Man erntet, was man sät - Suum cuique

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Drift, Anfang Efferd. 1040 BF

In einem Waldweiler westlich von Eberstett:

Das Laub des Waldes hat sich herbstlich gefärbt. Durch das schüttere Kronendach der Bäume scheinen die goldenen Strahlen der niederstehenden Sonne auf zwei Reiter, die sich einem Weiler auf einer kleinen Waldlichtung nähern.
Die strohgedeckten Häuser wirken verlassen, bis auf eine Handvoll Soldaten der Drifter Garde und vier Packesel am Dorfplatz ist niemand zu sehen. Als die beiden Reiter aus dem Wald treten, kommt ihnen eine Soldatin entgegen und salutiert: „Herr von Kreiben! Jemand hat den Dorfbewohnern unser Kommen verraten. Die Ställe und Speicher sind leer – Die Bauern haben sich ängstlich in ihre Katen verkrochen.“
Kruth von Kreiben wendet sich zum anderen Reiter:„Seht Ihr Herr Toberen… Ich habe es euch gleich gesagt.
Wir hätten nicht über Westbühl reiten sollen. Wahrscheinlich hat dieser närrische Zwerg des Fürsten – Brumil – die Bauern warnen lassen.“
Senach Toberen: „Vielleicht haben Sie ja wirklich nichts mehr. Ich habe selten ein so ärmliches Dorf gesehen.“
Von Kreiben lacht höhnisch: „Toberen ihr seid ein naiver Träumer! Ihr solltet weniger Flöte spielen und mich öfter bei Steuereinnahmen begleiten – Dann würdet ihr dieses verlogene Bauernpack schon kennenlernen. Natürlich haben die noch genug übrig – sie haben es bestimmt vor uns versteckt. Seht zu und lernt von einem echten Bronnjaren!“
Von Kreiben brüllt über den Dorfplatz: „Bringt mir den Ältesten“
Die Soldaten beginnen in die Häuser einzudringen. Schreie gellen über den Dorfplatz. Schließlich wird eine alte, hagere Bäuerin von zwei Gardisten zu Von Kreiben gezerrt und vor seinem Pferd in den Staub geworfen. Die restlichen Bewohner des Dorfes treten an die Fenster und Türen und verfolgen das Geschehen ängstlich.
Von Kreiben: „Sag mir Älteste. Wer hat euch von unserem Kommen erzählt?“
Die Bäuerin richtet sich auf die Knie und antwortet mit gesenktem Blick: „Niemand hat uns euer Kommen angekündigt. Ihr seid uns immer ein willkommener Gast Herr von Kreiben.“
Von Kreiben:“Wo sind dann eure Vorräte? Wo ist das Vieh?“
Die Bäuerin antwortet mit zittriger Stimme: „Das Vieh haben wird verkaufen müssen … Herr! Wir haben unseren Zehnt erst vor zwei Monden im Waldhof abgeliefert! Alles was wir jetzt noch haben brauchen wir um über den Winter zu kommen!“
Von Kreiben nickt verständnisvoll: „Die Götter haben euch ein hartes Los gegeben. Ihr seid dazu erkoren Leid geduldig zu ertragen. Das ist nun mal Bauernschicksal … Es herrscht Krieg … Der Baron tut was er kann um sein Volk zu schonen jedoch – “ Von Kreiben säufzt“ – der Graf zwingt uns immer höhere Abgaben auf und der Heerzug gegen den gottlosen Haffax kostet nun Mal Geld!
Also; wo sind die Vorräte!?“
Die Bäuerin schluchzt und wirft einen kurzen, unwillkürlichen Blick zur Seite. Von Kreiben folgt ihrem Blick zu einer windschiefen Scheune.
Von Kreiben:“Dort? In dem Verschlag habt ihr eure Vorräte versteckt?“
Die Bäuerin schüttelt heftig den Kopf.
Auf einen Handwink von Von Kreiben machen sich vier Gardisten daran, die Scheune genauer zu inspizieren. Man hört Gerumpel, brechendes Holz und den hohlen Klang zerspringender Tonkrüge.
Nach wenigen Minuten treten sie heraus: „Herr! Hier wird Stroh und Holz gelagert. Unter dem Stroh waren mehrere Säcke Korn versteckt. … Vielleicht so um die 300 Stein. In einigen Tonkrügen war saures Gemüse.“
