Veränderungen - Ein schändlicher Überfall III

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Hinterkosch, 1030

Langsam wurde der Weg durch den Wald nun steiler, es ging bergan und die Adligen wussten, sie hatten den Hügel erreicht, an dem sich die Höhle der Banditen befand. Gespannte Aufregung sprang von einem Ritter zum nächsten, Roklan wurde langsam nervös. Was, wenn sie scheiterten? Was, wenn sie die Geschenke des Fürsten vom Kosch nicht wieder erlangen konnten? Es würde eine Blamage nicht nur für die Familie Leihenhof sein, sondern insbesondere für ihn, da er nun die Leitung der Rettungsaktion innehatte.
Lucrann wies seinen jungen angeheirateten Verwandten unvermittelt auf Gebüsch hin. Sie verbargen sich dahinter und auch die anderen Edlen suchten Schutz im Unterholz, um die Lage auszuspähen. Sie sahen die Höhle, nicht weit oben am Hang. Sie führte in den Hügel hinein, doch wie weit, das konnte man nicht sagen.
Einige schattenhafte Gestalten bewegten auf dem Vorsprung, einige Pferde waren zu sehen. Sie waren gesattelt und einige der Banditen waren damit beschäftigt, sie zu beladen. Roklan zog seinen Bogen und spannte mit bewusster Konzentration die Sehne auf das Holz. Neben ihm spannte der Rabensteiner Baron langsam seine Armbrust und auch die anderen Recken bereiteten sich auf den Kampf vor.
Die Sonne war mittlerweile irgendwo über den Horizont gestiegen und hüllte den Wald und den Hügel in ein diffuses, unwirkliches Licht. Hier und da quollen einzelne Nebelfetzen zwischen den Stämmen hindurch, phexischen Auren gleich. Nicht weit von hier schrie ein Falke, sein Ruf schallte durch den Wald und verklang zwischen den Stämmen.
Roklan beobachtete die Räuber. Der Rabensteiner legte versuchsweise die Armbrust an, nahm sie dann wieder runter. Roklan sah sich nach den Adligen rechter- und linkerhand um. Nicht weit von ihm verbargen sich auf der rechten Seite Baron Garmwart von Eisenhuett und der Edle Darian von Lîfstein. Der junge Edle schien auf einen Kampf zu brennen, nervös zuckte er mit den Schultern, sein Schwert fest in der Hand. Er schien Rache, Vergeltung für die Schändung des Schreins zu wollen.
Linkerhand warteten Baronin Roana von Witzichenberg und Baron Irian von Tandosch, bewaffnet mit scharfen Klingen und bereit sie für die Ehre der jungen Braut und der Göttin des Krieges einzusetzen. Roklan wusste dann auch den koscher Baron Hagen von Sturmfels in der Nähe, auch er erfüllt von grimmen Zorn auf widerliche Rechtlose, die ein unschuldiges wehrloses Dorf überfallen und einen Schrein seiner stolzen Kriegsgöttin geschändet hatten. Da, da blitzte sein heller Waffenrock auf.
Roklan wandte sich nun wieder dem Hügel zu. Er sah hinauf – und spürte plötzlich die Hand des Rabensteiners auf seiner Schulter. Fest drückte die Hand des alten Barons, war sie ihm eine Stütze? Oder doch eher als stummer Befehl zu sehen, nun endlich einmal etwas zu tun, den Befehl zum Angriff zu geben?
Roklan atmete tief durch, dann gab er den Edlen, die ihn sehen konnten den tatsächlich stummen Befehl, ihre Fernwaffen zu heben. Armbrüste und Bögen zielten auf die Höhle und auch der Baronet legte einen Pfeil an und spannte seinen Bogen. Dann schoss er! Und auch die anderen lösten ihre Geschosse von den Sehnen und ein Pfeilhagel ging nieder auf die Banditen. Niemand wurde getroffen, niemand sollte getroffen werden, und so zog jeder der Edlen sein Schwert und stürmte voran, so schnell die Beine trugen. Die Räuber sollten keine Gelegenheit haben, selbst mit Bögen zu schießen.
Roklan stürzte voran, wurde von Darian von Lîfstein überholt, der wutentbrannt den Hang hinauf hetzte. Der Rabensteiner fiel zurück, doch Hagen von Sturmfels und Garmwart von Quakenbrück hielten mit Roklan.
Die Räuber versuchten sich in die Höhle zurück zu ziehen, doch da war schon der Edle von Schrazelroth heran und drosch mit seinem Schwert auf einen der Rechtlosen ein. Hagen von Sturmfels sprang vor und hielt einen weiteren in Schach, Stahl klirrte auf Stahl, die Klingen kreuzten sich. Roklan versuchte den Überblick zu behalten – die Beute musste in der Höhle sein, auf den Pferden noch nicht. Darian schwang sein Schwert in weitem Bogen, kraftvoll und blitzschnell – die Klinge fuhr dem Banditen direkt in den Brustkorb und eine Fontäne aus Blut ergoss sich auf den Erdboden.
