Veränderungen - Eine Hochzeit auf der Galebburg I

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Hinterkosch, 1030

Stolz hatte Riobhan nach den letzten Verhandlungen mit Baron Graphiel von Metenar die Barone und Edlen der Nordmarken zu den Hochzeitsfeierlichkeiten eingeladen. Es galt nun den Traviabund zwischen Roklan Boromar von Leihenhof und Jileia Blauendorn von Metenar vorzubereiten und zu feiern.

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Praios zu Ehr und Travia sei's gedankt!

Das Häuser Leihenhof von Galebquell und Blauendorn von Metenar laden ein zur Feier des Traviabundes zwischen Erbbaronet Roklan Boromar von Leihenhof zum Galebquell und Baronesse Jileia Blauendorn von Metenar.
Am 12ten Tage des Traviamondes im Jahre 1030 nach dem Fall des Hunderttürmigen Bosparan finden die freudigen Feierlichkeiten in den Hallen der Galebburg, Baronie Galebquell statt.
Ihr seid herzlich geladen, diesem Traviabunde zwischen dem koscher Hause Blauendorn von Metenar und dem nordmärker Hause Leihenhof vom Galebquell beizuwohnen und uns – dem glücklichen Brautpaar – die Ehre Eures Besuches zu gewähren.

Gezeichnet

Roklan von Leihenhof und Jileia von Metenar

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Langsam versammelten sich die Gäste auf der Galebburg. Riobhan half seinem Sohn noch in dessen Hochzeitsgewand. Er würde prächtig aussehen. Der Baron reichte dem Erbbaronet das karminrote Übergewand mit den goldenen Stickereien an den Säumen und half ihm hinein.
„Du wirst deinem Vater große Ehre machen, mein Sohn“, meinte Riobhan und hörte nur eine gemurmelte Antwort unter den Falten des Übergewandes. Mit einem Ruck kam Roklans Kopf aus dem Ausschnitt hervor, sein Haar war zerzaust und strubbelig. Doch es war das Haar seiner Mutter und somit leicht zu pflegen und zu kämmen.
Riobhan begab sich dann bald hinunter und sah dann schon die Menge der festlich gewandeten Gäste im Hof der Galebburg stehen. Es war ein schöner Tag, als hätte Efferd persönlich vom schlechten Wetter abgesehen. Der Himmel war strahlend blau, nur wenige weiße Wölkchen schwebten wie vereinzelte Schafe darüber und Praios' Auge strahlte in seinem gleißenden Licht gen Deren.
Daher hatte man die Zeremonie auch unter den freien Himmel verlegt und so auch den Burghof der Galebburg geschmückt. Allüberall hingen Blumengirlanden, man fand Lampions und die Banner der Häuser Leihenhof und Metenar. Die Gäste konnten sich an kühlem mit Wasser vermischtem Wein erfreuen, aber auch an geminztem Wasser und kaltem Tee. Hier und da fanden sich Grüppchen zusammen, die schnatternd die neuesten Geschichten austauschten. Manch ein Edler sprach mit manch einem Baron, mittendrin stand ein Geweihter oder ein Ritter und niemand schien sich zu langweilen.
Riobhan sah den Konnetabel Hlûthard von Lovast im Gespräch mit einem hochgewachsenen Ritter, der dem Baron gerade den Rücken zuwandte. Doch an dem graumelierten Flechtzopf erkannte er den Verwalter des kleinen Eckernwaldes, Ritter Falgrimm von Galebfurten. In einer anderen Ecke stand sein Seneschall Ynbaht von Lichtenberg im Gespräch mit einer Hesindegeweihten, in der er Baronin Biora Tagan von Rickenhausen erkannte, und der Magierbaronin Verya von Trappenfurten mitsamt ihrem ältesten Sohn und Erben Baronet Koradin.
In einem anderen Eck schimmerte es Dunkel, dort standen der Baron Lucrann von Rabenstein mit seiner Gattin Shanija von Rabenstein, ebenfalls einer Magierin. Shanija von Rabenstein und Jileia von Metenar, baldige von Leihenhof, waren Schwestern und so würde Roklan bald mit dem rabensteiner Baron verschwägert sein. Riobhan grinste. Ob das so angenehm war?
Riobhan bemerkte, wie seine älteste Tochter Ansoalda von Leihenhof sich der Gruppe um die beiden Geweihten und die Magierin annahm. Die junge Frau war sehr schön, von schlanker Gestalt mit rahjagefälligen Rundungen. Ihr dunkles, glänzendes Haar war von seidiger Schönheit und ihre Augen von faszinierendem Blau. Doch mehr noch als ihre körperliche Schönheit mochte ihre Stimme verzaubern. Voll und weich wie Honig, der in einen Krug gegossen wird, so klang es, wenn die Baronesse huldvoll sprach und ihren Worten gerade die Betonung verlieh, dass eine zarte Melodie daraus wurde. Huldvoll widmete sie sich Koradin von Trappenfurten, welcher den gelehrten Gesprächen sicherlich Achtung schenkte, aber ihnen nicht mit der geforderten Aufmerksamkeit folgen konnte. Daher schien der junge Erbe froh, dass sich jemand anderes - insbesondere eine so reizende junge Dame – seiner annahm und ihn mit Geschichten über das Brautpaar erfreute.
