Veränderungen - Eine Hochzeit auf der Galebburg II

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Hinterkosch, 1030

Es war eine illustre Gesellschaft, die sich auf der Galebburg eingefunden hatte – eine Gesellschaft, die Riobhan, das Haus Leihenhof und die Baronie Galebquell an den Rand einer finanziellen Katastrophe bringen würde. Denn nahezu ein jeder Baron, eine jede Baronin war mit teilweise arg prunkvollem Gefolge angereist, welches verköstig und verpflegt werden wollte. Insbesondere Baronin Roana von Witzichenberg rollte mit Dienern und Waffenknechten, Pferden und Gefährten an, welche außerhalb Galebbogens ihr Lager aufschlagen mussten. Ihr standen unter anderem Baron Garmwart von Eisenhuett und Baron Lucrann von Rabenstein in nichts nach, bewiesen sie doch auch auf diesem Wege, welchen Rang sie in ihrer Grafschaft bekleideteten. Doch die Hochzeit seines Sohnes war es wert!
„Euer Hochgeboren, ist Euer Sohn soweit?“
Riobhan zuckte zusammen, als er die leise Stimme der Perainegeweihten neben sich hörte. Sie hatte einen furchtbar leisen Schritt, als Diebin hätte sie Karriere machen können. Dûrfrida Beringer, die Hohegeweihte der Peraine im Tempel zu Galebbogen würde gemeinsam mit dem eigens aus Schwertleihe angereisten Traviageweihten Isegrimm Hölderlin und der aus Metenar entsandten zwergischen Ingerimmgeweihten Walbura (nicht Walburga, wie sie viele rogolan-unkundige Menschen oft nannten) aus Frams Sippe, der Meisterin der Esse zu Rhôndur, die Zeremonie durchführen und Jileia und Roklan in den Bund der Ehe führen. Die drei Priester standen für die drei in Galebquell bedeutenden Elemente Fruchtbarkeit, Familientreue und Ewigkeit des Bundes.
Riobhan nickte. Stolz glomm in seinem Gesicht auf, als er an seinen Sohn dachte. Und an seine Schwiegertochter. Nur noch die Zeremonie musste vollzogen werden, die Eheverträge waren ausgehandelt, gesiegelt und unterzeichnet. Riobhan dachte an die Geste des Barons von Metenar, des Halbbruders der Braut, welcher mit gutem – praiosgefälligem – Golde und der Handwerkskraft von Handwerkern seiner Baronie ein Gut in Galebquell aufgebaut hatte. Die drei Höfe waren erweitert, mit einer Palisade umgeben und mit guten Gaben versorgt worden. Schlussendlich hatte Riobhan dieser Ansammlung von Einzelhöfen unweit von Eckernwalde den Namen Knapptreuen gegeben und es urkundlich und gesiegelt festgehalten. Dieser Vorschlag kam ebenfalls von Graphiel von Metenar, welcher so seiner untreuen Knappin gedachte, die als Buhle des erfolglosen Thronräubers Lechdan von Gareth vor wenigen Jahren ihren Teil dazu beigetragen hatte, dass jener Landstrich von Galebquell in Mord und Brand versank. Der Name dieses Hofes sollte nun die Treue aller Knappen zu ihren Knappeneltern beschwören.
Riobhan hatte sich daraufhin nicht lumpen lassen und die Errichtung eines Rondraschreines befohlen, auf dass die rondrianische Treue der Knappen in harten Stein gemeißelt werden würde. Diesen symbolträchtigen Ort hatte der Baron von Galebquell schließlich seiner künftigen Schwiegertochter mit dem Ehevertrag als Edlengut vermacht. Fürderhin sollte Jileia von Metenar, baldige von Leihenhof zum Galebquell auch die Edle von Knapptreuen sein. Diese Hochzeit würde ein einziges deutliches Symbol sein – denn wenn ein praiosgefälliger Ritter des Bannstrahlordens wie der Baron von Metenar einem Spross des Hauses Leihenhof vertraute, wie konnte man da an Roklan zweifeln?
