Schrecken durch Schnecken

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Ausgabe Nummer 49 - Efferd 1032 BF


Bäuerin verhindert weitere Hungersnot

KRÖTTGRAS / KOSCHGAU. Wenige Jahre nach der Schneckenplage in Gerrun fielen unzählige Schnecken über die Felder der Pfalzgrafschaft in den Koschbergen her und drohten auch die karge Ernte der diesjährigen Neusaat zu vernichten. Schon der Winter hatte kaum Saatgut übrig gelassen, so dass die verzweifelten Bauern bereits ein weiteres Jahr voll Tod und Leid befürchteten. Der Idee einer Bäuerin ist es zu verdanken, dass die Dörfer im Umkreis keine erneute Hungersnot fürchten müssen: Sie rückte den Schnecken mit Bier zu Leibe. Der Einsatz wurde von Graf Wilbur mit der Vergabe eines Lehens belohnt und die Bäuerin ist fortan als Edle Tsaja von Schneckenbier bekannt.
Als wäre der harte Winter in den Koschbergen nicht schon schlimm genug gewesen, bedrohte gleich Anfang Peraine eine neue Gefahr das Land. Kaum streckten die jungen Pflanzen ihre Köpfe aus den Äckern hervor, zogen Schädlinge ihre Kreise. Kühle, nasse Witterung hatte die Vermehrung von Schnecken begünstigt, die nun in ganzen Heerscharen über die Felder herfielen. Traditionelle Schneckenzäune konnten die Plage nicht eindämmen, als die Bäuerin Tsaja die Idee hatte, den Schnecken mit Bier zu Leibe zu rücken. Es heißt, der Zufall hatte sie auf diesen überraschend wirksamen Einfall gebracht. Das Vorgehen besteht darin, dass herkömmliche tönerne Trinkgefäße etwa zur Hälfte mit dem Getränk gefüllt und anschließend in die Erde gesetzt werden. Die übrigen Bauern prangerten diesen Einfall zunächst als verstandlose Verschwendung an und waren drauf und dran, die beherzte Bäuerin aus ihrem Dorf zu jagen. Doch die Frau blieb standhaft, und bald bemerkten die Zweifler ihren Irrtum. Der Geruch lockt tatsächlich die Schnecken in Scharen an, sie kriechen in das Gefäß, aus dem sie nicht mehr fliehen können, und ertrinken. Die Gefäße müssen dann nur noch regelmäßig entleert werden.
Die größte Überraschung war jedoch die Reaktion des Grafen Wilbur, als er von dieser Tat vernahm. Mit verträumtem Blick aus dem Fenster sehend, ernannte er die Bäuerin Tsaja kurzerhand zur Edlen von Schneckenbier und unterstellte ihr die Bewohner ihres Heimatdorfes Kröttgras. Manch Altadeliger soll am Hof des Grafen ob dieser Entscheidung die Nase gerümpft und energisch gehüstelt haben. Truchsess Voltan von Falkenhag tat diese Verkündung zunächst seines Herren als Scherz oder üble Laune ab. Als er jedoch bemerkte, dass es dem jugendlichen Grafen ernst sei, versuchte er ihn vehement umzustimmen... eine Bäuerin als Edle - das sei undenkbar! Doch Hochgeboren Wilbur blieb beharrlich bei seiner getroffenen Entscheidung.
Ebenso überrascht wie am Grafenhof zeigte man sich in Kröttgras selbst, allen voran die Geehrte. Dem anfänglichen Unglauben wich jedoch bald großer Jubel. Die ehemalige Bäuerin selbst zeigte sich bescheiden: „Ich danke dem Grafen für diese Ehre, aber dennoch danke ich vor allem der gütigen Peraine für eine erfolgreiche Saat, der jungen Tsa für das immer Neue und natürlich Hesinde, die mir die Eingebung geschickt hat."
Nachdem bekannt wurde, dass diese Methode Erfolg zeigt, wurden außerdem von Graf Wilbur kostenlose Bierrationen an die Bauern verteilt - allerdings mit der Auflage, diese auch dem gedachten Zwecke zuzuführen.

Travine Karrenfuhr

Wenn Schnecken deinen Garten plagen,
Und den Salat gar schlimm benagen,
Versenk ’nen Bierkrug in der Erden,
Das soll der Schnecken Ende werden!
Denn wenn sie zu dem Trunke kriechen
Und an dem Gerstensafte riechen,
Dann fallen sie,
so muss es sein,
Ins Kröttgrasdunkelbier hinein.
So wirkt es gegen Ungetier,
Das echte Kröttgras-Dunkelbier.