Das klagevolle Raunen der Bauern dröhnt über den Dorfplatz.
Herr Toberen wendet sich an Von Kreiben: „300 Stein für das ganze Dorf … Das reicht nichtmahl für den Winter. Wir sollten abziehen. Hier gibt es nichts zu holen.“
Von Kreiben grinst: „Toberen! Eure Gutgläubigkeit ehrt euch. Vergesst nicht; Not macht erfinderisch. Dieses Bauernpack hat gewiss noch mehr Vorräte … irgendwo versteckt.
Von Kreiben brüllt über den Dorfplatz:„Ihr werdet doch nicht nur saures Gemüse fressen?!“ Sein Blick schweift über den Dorfplatz. Die Bauern werfen ihre Blicke ängstlich zu Boden. Von Kreibens Blick verharrt bei einigen, an einer Hauswand lehnenden Spaten.
Von Kreiben wendet sich zu Herrn Toberen: „Wie lautet dieses Koscher Sprichwort nochmal? Alles Gute kommt von Unten?! Die Erde an diesen Spaten ist frisch. Wollen wir mal sehen, was uns unter der Scheune erwartet.
Knechte! Grabt den Boden in der Scheune auf!“
Die vier Soldaten greifen zu den Spaten und verschwinden abermals in die Scheune. Schon nach kurzer Zeit kommt einer herausgelaufen.
„Herr von Kreiben! Große Krüge voll Getreide sind in der Erde verborgen! Bestimmt mehrere Hundert Stein!“
Von Kreiben wirft der Bäuerin, die immer noch vor ihm kniet einen zornigen Blick zu: „Für deine unverschämten Lügen musst du zahlen, gieriges Pack!“
Er gibt seinem Pferd die Sporen und versetzt der knienden Alten im Vorbeiritt einen Tritt mit dem Stiefel ins Gesicht, worauf sich diese stöhnend und blutend zur Seite wirft und auf allen Vieren versucht davon zu robben.
Von Kreiben:“Nehmt sie fest! Ein Gericht soll in Praios Namen über ihre Schuld sprechen.“
Zwei Soldaten packen die blutende Frau und zerren sie weg. Das Raunen der Bauern, welche die Szenerie beobachten wird lauter.
Von Kreiben brüllt: „Ihr Bauern habt große Schuld auf euch geladen! Die Lüge und die Gier sind schwere Sünden! Ich bete täglich zu den Göttern, dass ich die Stunde erleben will, in der ihr endlich von eurer dumpfen Sturheit und dem Götterfrevel ablasst! - Eure Dummheit ist beschämend und sie wirft auch ein schlechtes Licht auf mich, der ich verantwortlich für euch bin! Der Baron grämt sich mehr und mehr über die Falschheit und Verlogenheit seines Volkes – Was soll ich ihm heute erzählen, wenn er fragt wie die Steuereinnahme verlaufen ist?
Von Kreiben schüttelt enttäuscht den Kopf und brüllt weiter: „Wir werden alles Getreide mitnehmen. Den einen Teil als Steuer und den Rest als eure Entschuldigung für eure Falschheit! … Damit ist die Schuld dieses Dorfes fürs erste getilgt.“
Zu den Gardisten: „Bepackt die Esel und bringt alles in den Waldhof!“
Von Kreiben wendet sein Pferd und führt es langsamen Schrittes dem Waldrand zu, Herr Toberen tut es ihm gleich.
In diesem Moment prescht ein Zollreiter aus dem Wald. Er hält sein Pferd unmittelbar vor Von Kreiben und lüftet sein Visier: Herr Hauptmann! Das nächste Dorf ist für die Erhebung der Sondersteuer bereit. Leider mussten wir auch dort den Widerstand einiger Bauern gewaltsam brechen.
Von Kreiben nickt und macht sich daran, los zu reiten.
Ein Bauer läuft ihnen nach und wirft sich vor Von Kreiben auf den Boden: „Bitte Herr! Wenn ihr alles mitnehmt, werden wir verhungern! Lasst uns etwas für den Winter!“
Von Kreiben: „Aber, aber guter Mann … Die Hirse ist doch bald reif. Deine Familie braucht also nicht lange zu hungern.“
Die drei Reiter verschwinden im Blätterregen des herbstlichen Waldes.