„Ja, Euer Hochwürden.“, antwortete der Baron schließlich auf die Frage der Priesterin und in diesem Moment trat Roklan aus dem Türrahmen der Galebburg. Sonnenstrahlen fielen auf sein Haupt und ließen den goldenen Stirnreif hell leuchten, einer strahlenden Aureole gleich. Auch der Bräutigam sah sich um und als er all die Gäste sah, da schien ihm schon ein wenig bange zu werden. Riobhan legte seinem Sohn und Erstgeborenen die Hand auf die Schulter und drückte sie fest.
„Es ist dein Tag, du musst nicht nervös sein. Du bist ein stolzer Ritter und deine ist schön, klug und tugendhaft.“
Sein Lächeln war so herzlich wie es das eines Vaters zu seinem Sohn nur sein konnte. Nach einer kurzen Ansprache des Barons als Vater des Bräutigams versammelten sich die Adligen und das Gesinde zu dem Zug vor die Stadt Galebbogen. Angesichts des wunderschönen Wetters würde die Zeremonie draußen vor der Stadt vollzogen werden, auf dem Krönungsfeld mit dem Findling. Dort hatte man einen Altar aufgebaut und reich geschmückt – der Gastgeber hatte dazu die Leibeigenen verpflichtet. Stühle und Tische standen schon bereit, reisende Barden hatten sich eingefunden, zarte Balladen und fröhliche Tanzweisen zu spielen. Die Festgesellschaft zog mit den unterschiedlichsten Gefühlen nun durch das Tor der Stadt Galebbogen und schritt auf das Festgelände zu, angeführt von den Priestern der Peraine, des Ingerimm und der Travia. Während diese direkt zum Altar gingen, nahmen die Gäste auf den bereitgestellten Stühlen und Bänken Platz und Diener reichten Wasser und Wein. Roklan sah sich derweil um, doch nach Galebqueller Ritus war die Braut noch nicht anwesend. Sie würde erst mit Beginn der Zeremonie von einer Dame ihrer Wahl zum Altar geführt werden.
Und schon begann die Zeremonie mit einem mächtigen Schlag auf den Gong. Mit leidenschaftlicher Kraft schwang die Zwergin Walbura den Schlägel und kraftvoll ertönte der metallische Klang des Gongs. Die drei Priester standen vor dem Altar und der alte Traviageweihte Isegrimm eröffnete mit seligen Worten die Zeremonie des Traviabundes.
„Und so sind wir alle hier erschienen, den Bräutigam Roklan Odulf Boromar Aedan Neradan von Leihenhof und die Braut Jileia Elida Mechtessa Blauendorn von Metenar vor den Göttern Travia, Peraine und Ingerimm zusammen zu führen im heiligen Bund der Ehe.“
Noch einmal schlug die zwergische Geweihte den Gong und nun wandten sich alle Anwesenden in Richtung des kleinen Zeltes, unweit des Festplatzes. Dort hatte die ganze Zeit über die Braut gewartet und nun trat sie begleitet von ihrer Schwägerin Baronin Ina von Metenar hinaus. Selbst die sprichwörtliche Schönheit der Schwester des Bräutigams verblasste gegenüber der zauberhaften Freude Jileias von Metenar. Sie trug ein Gewand, elegant und weit geschnitten. Weiße Spitze, blauer Brokat und gelbe Seide vereinten sich zu einer wahrhaft göttlichen Komposition. Gekrönt wurde diese rauschende Pracht jedoch nicht durch den zarten Goldschmuck, sondern durch das zarte Gesicht der Baronesse, welches vor Glück strahlte und umrahmt wurde von ihrer goldenen Haarpracht, kunstvoll hochgesteckt und geflochten zu einem Kranz wie aus lauterem Gold. Die Menge hielt den Atem an, denn im Licht der Sonne erschien die Braut beinahe schon wie in aus Alveran herabgestiegener Alveraniar. Mit eleganten Schritten näherte sie sich dem Altar und schenkte ihrem Bräutigam ein glückliches Lächeln.
