Runde 1 - Hungersteg: Teil 2

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Texte der Hauptreihe:
K6. Runde 1 - Teil 2
Bor 1031 BF
Runde 1 - Teil 2
Runde 1

Kapitel 6

Runde 1 - Teil 3
Autor: Corvinius
Hinterkosch, 1031

Ein Schild wurde abgehängt, ein anderer höher gesetzt. Das Feld wurde zudem, kaum hatten die ersten Kontrahenten dieses verlassen, bereits rasch für den nächsten Kampf hergerichtet.
"Ugdalf von Löwenhaupt-Hauberach und Koradin von Tsafelde-Sturmfels, seid Ihr bereit?" verlangte Wieland von den beiden Recken, denen es nun anstand sich zu messen, zu erfahren. Der junge Baronet sollte wohl ein leichter Gegner sein für den Pfalzgrafen, befanden nicht wenige.

Stolz sah Riko zum auf den Herold herunter. Ein wenig ärgerlich war er schon. Dieser Herold, für wen hielt der sich eigentlich? Die Debatte vor dem Turnier über seinen Stammbaum mochte ja noch angehen, heutzutage konnte man nicht vorsichtig genug sein. Erst vor drei Jahren hatte sich irgendein Taugenichts in Gareth als "Baron von Beonspfort" ausgegeben.
Aber hier in aller Öffentlichkeit seinen Missmut zu präsentieren? Ist der Stammbaum seines Vaters doch seit Jahrhunderten ohne Makel und die Familie seiner Mutter, die Maugiriden, stehen bei den Novadis in höchsten Ehren, das muss überprüft, aber gewisslich nicht mit der kleinsten Regung kommentiert werden.
Der Baron entschied sich den Herold zu ignorieren und sich stattdessen auf den Kampf zu konzentrieren. Sein Gegner war unerfahren, leichter und ritt einen wesentlich kleineren Ferdoker. Dieser Kampf würde genau das richtige zum warm werden sein.

Sein erster Lanzengang bei einem Turnier! Junker Reto grüßte mit der Lanze die Herrschaften auf der Tribüne, dann sein Gegenüber, nachdem ihn sein Waffenknecht auf die Bahn geleitet hatte. Der erste Durchgang versprach ein besonderer zu werden.
Sturmtrotz, der mächtige Beonspforter Riese, schnaubte und seine Hufe gruben tiefe Furchen in den Boden. Leicht zuckten Rikos Knie, kaum dass das Zeichen zum Anreiten kam. Und die gigantische Kraft des Schlachtrosses verwandelte sich in Geschwindigkeit.
Jetzt galt es! Einen winzigen Moment nach dem Beonspforter setzte der Junker sich in Bewegung.
Wagemutig gestaltet sich sodann auch der Ritt der beiden Kontrahenten. Weder der Junker von Bodrin noch Riko Sterz zeigten zu irgendeinem Augenblick des Durchgangs Furcht vor ihrem Gegner.
Vor allem der Herr von Beonspfort zeigt seine Ehrenhaftigkeit, in der er es versäumte im rechten Augenblick seinen Schild ordentlich dem Gegner entgegen zu halten.
"Eleganz, erst im letzten Augenblick den Schild hoch, die Lanze genau auf das Ziel."
Doch aus diesen schönen Gedanken wurde nichts. Ein kleiner Bruchteil einer Sekunde Unaufmerksamkeit, der verspätete Versuch den Schild zu heben, die dabei leicht verrissene Lanze ...
Schwer traf ihn als Strafe die Lanze Reto-Hlûthars und hob ihn aus dem Sattel. Bei Rondra, was für ein Stoß! Riko blieb einen Moment liegen und überprüfte seine Körperteile auf Vollständigkeit. Dann schüttelte er sich.
Er erhob sich so elegant, wie es in einer kompletten Rüstung und nach solch einem Zusammenstoß nur möglich war. Wie er diese Rüstung liebte, dieser Sturz und die sicherlich nicht ungefährliche Lanzenspitze hatte nur einen kleinen Kratzer hinterlassen. Kein Wunder, dass der Angbarer Rüstungsschmied sie am liebsten in Gold aufgewogen haben wollte. Rikos Knochen taten weh und so manche blaue Stelle würde sich bis heute Abend bilden, ansonsten war nichts passiert.
Er griff zum Schwert um zu bedeuten, dass er weiterkämpfen wollte. Doch als er einen Blick auf seine Gegner warf, der soeben seinen ersten Sieg in einem Turnier davongetragen hatte, da entschied er sich dieses mal das Feld ohne weiteren Kampf zu räumen. Er nickte seinem Gegner respektvoll zu.
"Ein wahrlich wackerer Stoß, ich gratuliere Euch zu Eurem Sieg."

