Neue Zeiten - Eine Reise durch den Wengenholm

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Kosch-Kurier, Rondra 1040 BF


Ein Reisebericht des Krambolds Brunhold Eichinger für den Kosch-Kurier

Viel zu oft sorgte der Wengenholm in den vergangen Jahren für traurige Nachrichten, doch bei meinen letzten Reisen traf ich auf so viele positive Entwicklungen, dass ich sie dem geneigten Leser nicht vorenthalten möchte. Meine Reise begann, wie so oft, in Rondrasdank. Im Schatten eines fürstlichen Kastells liegend hat die Sendschaft, dank der verkehrsgünstigen Lage an der Angenstraße und dem Zusammenfluss von Ange und Auer, seine Unabhängigkeit von der Geistmark zementiert. Die Rondrasdanker sind stolz auf ihre Freiheit und bis heute nicht gut auf den Geistmärker Baron zu sprechen.

Zur Angenburg hat es mich diesmal nicht verschlagen. Mittlerweile ist die Burg selbst weitgehend wiederaufgebaut worden, doch noch immer weilt Graf Jallik hier eher unregelmäßig und ist lieber in seiner Grafschaft unterwegs. Das Dorf selbst ist heuer recht unscheinbar und war mir diesmal den Abstecher nicht wert.

Stattdessen zog es mich weiter nach Auersbrück. Aufs furchtbarste war der Ort während des Jahres des Feuers verheert worden, doch in den über zwölf Jahren seither sind die Schäden behoben worden und man kann sagen, dass der Ort schmucker ist als je zuvor. Das ist wohl der klugen Führung des Sendrich Bardo Hangklos zu verdanken, hat er Auersbrück doch zu immer neuer Größe geführt. Den ewigen Rivalen Zweizwiebeln hat man jedenfalls längst überflügelt. Der Sendrich ist auch sonst ein kluger Mann und ein einflussreicher Händler, der mit der Versorgung des fürstlichen Heeres während der beiden Wengenholmer Feldzüge ein Vermögen machte. So ist es kaum verwunderlich, dass er als der wichtigste Mann am Platze jahrein, jahraus zum Sendrich gewählt wird. Der Junker von Auersbrück hat sich mittlerweile auf sein Gut etwas außerhalb der Stadt zurückgezogen und mischt sich in die Belange „seiner“ Sendschaft scheinbar nicht mehr ein. Auf der Burg liegt der Söldnerhaufen der Munteren Breitäxte im Quartier. Ihnen ist es zu verdanken, dass während der Kämpfe der letzten Jahre jegliches Unbill von der Stadt fernblieb. So ist es kaum zu verwundern, dass die Sicherheit Auersbrücks zu ihrem raschen Wachstum beigetragen hat. Mittlerweile leben hier um die 700 Seelen. Das sind bald 300 mehr als noch vor dem Jahr des Feuers, haben sich hier doch viele Flüchtlinge aus dem Umland niedergelassen.

Ganz anders sieht es leider in Albumin aus. Liegt der einst so ruhige Ort doch nach wie vor in Trümmern und keine Menschenseele hält sich hier auf. Manch ein abergläubischer Bauersmann munkelt gar von Geistererscheinungen, doch konnte ich das als abergläubisches Geschwätz abtun. Pläne, Burg und Dorf wieder aufzubauen scheint es jedenfalls nicht zu geben und so beginnt die Natur hier, wie auch in anderen zerstörten Siedlungen, sich wieder auszubreiten und die Ruinen schrittweise zurück zu erobern. So wurde mir jedenfalls berichtet, ich jedenfalls schlage immer einen weiten Bogen um die Ruinen.

Ganz anders ist hier die Stolzenburg und das Erzdorf. Die Schäden an der Burg sind mittlerweile samt und sonders behoben und auch im Dorf geht es geschäftig zu. Die Dörfler geben sich alle Mühe, das Dorf zu einem der schönsten des Kosch zu machen. Und ich muss zugeben, dass es ihnen gut gelungen ist. Bunte Fensterläden und Türen zieren die Steinhäuser ebenso wie zahlreiche Blumenkästen und Ranken mit Weinlaub, die sich im Herbst wunderschön verfärben.

Die Minen sind schon lange wieder freigepumpt worden und es wurde erneut mit dem Abbau des Eisenerzes begonnen, so dass hier eine geschäftige Betriebsamkeit herrscht.

Die fürstlichen Truppen auf der Stolzenburg halten derweil Wacht über die Minen, Dorf und Umland und halten alles Gelichter fern. Immer wieder rücken die Truppen unter dem Vogt Feron von Nadoret aus, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Einzig der Oger Goro konnte sich bis heute den Häschern des Fürsten entziehen, doch immerhin sieht und hört man von dem umtriebigen Oger nur noch äußerst selten.

Meine weitere Reise führte mich durch das Dorf Rübfold, welches sich ebenso von seiner Plünderung erholt hat wie die Orte Bärenstieg und Firntrutz. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass viele Höfe und Dörfer nach den Kämpfen nicht wiederaufgebaut worden sind.

So gehen die Dinge im Wengenholm heuer einen ruhigen Gang und als Reisender muss einem nicht angst und bange sein. Zwar sind sich die neuen Sendschaften und die Altadligen nicht gerade in Freundschaft zugetan, doch belässt man es meist bei Verunglimpflichungen und Koscher Wettstreiten.