Kurze Zeit später fand sie sich auch bei Seiner Hochgeboren Hagen von Sturmfels, dem koscher Baron von Dunkelforst, und seiner werten Mutter Frylinde von Salmingen, der Baronin von Dohlenfelde ein. Auch diesem jungen Mann schenkte sie auf ihre eigene charmante Weise ungeteilte Aufmerksamkeit und brachte ihn manches Mal zum Lachen und Schmunzeln.
Unweit davon standen Ulfried von Streitzig zu Orgils Heim, selbst Bruder der Baronin Aelfhea von Galebquell, Baron Irian von Tandosch, Baronin Ulinai von Vairningen und Baronin Roana von Witzichenberg nebst ihrem Gemahl Moran Eberwulf von Witzichenberg im Gespräch mit Baronin Gundela von Liepenstein und ihrem Gemahl Rondmar von Quakenbrück, während Baron Traviadan von Schwertleihe, seine Gemahlin Iseweine von Schwertleihe-Weiseprein mit dem einflussreichen Baron Garmwart von Eisenhuett über die kriegerische Politik des Herzogtums Nordmarken parlierten. Anbei stand auch, aber unerwartet schweigsam der Edle Darian von Lîfstein zu Schrazelroth, Lehnsmann des Eisenhuetters. Doch anders als der neben ihm stehende Ritter gehobenen Alters – welcher sich als sein Onkel Hagen von Lîfstein entpuppte – wirkte der Edle selbst melancholisch, ja gar traurig. Man konnte nur mutmaßen, doch wer den Edlen kennengelernt hatte, wusste auch, dass seine innig geliebte Gattin früh verstorben war in den Kriegswirren Darpatiens.
Auch die Lehensvögtin von Wolfsstein war erschienen, an ihres Bruders statt. Elarion von Wolfsstein stand mit ihrem Neffen Lucan von Wolfsstein und ihrem Vetter Rakon von Wolfsstein-Schleiffenröchte ebenfalls in der Gruppe und warf dann und wann einige kluge Kommentare und Anregungen ein.
Als dann die Knappinnen der Baronin von Witzichenberg nach Erledigung aller Aufgaben zu den Gästen stießen, war die Freude groß. Denn Odelia von Wolfsstein sprang sogleich ihrer Tante Elarion in die Arme, lachte, scherzte und erzählte abenteuerlicher Geschichten, während Fiana von Tandosch sich stolz vor ihrem Vater aufrichtete und ihm berichtete, wie weit sie schon mit ihrer ritterlichen Ausbildung vorangeschritten war. Als Riobhan dies bemerkte, wünschte er sich noch mehr einen eigenen Knappen oder eine eigenen Knappin. Und als habe er die Kraft, sich Wünsche erfüllen zu können, trat in diesem Moment Baronin Roana von Witzichenberg auf ihren Anverwandten zu (denn ihre Base Luidala von Tannwirk war mit Riobhans Bruder Aleydhis von Leihenhof vermählt), im Schlepptau einen jungen Burschen von gerade einmal einem Dutzend Götterläufen. Dieser Bursche sei Travin ya Cordaya von Tannwirk, Sohn des Edlen Vitus ya Cordaya von Tannwirk zu Falkenhorst und Roana würde sich sehr freuen, wenn er seine Ausbildung als Knappe am Hofe Galebquells aufnehmen könnte. Schon Wochen vorher hatten die Baron von Witzichenberg und der Baron von Galebquell wohl einander geschrieben, doch ob es dabei wirklich die Knappschaft des jungen Knaben betraf, vermochte man nicht zu sagen.
Riobhan nun beugte sich herunter auf sein Knie und sah dem Knaben tief in die Augen. Ob er dies denn bei Rondra wolle, so fragte der Baron den Edlensohn. Dieser nickte und schlug sich wie eingeübt mit der Waffenhand auf die Stelle über dem Herzen.
„Dann sei Willkommen im Hause Leihenhof von Galebquell und auf der Herrschaftlich Galebburg. Du wirst die Tugenden eines nordmärkischen Ritters lernen. Sei fleißig, mache deinen Eltern und Großeltern und all deinen Ahnen und deinem ganzen Hause Ehre! Ich nehme dich als meinen Knappen auf!“
Roana von Witzichenberg lächelte, denn sie sie wusste, am Hofe Galebquells wurden die Ritter auch von dem Seneschall und dem Konnetabel unterrichtet. Und auch wenn der Seneschall ein seltsamer Mann war, so war doch sein Ruf der eines gebildeten und klugen Mannes. Und der Konnetabel galt seit dem Tag als Meister des Schwertes, als es ihm gelang, den Drachen Delkessir zu verwunden.
In einer anderen Ecke kümmerte sich gerade seine Gattin Aelfhea von Leihenhof um die koscher Gäste, als da waren Baron Wolfhardt von der Wiesen mit seiner Gattin Rena von Arbasien, Baron Kordan von Blaublüten-Sighelms Halm und Vasalia Blauendorn – die Großmutter der Braut. Und überall mischten sich seine Verwandten unter die Gäste, unterhielten sie, sprachen mit ihnen, erzählten Geschichten über Stadt und Burg und Land, kurz: mühten sich travia- und rahjagefällige Gastgeber zu sein.