Man erntet, was man sät - In die Enge getrieben

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Yassburg, Ende Rahja 1040 BF

In die Enge getrieben

In der Vogtei.
Lautenspiel hallt durch das Atrium. Jemand übt wieder und wieder dieselben Akkorde.
Durch ein kleines, vergittertes Fenster am oberen Teil der Wand fällt der Lichtschatten strahlenden Sonnenscheins auf ein verwittertes, löchriges Mosaik eines kleinen Raumes.
Unter dem Fenster liegt in einem Bett, bleich und verschwitzt, mit halb geschlossenen Augen, Karine Zarabas. Über ihrer Brust liegt ein blutiger Verband.
Rund um sie stehen Brumil, der Vogt von Westbühl, Eckbart von Hirschingen, fürstlicher Schlachtreiter, Roglom Wackerstrunk, Söldnerführer und Morena, Aufständische und Adjutantin Karines.
Eine dünne, große Gestallt tritt in den Raum, verbeugt sich und zieht ihren Hut.

Tibor Tiefentümpel: „Seid gegrüßt. Man hat mich gerufen?“
Brumil blickt auf: „Ja. Ihr seid Alchemist? … Man hat gesagt, ihr verseht euch auch auf die Heilkunst?“
Tibor zwinkert nervös und stottert: „ Ähm … j ja! A-Also … ein wenig. Wwo liegt das Problem?“ Tibor tritt an Karines Bett und begutachtet sie neugierig.
Tibor: „Die Wunde. Wiie ist das p-passiert?“
Karine spricht mit dünner Stimme: „Ein Bolzen hat mich getroffen. Bei der Belagerung von Durstein… Nachdem wir den Ort im Handstreich genommen hatten, belagerten wir die dortige Burg des Barons. Eine erste Entsatz-Truppe konnten wir am Durpass zurückschlagen. Doch einige Wochen später rückte der Baron mit einem Söldnerheer an, um uns zu vertreiben und … dabei wurde ich verwundet… “ Karine hustet.
Morena drängt sich ans Bett: „Wir haben die Wunde gewaschen und verbunden so gut wir konnten. Aber sie heilt nicht. Wir mussten uns rasch aus Durstein zurückziehen.
Die Söldner rückten vom Süden, aus Roterz an. Damit haben wir nicht gerechnet. Wochenlang verbargen wir uns im Eberswald vor den Truppen des Barons… Das heißt, diejenigen von uns, welche den Kampf überlebten. Wir hatten weder Zeit noch das Material für eine ordentliche Versorgung der Wunde. Nur mit Mühe konnten wir uns bis nach Yassburg durchschlagen.“
Eckbart unterbricht sie mit verärgerter Stimme: „Umsonst! Der Baron hat eure Spuren verfolgt. Jetzt hat er uns offiziell zu seinen Feinden erklärt. Weil wir euch Asyl gewährten.“
Karine versucht sich aufzurichten: „Habt keine Angst! Der Albenhuser Bund hat uns Entsatz versprochen.“ Sie sinkt zurück ins Bett: „Die Söldner des Bundes werden bald hier sein …“

Die Anwesenden werfen sich sorgenvolle Blicke zu.

Brumil zu Karine: „Gunelde von Nadoret hat die Thurbrücke sperren lassen. Die Söldner, die der Bund geschickt hat, können nicht nach Drift. Sie werden uns nicht zur Hilfe kommen.
Der Baron bereitet eine Belagerung der Yassburg vor. Seine Truppen nähern sich uns in einer Zangenbewegung. Eine Getreidelieferung für uns wurde bei Thûrbrück konfisziert. Im Süden sammeln sie sich vor Schratental.“
Karines fieberglänzende Augen blicken suchend umher: „Wir könnten uns nach Osten durch den Rabenforst durchschlagen, ehe die Truppen des Barons zu dicht an uns herankommen.“
Eckbart schüttelt den Kopf: „Selbst wenn euch das in eurem Zustand gelingt. Ihr hättet höchstens Zeit gewonnen. Die Truppen des Barons würden euch bald aufspüren und aufreiben. – Wir bereiten uns auf eine Belagerung vor und empfangen den Feind hier.“

Betretenes Schweigen legt sich über den Raum, während Tibor in seiner Tasche nach Heilutensilien wühlt.