Als sie vor dem Altar stand, näherten sich zwei Diener. Einer der beiden reichte Jileia ein sauberes, weißes Zicklein. Die Baronesse nahm es, worauf es erbost keckerte, doch rasch friedlich wurde, als Jileia es sanft zu streicheln begann. Der andere Diener reichte dem Bräutigam einen Schmiedehammer und eine Stange Roheisen. Das Zicklein stand für die Mitgift der Braut, Roheisen und Hammer für die Strebsamkeit des Bräutigams. Roklan hob das schwere Metall in die Höhe und schlug mit dem Hammer dagegen. Die Perainegeweihte stimmte einen fröhlichen Choral an, in den der Traviageweihte mit seinem Bariton und die Ingerimmgeweihte mit ihrer schweren rauchigen Stimme einfiel. Im Takt des Hammers sangen sie nun und beteten für das junge Brautpaar um Wohlstand, Fruchtbarkeit und Treue. Dann verklang das Lied und Isegrimm trat vor das Brautpaar, wandte es einander zu.
„Möge Travia, die Göttin der Familie, diesen Bund segnen mit ewiger Treue und Zuneigung.“
Mit wenigen Schritten machte er Platz für die Perainegeweihte Dûrfrida, welche dem Brautpaar die Hände auf die Schultern legte.
„Möge Peraine, die Göttin der Fruchtbarkeit, diesen Bund segnen mit vielen lachenden und gesunden Kindern.“
Auch sie trat zur Seite und nun stapfte die zwergische Ingerimmgeweihte mit einer leichten rasselnden Kette heran. Sie schlang mit wenigen Handgriffen diese eiserne Kette um die Handgelenke des Brautpaares und verband sie somit nicht nur symbolisch.
„Möge Ingerimm, der Herr über Feuer und Stein, diesen Bund segnen, auf das er stark sei und nicht zerbreche, in guten wie in schlechten Zeiten!“ dröhnte ihre Stimme kraftvoll über das Feld. Roklan lächelte und hob nun die Hände. Er reichte Walburga Eisen und Hammer und nahm dann von Jileia das Zicklein entgegen, sodass sie von der Zwergin Eisen und Hammer gereicht bekommen konnte. Die Ehegaben waren nun ausgetauscht. Isegrimm wandte sich nun wieder an das Brautpaar.
„Gelobst du, Roklan von Leihenhof, der edlen Dame Jileia von Metenar ein treuer und strebsamer Ehegemahl zu sein, sie zu achten, zu ehren und ihr all das zu bieten, was einer treuen und ehrenhaften Ehegattin zukommt, bis Boron, der Unergründliche, beschließt, euren Bund zu trennen?“
Roklan hob das Zicklein an seine Brust und laut und fest klang nun seine Stimme:
„Dies schwöre ich bei Travia, Peraine und Ingerimm!“
„Und du, Jileia von Metenar, gelobst du Roklan von Leihenhof eine treue und hilfreiche Ehegattin zu sein, ihn zu achten und zu ehren, bis Boron, der Unergründliche, beschließt euren Bund zu trennen?“
Auch Jileia hob Eisen und Hammer, die Ketten rasselten. Ihre Stimme war klar und rein, doch ebenso kraftvoll:
„Dies schwöre ich bei Travia, Peraine und Ingerimm!“
Isegrimm hob nun die Hände über das Brautpaar.
„Travia, Göttin der Familie und der Treue, erhöre diese Worte dieses jungen Paares, welches vor DIR vereint werden möchte. Segne diesen Bund und halte ihn rein und kraftvoll.“
Glücklich lächelten sich die Brautleute an und dieses Glück übertrug sich auch spürbar auf die Gäste. Wie schön war es doch, wenn sich zwei Liebende im Bund der Ehe vereinen konnten? Hier war das Wirken Travias wirklich zu spüren, beinahe körperlich greifbar.
