Rahilja - Salz und Eichen Teil I

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Burg Eichstein, Mitte Ingerimm 1039

Der Ausguck staunte nicht schlecht, als er die Reitergruppe den Weg aus der Hilsschlucht Richtung Burg heraufkommen sah. "Du Nottel, schau mal, die Reitergruppe da. Wer das wohl ist?" Der angesprochene Gardist, der ebenfalls hier in der Turmstube als Ausguck eingeteilt war, erhob sich ächzend von seinem Stuhl. Er hatte nicht gut geschlafen diese Nacht und war noch recht müde an diesem frühen Vormittag. "Hmmm", brummte er und schlurfte zu seinem Wachpartner, um ebenfalls einen Blick auf die Reitergruppe zu werfen. "Da brat mir doch einer... ist dass das Wappen des Salzmärkers? Eh, Bolzbold, das ist doch der Salzmärker, oder? Guck doch mal!", rief er dann mit leichtem Zorn in der Stimme aus. "Der soll es wagen, hier aufzutauchen, der Hundling!", rief er danach, dann wandte er sich erneut an seinen Mitwachenden: "Bolzbold, sag unten Bescheid, Dappert und Fork sollen die gleich mal auf der Mühleninsel empfangen. Lasst sie nicht in die Burg – und dann sag dem Haushofmeister Bescheid. Und spute dich, die sind immerhin beritten!"

Der angesprochene Gardist zögerte nicht lange, schnappte sich seinen Helm vom Tisch und eilte die Wendeltreppe des Treppenturms der Wasserburg herunter, um die anderen Gardisten zu informieren und den Haushofmeister ebenfalls. Wenn sich eine Reitergruppe des Salzmärkers hierher verirrte, dann konnte das in der Regel nichts Gutes bedeuten. Malzan, den Weibel der Burggardisten, traf er im Innenhof, wo dieser gemeinsam mit anderen Gardisten im Schatten der Burgmauer an einem langen Holztisch saß. "Malzan, da kommt eine Reitergruppe zu uns, Nottel hat das Wappen der Salzmärker erkannt." Der Burgweibel, der eben noch herzhaft über einen zotigen Witz eines seiner Gardisten lachte, wurde schlagartig ernst. "Salzmärker? Hier? Was haben die denn hier verloren? Der alte Grimm, einer der Gardisten von Fuchsfels, schuldet mir zwar noch Geld, aber dafür wird er wohl kaum eine größere Delegation herschicken – wenn ich das Geld überhaupt je sehe, das alte Hundsfott, das." Einen Augenblick blickte er wütend drein und hieb mit seiner rechten Faust in seine Linke. Dann erhob er sich: "Gut, dann wollen wir uns das mal angucken. Bolzbold, du gehst wieder hoch zu Nottel, behaltet das Umland im Auge. Warst du schon bei Vitus? Wenn nein, dann sag ihm Bescheid. Rena, Kalmun, ihr kommt mit", sagte er und winkte mit der Hand zwei weitere Gardisten, ihm zu folgen, während er schon in Richtung der Wachstube loseilte.

Wenig später kamen Malzan, Rena und Kalmun bewaffnet mit ihren Hellebarden zum Tor der Mühleninsel – gerade rechtzeitig, denn die Reitergruppe war bereits auf der Allee angekommen und ritt langsam, aber zielstrebig auf das Tor zu. Jetzt erkannte auch Malzan die Schilde mit dem Wappen der Salzmärker und sah auch, dass es sich bei den Reitern zumindest bei dreien um leicht gerüstete Waffenknechte handelte, die Waffen mit sich führten. "Kalmun, geh zurück in die Vorburg und zieh die Brücke hoch. Dann sag den anderen Bescheid, dass sie sich bereithalten sollen. Ich trau' den Salzmärkern nicht weiter als wie ich sie werfen kann", wandte er sich an den gleichnamigen Gardisten, der daraufhin zurück in die Vorburg eilte, um den anderen Gardisten Bescheid zu geben. Zusammen mit den beiden, die vom Torhaus der Vorburg bereits vorgegangen waren behielten die fünf Burggardisten, die allesamt mit ihren Helmen und Hellebarden, daneben auch mit ihren Seitenwaffen, hier am Tor zur Mühleninsel versammelt waren, die Reiter im Blick, die in diesem Augenblick das Tor erreichten und anhielten.

"Den Zwölfen zum Gruße, Eichsteiner! Im Namen von Praios und Travia erbitten wir Einlass", bellte der Vorderste von ihnen die Gardisten an. Malzan, der die Gruppe einer genaueren Musterung unterzog, aber kein bekanntes Gesicht unter den Reitern erkannte, antwortete nach einer kleinen Pause. "Hm, wenn ihr Euch auf die Gebote der Zwölfe beruft, dann habt ihr sicher auch den Anstand, Euch erstmal vorzustellen?". murrte er den Sprecher der Salzmärker an.

