Neue Zeiten - Eine Reise die ist lustig

Aus KoschWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 Wappen Mittelreich.svg  Wappen Koenigreich Kosch.svg   Huegellande.gif   Zwischenwasser.gif  
 Burg.svg
 
 Wappen Koenigreich Garetien.svg
 
15. Tra 1040 BF
Eine Reise die ist lustig
Trauer auf Grauensee

Kapitel 8

Autor: Geron
Grauensee, Phex 1041

So langsam besserte sich das Wetter um den Angbarer See herum und auch der Graf schien so langsam wieder guter Dinge zu sein. Jedenfalls bekam ihn Angbart von Salzmarken-See nun ab und an zu Gesicht und Wilbur schien stets ein Lächeln auf den Lippen zu tragen. Das mochte freilich auch an dem garetischen Ritter Yolpert von Trade-Tannenheim liegen, der immer noch an der Seite des Grafen weilte und das, obwohl er sein verletztes Bein bereits vor Wochen auskuriert hatte.
Angbart begann sich zu wundern, wie nachgiebig der Dienstherr Yolperts war. Aber schließlich traf dann doch ein Bote aus der Kaisermark ein, der Yolpert wieder nach Goldenstein zurückrief. Zur Überraschung Angbarts wies ihn Wilbur an, auch das gräfliche Gefolge reisefertig zu machen. Man würde den Ritter bis zum Kloster St. Ancilla in der Gerbaldsmark begleiten. Der Graf gedachte sich dort wohl der freigeistigen Lebensart hinzugeben. Angbart schauderte es bei dem Gedanken.

Noch mehr sollte es Angbart schaudern, als er zwei Wochen später an die Reise zurückdenken musste. Graf Wilbur und Ritter Yolpert hatten sich keine Mühe mehr gegeben, den Anschein aufrecht zu erhalten, und hatten ihre Zuneigung füreinander offen zur Schau getragen. So hatte Yolpert etwa dem Grafen zutraulich die Hand auf die Schulter gelegt oder Wilbur dem Ritter das Wams zurechtgerückt. Für Angbart ein Skandal! Als Leibritter des Grafen war es freilich nicht an ihm, seine Kritik offen auszusprechen, aber auch anderen Mitgliedern des gräflichen Gefolges war die Überraschung anzumerken. Solch öffentliche Zeichen von Zuneigung waren im Kosch im Adel nur unter Eheleuten üblich und um solche handelte es sich bei den beiden ja nun wirklich nicht.
Angbart hatte gehofft, dass der Spuk in St. Ancilla vorbei sein würde, und anfangs sah es auch danach aus, denn Yolpert hatte nun wirklich zum Goldenstein weitergemusst. Der Abt des Klosters Adran von Feenwasser, ein äußerst einnehmender Geselle, hatte sie gleich auf dem Schloss Falkengrund untergebracht, aber während Wilbur die Zeit im Umfeld des Klosters sichtlich genoss und den gelehrten Disput mit vielen klugen Köpfen suchte, wurde Angbart zunehmend langweilig. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, hatte er Heimweh. Und das in seinem Alter! Aber hier in der Kaisermark fühlte er sich als Koscher Landadliger einfach fehl am Platze. Er hatte durchaus die Kommentare zur Kleidung oder Redensarten der Koscher gehört und es hatte ihn mehr berührt, als er zugeben wollte. So manch ein Mitglied des Hofstaates hatte sich freilich in Gareth neu ausstaffiert, aber dafür war Angbart dann doch zu traditionsverwurzelt gewesen.
Es ging so eine ganze Zeit weiter. Meist war man am Kloster, mal auch in Gareth und mal auch auf der Pfalz Goldenstein, die war ja schließlich nicht weit und hatte mit Kaiser Retos Waffenkammer ja auch einen guten Besuchsgrund. Dass den Grafen die Exponate nicht interessierten, war natürlich allen Mitgliedern des Hofstaates klar.

Nachdem sie schließlich sieben Wochen in der Kaisermark gewesen waren, hatte Angbart schließlich die Rückkehr in den Kosch angesprochen. Daraufhin hatte ihn der Graf wieder in die Heimat geschickt, gefolgt von all den anderen Mitgliedern des Hofes, denen das Leben im Kosch besser gefiel als in Garetien. Angbart solle ein Auge auf die Geschehnisse in der Grafschaft haben, irgendwelche besonderen Vollmachten hatte er allerdings nicht bekommen. Er, Graf Wilbur, würde ja „in ein paar Wochen oder Monaten“ wieder da sein.

So kam es also, dass Graf Wilbur das Leben in der Kaisermark genoss, während Angbart von Salzmarken-See die Grafschaft in der Abwesenheit des Grafen zusammenhalten sollte. Ohne Vollmachten oder einen Teil der gräflichen Hausmacht würden die Barone freilich schalten und walten wie sie wollten.