Langsam erhob sich der Edle der Rabenmark aus dem Staub.
"Sollte Erfahrung doch noch siegen?", schoss es ihm durch den Kopf, bevor er sich darüber bewusst wurde, dass er schon lange kein Turnier mehr geritten war. Trotzdem, so früh besiegt zu werden war nichts was er gewohnt war, aber die Göttin hatte wohl entschieden.
"Wer sich abwendet verdient keine Gunst", dachte er bei sich und sah zu seinem Gegner herüber. Ehrlich war es gewesen, und das sollte ihm genügen. Wenigstens war er heil und konnte schon bald wieder in den Kampf eintreten, den jener Baron wohl eher aus der Ferne betrachtete. Kein Wunder bei dem Alter.
Gerade gratulierte er seinem Gegner, als er sich des spöttischen Blickes seines Vasallen gewahr wurde, der sich sicherlich in diesem Moment in seinen Rücken bohrte.

*einige Minuten später*
"Na. Das war aber ein sehr kurzer Ausritt!"
Gilborn wusste, dass Vecanio ein Meister darin war sich sein Grinsen zu verkneifen und mit ernster Stimme den gröbsten Unfug von sich zu geben.
"Zügle deine Zunge, oder du verwirkst meine Gastfreundschaft", antwortete er ihm mürrisch, aber ohne jede Leidenschaft in seiner Stimme. Eigentlich war er ja ganz zufrieden.
Nicht auszudenken, wenn er gewonnen hätte. Noch ein Gut. Unwillkürlich wurde ihm schwer ums Herz als er den jungen Mann ansah, der ihm aus der Rüstung half.

Missmutig nahm der Junge rabenmärker Ritter die Ankunft der halsbrecherischen Recken entgegen. So würden zumindest feige Hofschranzen sie nennen!
Er selbst sah in den wenigen, die gekommen waren, so eine Art Seelenverwandte, denn er hasste höfisch Regeln – Garether Gebaren, wie er sie bezeichnete.
Die pervalschen Regeln waren hart, doch er fürchtete die Schmerzen nicht, und eben jene auch nicht, die da in losem Abstand einher ritten. Als treuer Vasall seines Herren war er auch auf diesem Turnier erneut zugegen, auch wenn seine Hand immer noch höllisch schmerzte, die im der alte Haudegen Reto von Binsböckel zu Klump geritten hatte. Doch kneifen war nicht seine Art.

Lyrodian Helme von Föhrenstieg-Bregelsaum, Ritter zu Dragenthron
Der mittlerweile leidlich turniererfahrene, 22-jährige Hühne aus der schwarzen Sichel gehörte Wohl oder Übel zum näheren Gefolge des Gastgebers Welferts von Mersingen, auf dessen Hauptsitz Burg Dragenthron er auch ein kämpferisches Dasein fristete.
Die strahlen blauen Augen wirkten im starken Kontrast zu immer schläfrig erschöpft wirkenden Liedern eher unnahbar und wild, was auch der, ebenso wie das Haupthaar, dunkelblonde, ausgebrägte Kinnbart zu unterstreichen wusste.
Lyrodian war ein geübter Kämpfer, was einerseits von seiner ständigen Präsenz in der umkämpften Baronie Aschenfeld und andererseits an seiner derzeitigen regen Turnierteilnahme herrührte. Er hielt wenig vom höfischen Zeremoniell, Turnieren und Jagden, jedoch galt es für ihn, sich vor seinem Lehensherrn zu beweisen. Leider trat er dabei bisher eher als glückloser Heißsporn auf, was ihn langsam in den Selbstzweifel trieb.
Seiner fehlenden Finesse war es auch zu verdanken das er sich auf einem der letzten Turnieren die linke Hand schwer verletzte, was auch der Grund warum er sich nun auf den Kampf zu Anderthalbhand verlegte.Ob auf Turnieren oder in der Rabenmark trat er immer mit der selben schmucklosen, leicht beschädigten Garether Platte auf, gekrönt von Halsberge und Schaller.
Auf einem kleineren Schwertzug ins altzoller Land erbeutete er von einem Gegner ein zeitgemäß wirkendes Bastardschwert und sein halsbrecherisch furchtlos erscheinendes radromtaler Ross, welches nur leicht gerüstet wurde und bei Turnieren mit einer rot-goldenen Schabracke auftrat.

