Rahilja - Von Knappen und Pagen

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Hilsschlucht bei Amaralys, 27. Travia 1038, am Mittag

Keuchend und mehr fallend als laufend erklomm Aedin eine weitere Treppe, die ihn durch die Schlucht zurück in Richtung Burg führte. Erschöpft hatte er kurz darauf den oberen Ausgang der Schlucht in Richtung der Wasserburg erreicht und mühte sich ab, um die letzten Meilen des Weges zu schaffen. Kein leichtes Unterfangen, da er ziemlich außer Puste war - das regelmäßige Fluchen, das er dabei von sich gab, verbesserte die Situation nicht, erleichterte aber ungemein.

Auf dem Weg kam ihm Jeobdan Tannhaus, der erfahrenste der seinem Herren dienenden Waffenknechte und Vertraute seines Schwertvaters, entgegengeritten und hielt sein Pferd kurz vor Aedin an. "Wenn ich es nicht besser wüsste könnte ich meinen, du magst diese Strecke. Das wie vielte Mal läufst du sie jetzt doch gleich?", sagte er mit einem leicht spöttischem Unterton, dann wurde er wieder ernst. "Wenn du zurück in die Burg kommst, melde dich wieder bei Hesine. Du wirst dir dieses Mal Mühe geben - man könnte meinen, der Körper wäre jetzt genug ertüchtigt, um auch einen entsprechend wachen Geist aufzunehmen. Also, gib dir Mühe. Dann darfst du wählen: Wenn dein Schwertvater, Hesine und ich nicht zufrieden sind, drehst du heute Abend noch eine Runde. Wenn du deine Sache hingegen gut machst, dann kannst du morgen auf den Ausritt mitkommen - dein Herr will seinem neuen Pagen, der heute erwartet wird, das Lehen zeigen. Und jetzt hopp, bis zum Abendessen kannst du deine Aufgaben geschafft haben, wenn du dich bemühst", trieb er den Knappen an, der nun nicht mehr weit entfernt von der Burg war.

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Währenddessen erwartete Baduar gemeinsam mit zwei seiner Waffenknechte, Sirala Hopfbauer und Arbel Bockanger, die Ankunft von Hadomar und seinem Begleiter Rondrabert vom Hochfeld. Baduar hatte sich entschlossen, die beiden Reisenden am Abzweig des Grevensteigs abzuholen, der nach Amaralys führte. Und nach nicht allzu langer Wartezeit tauchten die beiden Reiter von Richtung Angbar her kommend auf.

Nachdem die beiden Reiter schon kurze Zeit später Baduar und seine beiden Begleiter erreichte, folgte eine kurze Begrüßung durch den Junker: "Willkommen im Junkergut Rahilja. Ich bin Baduar Ibram von Eichstein, Junker zu Rahilja und heiße euch herzlich willkommen." Damit nickte er beiden kurz zu, bevor er sich an Hadomar wandte: "Den Göttern zum Gruße, Hadomar. Deine Mutter und ich haben in den vergangenen Tagen regen Briefkontakt gehabt und ich freue mich, dich kennenzulernen. Ich bin gespannt, wie dir die nächsten Tage und Wochen auf der Wasserburg Eichstein gefallen werden und hoffe, dass du dich wohl fühlst."

Der Zwölfjährige blickte neugierig vom Junker zu dessen Begleitern, ehe er antwortete: "Ich bin auch gespannt", sagte er keck. "Ein Baronsgut und ein Grafenhof kenn ich ja, jetzt werd ich auch sehn, wie man bei eim Junker wohnt. Ach, Grüße von meiner Frau Mutter soll ich ausrichtn. Sie sagt, ich soll mich bei Euch benehmn und euch kein Loch in den Bauch fragn."

Baduar runzelte die Stirn: Sehr offenherzig, der Bursche. Und an seinem Dialekt merkte man gleich, dass er kein Koscher Kind war.

Dann wandte sich Baduar an Hadomars Begleiter: "Ihr müsst dann Ritter Rondrabert vom Hochfeld sein. Seid auch Ihr mir herzlich willkommen. Ich habe euch ein Gästezimmer herrichten lassen und hoffe, das auch euch der Aufenthalt auf Burg Eichstein gefällt und wir Gelegenheit haben, uns besser kennenzulernen."

Der grobschlächtige Ritter saß etwa unglücklich auf seiner Mähre und schien sich nicht so recht zu trauen, die Zügel loszulassen. Dann aber tippte er mit der gepanzerten Linken gegen sein Helmvisier: "Grüß Euch, Wohlgeboren. Ich bring euch Hadomar sicher und wohlbehalten, wie's mir Frau Isida aufgetragen hat."

Baduar hatte schon gehört, dass der junge Hochfeld kein Mann vieler Worte war, anders als seine Schwester oder Mutter. Darum machte auch er selbst keine solchen, sondern sagte schlicht: "Ich schlage vor, wir reiten direkt zur Burg, dort wartet eine Stärkung nach der langen Reise. Bitte folgt mir."

Mit diesen Worten wendete Baduar sein Pferd und deutete auf den vor ihm liegenden Weg. Hadomar, sah der Junker, hatte sein Pony ordentlich im Griff. Das Tier folgte nur zwei Längen hinter dem seinen. Gut, wenigstens Reiten musste er dem Burschen nicht mehr beibringen. Bis Rondrabert sein Pferd wieder in Bewegung gesetzt hatte, waren Baduar, seine Waffenknechte und der Page hingegen fast um die nächste Biegung entschwunden. "Der sitzt im Sattel wie ein Angroscho", murmelte der Junker zu sich selbst.

Dann ritt die kleine Gruppe den Junkersteig entlang zur Burg, wo schon ein stärkendes Abendessen auf den Gast und seine Begleiter wartete.

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