In der Zwischenzeit war Bolzbold weitergeeilt zum Haushofmeister, den er in der Schreibstube der Burg vermutete. Zu seinem Glück hielt sich der Gesuchte tatsächlich hier auf und brütete gerade über einigen Pergamentbögen, die mit Listen und Tabellen gefüllt waren. Als der Gardist eintratt, murmelte er leise vor sich hin. "Das gibt es doch wohl nicht, diese Zwiebelingers haben schon wieder zwei Lämmer zu wenig abgegeben. Das wird jetzt mal langsam Folgen haben, wenn nur erst der Herr Junker wieder... was ist denn?", fuhr er hoch und schaute den Gardisten im ersten Augenblick mit wütendem Blick an, dann kniff er die Augen zusammen. "Was verschlägt dich denn zu mir, Bolzbold? Brauchst du Geld?" Der angesprochene Gardist schreckte im ersten Augenblick zurück, als ihn der Haushofmeister anfuhr, nahm dann jedoch Haltung an. "Meister Vitus, da kommen Salzmärker zu uns, fünf an der Zahl. Sie führen das Wappen der Salzmärker mit sich und Nottel meint, dass sie auch bewaffnet waren. Du guckst dir das besser mal an", berichtete er dem Haushofmeister. "Die Salzmärker? Was die wohl hierher verschlägt. Seitdem der Junker nicht mehr Vogt ist, haben die sich schon lange nicht mehr her getraut. Hast du Malzan schon Bescheid gesagt?" Dann wandte er sich kurz zu seinem Schreibtisch, auf dem eine kleine Glocke stand, nahm und läutete diese. Als kurz darauf Tradan, der Hausknecht, erschien, schickte Vitus diesen zur Junkerin, die sich gerade um ihren Kräutergarten kümmerte, um sie über den Besuch zu informieren und sie zurück in die Burg zu bitten, denn den Salzmärkern war alles zuzutrauen. Dann schickte er Bolzbold wieder zurück in den Turm und machte sich auf den Weg zum Tor, um den Besuch zu empfangen.

Als Tradan sichtlich außer Atem in den Kräutergarten kam, war Aldare eben damit beschäftigt Fiana zu zeigen, an welcher Stelle sie die verblühten Rosen abschneiden musste, damit bald neue wachsen konnten. Währenddessen lief das Kindermädchen gebeugt hinter Firutin her, der sich mit seinen beiden kleinen Händen an ihren festhielt, neugierig von einem bunten Busch zum nächsten lief und glücklich gluckste. Aldare richtete sich, auf als sie die hastigen Schritte auf dem Kies vernahm und sah den Hausknecht fragend an: „Tradan, ist etwas passiert?“
„Euer Wohlgeboren... entschuldigt die Störung, aber Vitus schickt mich zu Euch...“ Er musste kurz Luft holen. Ein fröhliches Quieken von Firutin ertönte, bevor Tradan fortfahren konnte. „Die Salzmärker stehen vor dem Tor und...“ „Die Salzmärker?“, unterbrach ihn Aldare. „Was wollen die denn hier? Ein Freundschaftsbesuch?“ Ein spöttisches Lächeln ging über das Gesicht der Junkerin.
„Ich weiß es nicht, Euer Wohlgeboren, jedenfalls bat mich der Haushofmeister, Euch nahezulegen, mit den Kindern ins Haus zurückzukehren. Aus Sicherheit.“ Aldare seufzte als ihr Blick auf die in die Gartenarbeit vertiefte Fiana und den kleinen Firutin fiel, der sichtlich erfreut, das Kindermädchen durch den Garten zerrte. Der Tag hatte sonnig und friedlich begonnen, aber es war wohl wirklich besser, die Kinder erst mal wieder ins Haus zu bringen, wer weiß, was die Salzmärker zur Burg Eichstein trieb, jetzt wo Baduar nicht da war.
„Fiana, wir müssen zurück ins Haus gehen, da wir unerwarteten Besuch bekommen haben. Madane, komm bitte mit Firutun mit. Vielleicht können wir später zurückkehren.“ Die Junkerin nickte Tradan zu und bedeutete ihrer Tochter mit einem Handzeichen, jetzt mitzukommen. Schade um den schönen Vormittag! Sie begleitete das Kindermädchen mit Fiana und Firutin noch bis zur Brücke, die zur Hauptburg führte und während sich die drei in das Haus zurückzogen, wand sich Aldare dem geschlossenen Tor zu.

Vitus hatte soeben etwas in einem bestimmten Ton gesprochen und hinter dem Tor hörte sie Hufgetrappel und missmutige Ausrufe. „Wir kommen wieder!“, rief der eine Waffenknecht, als Aldare eben das Tor der Mühleninsel erreichte. Sie erkannte noch das blau-weiße Wappen der Salzmärker auf einem der Wappenröcke, als die Reiter ihre Pferde wendeten und wutschnaubend davon ritten. Sie gesellte sich zu dem Haushofmeister und gemeinsam verfolgten sie die Salzmärker mit aufmerksamen Blicken, während Vitus der Junkerin erzählte, was soeben vorgefallen war. „Sie werden wiederkommen“, beendete er seinen kurzen Bericht. „Sie wollten sicher nur testen, wie wir reagieren. Sie werden wiederkommen und uns weiter auf die Probe stellen und wir müssen dann mit aller Deutlichkeit reagieren.“ „Ja, das denke ich auch. Danke Vitus. Aber wir werden vorbereitet sein.“ Entschlossen ging die Junkerin Richtung Hauptburg. Sie wollte in ihr Labor gehen und dort überlegen, was sie tun könnte, um die dreisten Nachbarn das nächste Mal sicher abzuwehren.

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