder. Dann folgte niemand mehr.
Hlûthard schleifte die drei Räuber beiseite und fesselte sie gut. Dann hielten sich die beiden Ritter wassergetränkte Tücher vor den Mund und wagten sich in die durchräucherte Höhle. Dort lagen selig schlummernd nur noch eine weitere Person, eine Frau, und offenkundig war sie elfischer Abstammung. Das verrieten ihre spitzen Ohren.
Hlûthard und Roklan griffen der Frau unter die Arme und schleppten sie nach draußen, wo die Jäger schon die anderen Banditen schön säuberlich aufgereiht hatten. Auch die Elfe oder vielmehr Halbelfe wurde gefesselt und neben die anderen Räuber gelegt. Beinahe schon fand Roklan es sehr schade, dass diese Aktion ein so unspektakuläres Ende genommen hatte. Doch nun wurde dem Baronet klar, was er damals gespürt hatte. Es konnten nur die magischen Kräfte der Elfe gewesen sein.
Neugierig betrachtete er sich die Elfe. Sie war schön, ein scharf geschnittenes Gesicht und elegante Ohrenspitzen. Goldblondes Haar umrahmte ihr Gesicht und lang und schlank war ihre Nase. Wie nur konnte eine solch schöne Frau sich derart erniedrigen und auf Raubzüge gehen? Das würden sie herausfinden müssen – doch nun mussten sie sich erst einmal um die Banditen kümmern.