„Zurück!!“ schrie eine Stimme, weiblich. Die Banditen stürmten in die Höhle, Hagen gelang es, einen zu verwunden, seine Klinge rot vor Blut. Sie sammelten sich vor dem Höhleneingang, Lucrann von Rabenstein und Roana von Witzichenberg sowie zwei Büttel nahmen sich der Pferde in dem abgegrenzten Pferch an. Irian von Tandosch, Garmwart von Quakenbrück, Hagen von Dunkelforst, Darian von Lîfstein und die restlichen Waffenknechte sammelten sich um Roklan und vorsichtig rückten sie nun, wie abgesprochen, in die Höhlen vor.
In einer natürlichen Halle mühten sich zwei Räuber damit ab, die Statue der Rondra zu heben, doch als sie die Ritter sahen, ließen sie ab und rannten wie von Dämonen gejagt in einen Seitengang. Irian von Tandosch und ein Büttel blieben bei der Statue, der Rest rannte in den Gang. Roklan hatte Mühe, den Haufen zusammen zu halten, sinnvoll in diesen Gängen zu koordinieren. Der ganze Hang war durchsäht mit schmalen Stollen, sie bildeten ein Netzwerk und in der Dunkelheit waren die Spuren der Räuber nicht zu erkennen. Schon nach kurzer Zeit mussten sie sich geschlagen geben und Roklan gab den Befehl zur Rückkehr. Doch immerhin hatten sie die Beute der Räuber gesichert – darunter die Geschenke des Fürsten vom Kosch.
„Schafft die Sachen auf die Pferde!“ befahl der Erbbaronet den Waffenknechten. „Auf die der Räuber, wir nehmen alles als Entschädigung mit!“
Die Gesellschaft war erschöpft und auch wenn sie nicht den Triumph genießen konnte, Gefangene gemacht zu haben, so kehrten sie doch halbwegs zufrieden zurück. Immerhin hatten sie die Beute sichergestellt. Mit zwölf Pferden, einigen Säcken voll verschiedener Gegenstände – Waffen, Gold, Geschmeide, Töpfen, Handwerkszeug, Stoffen und dergleichen mehr – sowie den fürstlichen Geschenken ritten sie zurück zur Galebburg.
Dort wurden sie von dem freiherrschaftlichen Paar sowie der Erbbaronesse und allen, die zurückgeblieben waren wie wahre Helden empfangen. Riobhan zögerte nicht lang und ließ sogleich erste Erfrischungen in Form von Bier, Wein und Wasser bringen und befahl auch für etwas Vernünftiges zu Essen zu sorgen.
Und bei diesem Festmahl erhoben sich Riobhan und Jileia, Hand in Hand, in den jeweils freien einen Weinkelch. Jileia lächelte in die Runde – und bei diesem Lächeln wusste Riobhan, sie würde dereinst eine diplomatische Baronin werden – und bat um das Wort.
„Ich freue mich, jeden einzelnen von Euch wieder hier zu sehen. Ich kann Euch gar nicht genug danken, hohe Herren, für die Tat, welche Ihr geleistet habt. Selbstlos habt Ihr Euch für uns und für das kleine Knapptreuen in die Bresche geworden. Und daher haben wir – Roklan und ich – beschlossen, eine kleine Gedenktafel aus blanker Bronze am Rondraschrein zu Knapptreuen anzubringen, die Eure Namen tragen wird. Denn nur Euch ist es zu verdanken, dass die Statue der Göttin Rondra, welche das Fürstenhaus Eberstamm uns zur Hochzeit schenkte, heil wieder zurück gebracht wurde. Es ist nur eine kleine Geste, doch steckt dahinter großer Dank, den wir kaum in Worte fassen können. Ein Hoch auf die tapferen Helden von Knapptreuen!“ rief die Baronesse und hob ihren Weinkelch.
Alle taten es ihr gleich und ein einziger Ruf schall durch die Burg: „Hoch! Hoch! Hoch!“
Doch es blieb die Frage offen, wer hinter diesem Überfall steckte. Waren es wirklich Anhänger Lechdans, des Verfemten? Oder waren es Räuber, die sich hinter seinem Namen versteckten?
Baron Riobhan ordnete erhöhte Wachsamkeit gerade im Gebiet von Knapptreuen an und beschloss, mit seinen Nachbarn, den Baronen von Schwertleihe, Orgils Heim und Trappenfurten über weitere Möglichkeiten, der Räuber und Lechdanisten habhaft zu werden, zu konferieren. Doch nun sollte man die Feierlichkeiten genießen und Riobhan langte kräftig zu.