Veränderungen - Der Rosenritt II

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Hinterkosch, 1029

Vier Tage später sammelte sich im Hof der Galebburg ein stolzer Zug, der den Erbbaronet von Galebquell gen Fürstentum Kosch begleiten würde. Auf einem Kastenwagen befanden sich nicht nur die Habseligkeiten des jungen Roklan von Galebquell, sondern auch Gastgeschenke für den Fürsten, für die Erbprinzessin und natürlich auch für Jileia von Metenar. Gerade brachte noch ein Diener mit kräftigen Schlägen eines Hammers das Wappen der Baronie Galebquell an die Seiten des Kastenwagens an, während ein anderer Knecht dabei war die Pferde anzuschirren.
Roklan stand neben seinem Vater und betrachtete das Geschehen im Hof. In Galebbogen wartete ein weiterer Wagen, eine Reisekutsche, welche Baron Riobhan von Galebquell eigens für diesen Zug erworben hatte. Denn Roklan würde nicht allein reisen. Ihn würden seine Schwester Perainhild von Leihenhof, ein liebreizendes aber auch schüchternes Mädchen von beinahe 14 Lenzen Alter, seine Tante Yvetta von Leihenhof, Priesterin der Peraine und rechte Hand der anderen Perainegeweihten in seinem Zuge, Dûrfrida Beringer, Hofpraetorin auf der Galebburg, begleiten. Die drei Damen würden in der Kutsche reisen und auch der zwergische Zinsherr der galebqueller Ortschaft Hügelbinge hatte sich nicht dazu hinreißen lassen, auf einem Pferd zu reiten. Der mehr als 200 Jahre alte Erzzwerg Thurgol groscho Thanderasch hatte sich bereit erklärt, den jungen Baronet zu begleiten, um – wie er sagte und wie von Riobhan erbeten – ihm die Traditionen seines Volkes, welches für Galebquell von großer Bedeutung war, nahezu bringen. So würden diese edlen Damen und Herren Roklan in den Kosch begleiten.
Auch die Roklan begleitenden Ritter waren schon bereit und sattelten just ihre Pferde. Hlûthard von Kiefernfeld hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen jugendlichen Schüler zu begleiten und ihn auf die Aufgabe eines Brautwerbers vorzubereiten. Auch wenn er es schweren Herzens tat – doch er wusste, persönliche Gefühle spielten hierbei keine Rolle. Und es war besser, wenn Roklan schnell eine Frau fand, die ihm gefiel. Der Edle von Lovast versuchte sich seine gemischten Gefühle nicht anmerken zu lassen und wies gerade Ritterin Jolenta Travialin von Galebfurten an, den Warunker seiner Wohlgeboren zu satteln. Jolenta von Galebfurten war die Enkelin des verstorbenen vormaligen Lehensvogtes Ugdalf von Galebfurten. Das Rittergeschlecht war Herr über fruchtbare Ländereien zwischen Galebbogen und Hainen, doch erreichte es nie eine besondere Bedeutung. Jolenta war groß gewachsen und erstaunlich breitschultrig für eine Frau, aber ihre Knappschaft am Hofe Baron Relfons hatte sie einer dem Haus Leihenhof unbedingt loyalen Kriegerin geformt. Sie war nun die Herrin über das Gut Galebfurten, welches das Geschlecht seit einigen Generationen innehatte und vertrat ihr kleines Haus würdig.
Hlûthard musterte die energische Frau – und wandte sich den Bewaffneten zu, die der Baron zum Reisezug befohlen hatte. Sie würden für die Sicherheit des Erbbaronets und, so Travia wollte, auch für die der holden Braut sorgen.
Noch vor der Mittagszeit war der Zug bereit und Roklan bestieg seine treue Stute. Riobhan trat an das Pferd heran und klopfte seinem Sohn auf den Schenkel.
„Mein Sohn, du wirst das Haus Leihenhof würdig vertreten. Du bist mein Stolz und ich bin froh, dass du dereinst – wenn Boron es gefällt, mich zu sich zu rufen – den Basaltthron Galebquells besteigst. Führe deine Braut heim und vergiss nie: das Haus Leihenhof ist alt, stolz und würdig.“
Roklan sah verwundert auf seinen Vater hinunter. So gefühlvoll hatte er ihn noch nie erlebt. Glänzten seine Augen etwa feucht? Rasch beugte sich Riobhan herunter und grub seine Hand tief in die Geldkatze, welche er am Gürtel trug. Er holte einen funkelnden Gegenstand hervor und reichte ihn mit graziler Bewegung seinem Sohn hoch. Roklan nahm ihn entgegen und erblickte einen goldenen Ring, breit und mit einer runden Fläche. Eingraviert war das Hauswappen der Leihenhofer – der laufende Widder und die drei Pfeile. Er stutzte, sah seinem Vater in die Augen – welcher einfach nur nickte – und nahm den Ring dann entgegen. Er war zu schmal für seine Finger.
„Diesen Ring, mein Sohn, übergibst du deiner Braut, wenn du von seiner Durchlaucht die Erlaubnis zum Traviabunde erhalten hast. Er gehörte vordem deiner Mutter und war seit jeher das Zeichen für die künftige Baronin von Galebquell, zum Hause Leihenhof zu gehören. Nun soll dieser Ring der Dame Jileia gehören.“
Roklan schob den Ring vorsichtig, als könne er zerbrechen, in seine Geldkatze.
„Nun brich’ auf, Roklan, und mache dem Hause Leihenhof Ehre!“
Roklan sah sich um, betrachtete noch einmal seinen Zug.
„Ho! Wir brechen auf! Möge Travia uns auf dieser Reise stets ein gutes Heim bieten!“
Er trieb sein Pferd an und langsam verließ der Zug die Galebburg gen Galebbogen.