In einer wahren Explosion zerbarst abermals die scharfe Lanze des Barons zu Syrrenholt an der starken Wehr des Edlen der Rabenmark. Doch nach zweier vergeblicher Versuche schien dieses mal der Stoß zu sitzen und hebelte Letzteren aus seinem hochlehnigen Sattel.
"Rondra ist mir hold!"
Ein Ausruf höchster Überraschung drang aus dem massiven Froschmaulhelm des Garetiers, der nur mit Mühe den letzten Angriff erfolgreich überstanden hatte. Schwer atmend nahm der Baron seinen Helm ab, um - das schweißnasse Gesicht nach allen Rängen umschauend - den aufbrausenden Jubel auszukosten. Einen weiteren Angriff hätte er nicht reiten können.
"Wie oft werde ich dies noch erleben dürfen?" Der 51 jährige Baron aus der lieblichen Grafschaft Reichsforst schien mit seinem Gedanken in weiter Ferne, gefangen genommen von der Erinnerung an vergangenen Ruhm, Glorie und einer besseren Welt. Doch nun, in jenem kurzen Augenblick war es ihm vergönnt, an diese Vergangenheit anzuknöpfen und Tränen traten ihm in die Augenwinkel.
Sein Page half ihm, von seinem Ross herabzusteigen, um die anfallende Notdurft zu verrichten. Doch sobald seine Füße den sicheren Boden berührten, gaben seine Beine nach und er ging in die Knie, wo er von einem verdutzten Pagen aufgefangen wurde. Die Strapazen - und das Alter? - forderten nun doch ihren Tribut. Nach einigen wackeligen Minuten konnte der Baron jedoch wieder ohne Hilfe stehen und langsam die Tjostbahn aufrechten Hauptes erlassen, wobei er seinem unterlegenden Kombattanten anerkennend zunickte.

Einige Augenblicke später nach der Niederlage des Trisdhan von Hartsteen, Ritter von Hutt:
Erlan von Zankenblatt verfolgte aufmerksam das weitere Gestech. Insgeheim hoffte er, sich so hilfreiche Informationen über potentielle Gegner zu erlangen. Dass ein Landsmann von ihm nun in einem spektakulären Zweikampf unterlag, betrübte seine euphorische Stimmung:
"Werter Herr Trisdhan, nehmt es sportlich. Ihr habt Eurem Namen alle Ehre gemacht und unser geliebtes Königreich und seine lange Tradition des Turneyens tapfer vertreten! Lasst mich in Eure Fußstapfen treten, auf dass wir gemeinsam am heurigen Abend den Krug erheben werden."
So kam es, dass Erlan von Zankenblatt in der kommenden zweiten Runde es wagen sollte, wider Gorwin von Eisenstein-Schleiffenröchte, Ritter zu Eisenstein, zu reiten, um die Ehre Garetiens erneut mit einem Nordmärker zu messen.
Mit grimmigen Gesicht nickte der Hartsteener dem Reichsforster zu. Dass die offensichtlich verrenkte Schulter ihm nahezu vor Schmerz die Tränen in die Augen trieb, versuchte er so gut es ging zu unterdrücken.
"Hochgeboren, meine besten Wünschen begleiten Euch bei Euren weiteren Ritten. Es ist fürwahr keine Schande auf dem Turnierplatz einem würdigen Gegner zu unterliegen."
Er winkte nach seinem Knappen, der eilig zu seinem Herren lief.
"Aber etwas später wäre mir nicht unrecht gewesen. Möge die Herrin Eure Lanze zum Ziel führen."