Riobhan strahlte über das ganze Gesicht und drückte die Hand seiner neben ihm sitzenden Ehefrau Aelfhea. Auch sie hatten vor vielen Jahren geheiratet und herrschten nun über Galebquell. Dereinst würde Jileia ihren Gemahl Roklan bei der Herrschaft unterstützen.
„Vor Travias gütigem Blicke seid ihr nun vereint im Bund der Ehe. Nun seid ihr Mann und Frau!“ jauchzte der Traviageweihte und die Ingerimmgeweihte schlug erneut mit dem Schlägel auf den Gong. Zart küssten sich Jileia und Roklan, dann nahmen Isegrimm und Dûrfrida ihnen die Ehegaben ab. Nun fielen sich die beiden Brautleute in die Arme, die Ketten rasselten laut und feierlich und die Gäste applaudierten. Jetzt waren Roklan und Jileia offiziell und nicht nur vertraglich vereint im Traviabunde und Jileia würde als Erbbaronesse von Galebquell Zuflucht nehmen auf der Galebburg.
Das Brautpaar hatte nun nur noch eine besonders wichtige Aufgabe zu erfüllen. Roklan griff die Hand seiner jungen Frau und drückte sie fest, lächelte ihr aufmunternd zu.
„Ihre Wohlgeboren, Erbbaronesse Jileia von Leihenhof zum Galebquell möchte noch einige Worte an alle hier Anwesenden richten“, verkündete er laut und präsentierte Jileia zum ersten Mal als seine Gattin und Baronesse vom Galebquell. Jileia strahlte und sprach dann mit klarer Stimme und vor Stolz geschwellter Brust in die Menge.
„Das Büfett ist eröffnet!“
Die Gäste erhoben sich und ließen sich von den Dienern nun Speisen und Getränke bringen, tanzten und scherzten, schlossen Bündnisse, handelten Verträge aus oder führten Streitereien fort. Ein jeder war beschäftigt und fand seinen oder seine Gesprächspartner. Auch Roklan und Jileia widmeten sich jedem Gast, wechselten viele freundliche Worte und nahmen etliche Glückwünsche entgegen. Baronin Roana von Witzichenberg überreichte dem Paar, wie es so mancher der geladenen Gäste tat, einige Hochzeitsgaben, darunter einen abgerichteten Falken für die herrschaftliche Beiz, eine Kiste mit Witzichenberger Sauerkirsch-Wein und ein paar nach alter Tradition gefertigter Blaufärbereien.
Ihr entging nicht der kurze Moment des Schmunzelns, als Roklan an ein früheres Erlebnis mit einem Falken dachte. Auch der schwarze Baron von Rabenstein betrachtete den Falken mit unverhohlener Neugier und nutzte diesen besonderen Moment der Verbundenheit, auf seinen Schwager und seine Schwägerin zuzugehen. Er war einer der ersten, der ihnen gratulierte. Auf einen Wink hin stoben zwei Knechte mit dem schwarz-silbernen Raben als Emblem davon, nur um kurz darauff mit zwei Pferden an Führstricken zu erscheinen. Roklan und Jileia staunten nicht schlecht, als seine Hochgeboren, Lucrann von Rabenstein, dem Brautpaar zwei ausgebildete Elenviner Vollblüter aus seiner eigenen Zucht schenkte. Beide waren feurige Dunkelbraune mit roten Glanzlichtern im Deckhaar, nur trug Temechd einen weißen Stern, während Omur schwarze Beine aufwies. Der rabensteiner Baron ließ den Führstrick von Omur in Jileias und jenen von Temechd in Roklans Hand drücken, gratulierte noch einmal dem Paar. Dann sah er Roklan in die Augen, taxierte ihn, als wollte er bis in seine Gedanken blicken.
„Schwager, Euch wünsche ich so bald wie möglich in Calmir zu sehen“, sprach er und es klang beinahe wie ein Befehl.