Nach einiger Zeit erhebt Brumil das Wort und deutet auf Roglom: „Mein Vetter Roglom hilft mit seiner Einheit seit einigen Wochen, die Yassburg auf einen Ansturm vorzubereiten.“
Roglom zieht Luft durch die Nase und spricht: „Da, da … Dieser Haufen Steine wurde seit tausend Jahren nicht mehr in Ordnung gebracht. Ka Angrosch garaschmox! Es wuchsen sogar Bäume auf den Mauern!
Aber die Substanz ist gut, bei Angrosch. Zwischen die meisten Granitquader passt kein Barthaar – das muss Zwergenwerk sein!
Unter der Burg verlaufen zahlreiche Tunnel. Wir haben noch nicht alle freigelegt, aber einige führen mit Sicherheit auch aus der Anlage hinaus. Auch mehrere alte Fallen haben wir entdeckt und sind gerade dabei, sie wieder in Gang zu setzen. Von Fallgruben bis zu Selbstschussanlagen ist alles vorhanden.
Mit etwas Geschick kann man damit einen anstürmenden Feind zwischen den einzelnen Mauerringen ziemlich dezimieren…
Ein Stollen geht besonders tief und führt Richtung Westen.“
Eckbart: „Richtung Krähenweiher?“
Roglom nickt zustimmend: „Da. Vielleicht noch weiter unter die Thûr durch auf Nordmärker Gebiet. Aber so weit sind wir noch nicht.“
Brumil blickt zwischen Roglom, Eckbart und Karine hin und her: „Wenn wir es schaffen, einen Tunnel auf Nordmärker Gebiet freizulegen, können wir die Söldner des Albenhuser Bundes in die Yassburg schaffen. Dann hätten wir die Kraft, die Truppen des Barons zurückzuschlagen.“
Karine wischt sich Schweiß von der Stirn und nickt: „Wieviel Zeit brauchen die Sappeure dafür? … Und wie viel Zeit haben wir noch, bis die Truppen des Barons stürmen?“
Eckbart beißt sich auf die Unterlippe: „Wenn wir uns hier verschanzen, bleibt nicht genug Zeit. Wir müssen dem Baron Steine in den Weg legen.“
Brumil: „Was schlagt ihr vor?“
Eckbart: „Ein Geplänkel. Wir könnten mit einer Einheit den Maierhof in Schratental besetzen. Es würde sie ein paar Tage kosten, den Hof zu nehmen. Zugleich könnte ich mit ein paar Reitern Richtung Norden. Abseits der Straße versteht sich. Und im Hinterland Unruhe stiften.“

Alle nicken.

Brumils Blick wandert zu Roglom: „Gut… Wie lange brauchen deine Kumpel, um den Tunnel frei zu räumen?“
Roglom: „Vorausgesetzt, der Tunnel führt wirklich unter dem Fluss durch und ist nur mit losem Material verschüttet. – drei, vier Tage.“
Brumil zu Eckbart: „Nehmt ein paar meiner Söldner mit. Leilalinde Azilasuni ist eine gute Reiterin. Sie soll mit euch reiten. Ubarosch und Baltram sollen die Truppe nach Schratental anführen.“

Eckbart nickt, blickt in die Runde und verlässt die Kammer.

Derweil hat Tibor die richtige Dose gefunden. Er öffnet sie, lässt sich den Bolzen bringen, der Karine die Wunde zugefügt hat, und streut ein braunes Pulver über die Klinge.
Brumil blickt ihn verwundert an: „Gehört das Pulver nicht eher auf die Wunde anstatt auf die Waffe?“

Tibor schüttelt den Kopf: „Ich weiß, was ich tue. Versteht ihr was von Sympathetik, Herr Zwerg?“
Brumil schüttelt den Kopf
Tibor: „Das ist eine starke Kraft in der Alchemie. Kennt ihr Magnete, Herr Zwerg?“
Brumil nickt: „Natürlich.“
Tibor: „So wie ein Magnet Eisenspäne wie durch unsichtbare Hand anzieht, so zieht dieses Pulver jene schädlichen Eigenschaften aus der Wunde, welche der Bolzen bei der Verletzung im Fleisch zurückgelassen hat. - Das ist Alchemie!“
Brumil: „Und das hilft?“
Tibor nickt: „Natürlich. – Wie ich schon sagte: Das ist Alchemie!“