Man erntet, was man sät - Die Schlacht bei Unwynfurt II

Aus KoschWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Schlacht bei Unwynfurt II

Unwynfurt, 28. Rondra 1041 BF

Die Abenddämmerung lag über dem Flusstal nahe des Dörfchens Unwynfurt. Seit dem Morgengrauen kämpften die Heere Hakans von Nadoret und der aufständischen drifter Bauern samt ihrer Verbündeten Brumil Wackerstock und Alvide von Eichental um die schmale Holzbrücke über den Fluss.
Während die Schlacht tagsüber einem wenig ambitionierten Geplänkel glich, das nur kurzzeitig von wechselseitigen Vorstößen unterbrochen wurde, kam am späten Nachmittag gehörig Bewegung in die Sache.
Einem Verband der Nadoreter unter der Führung Josper von Kemlar und Erzbart von Drabenburg war es gelungen die Verbündeten zu umgehen. Sie standen nun im Rücken ihres Feindes.
Zur gleichen Zeit lockte Hakan mit einem vorgetäuschten Rückzug seiner Hauptmacht die Verbündeten weg von der Brücke, weit ins Hinterland. Einem Reiterverband unter Balinor von Nadoret gelang es schließlich einen Keil zwischen den zersplitterten Einheiten der Verbündeten zu treiben. Brumil war mit seinem Yassburger Dutzend und dem Drifter Bauernhaufen nun eingekesselt zwischen zwei Verbänden der Nadoreter. Feldwaibel Garosch Sohn des Grimmosch hielt mit den Barabeiner Gleventräger weiter die Brücke, während Alvide von Eichental in aller Eile die Reiterei und Sindelsaumer Garde sammelte um sich Josper und Erzbart entgegenzustellen.

Vor wenigen Minuten waren die Kämpfer des Drifter Bauernhaufens noch siegessicher den sich zurückziehenden Nadoretern hinterhergerannt. Nun fegte Balinor von Nadoret an der Spitze der Landreiter durch ihre Reihen und stieb die Kämpfer weit auseinander, sodass die vorrückenden Nadoreter Spießknechte keine Mühe hatten die lockere Formation der Drifter zu durchbrechen und sie niederzumachen.
Brumil hatte alle Mühe Ordnung in die Reihen der verdutzten Bauern zu bringen. Unter großen Verlusten rotteten sich die überlebenden Kämpfer des Drifter Haufens und des Yassburger Dutzend zu einer dichten Phalanx rund um Brumil zusammen. Die Freude über das geglückte Manöver währte nur kurz, denn eingepfercht zwischen den Leibern der riesenhaften Menschen verlor Brumil den Überblick über das Schlachtgeschehen. Doch an den dumpfen Schlägen der Hufe und den bebenden Erdboden erahnte er, dass eine weitere Angriffswelle der Landreiter bevorstand.
Kurz darauf krachte es gewaltig neben dem Zwerg und der Soldat der gerade noch neben ihn stand sackte in sich zusammen. Jetzt erst sah Brumil den Reiter dahinter, der gerade zum Schwertschlag ausholte. Brumil riss seine Eisenwalder hoch und feuerte blindlings los.
Das Pferd des Reiters bäumte sich unter lautem Wiehern auf. Brumils Knie gaben ob dieses gigantischen schwarzen Ungetüms, das sich vor dem blutroten Abendhimmel abzeichnete nach und er fiel zurück. Aber auch der Reiter rutschte vom Sattel und wurde von dem davon galoppierenden Monstrum mitgeschliffen.

Auf der anderen Flussseite eilte Alvide von Eichental mit allen Streitern die noch reiten konnten zurück zum Feldlager, um aufzusatteln und sich der dortigen Gefahr entgegen zu stellen. Die Barabeiner unter ihrem Feldwaibel Garosch sollten derweil die Brücke halten.
Bis zum Feldlager war es nicht sonderlich weit, aber ihr brannte dennoch die Lunge, als sie dort ankam. Auf freiem Feld saßen dort hoch zu Ross Josper von Kemlar und Erzbart von Drabenburg mit fast fünfzig Reitern. Wie waren die nur hierhergekommen, ohne dass Eberhelm von Treublatt sie gewarnt hatte? Immerhin hatte dieser die einzige andere Brücke über den Fluss bewacht.
Erzbart ritt gemächlichen Schrittes auf Alvide zu. Ihre Leute formierten sich rasch zu einem geschlossenen Haufen um sie. „Alvide von Eichental.“ - rief Erzbart. „Ihr habt diesmal die falsche Seite gewählt. Aber so manch einer der heute mit mir reitet hat unter euch bei den Schlachtreitern im Osten gedient.“ Dabei deutete er auf einige Ritter vom grauen Schild. „Drum erlauben wir euch aufzusatteln und uns zu Pferde entgegen zu treten. Wir werden hier auf freiem Feld warten und den Kampf nach Rittersart ausfechten.“ Ohne eine Antwort abzuwarten wendete der Bärenfanger Baron sein Ross und Ritt zu seiner Schar zurück.

„Schaut nicht gut aus. Schaut gar nicht gut aus …“ Feldwaibel Garosch stand mit seinen Glefenträgern auf der Brücke und beobachtete wie die Nadoreter die kleiner werdende Gruppe des Bauernhaufens geradezu überrollten. Er quittierte es mit vorwährend Kopfschütteln „Nicht gut … bei Angrosch, nicht gut.“ Eine Soldatin neben ihm schluckte „Und wenn ihnen keiner hilft, sind wir die Nächsten.“
Garosch blicke zu ihr auf „Die Baronin befahl, die Brücke zu halten. Wir können ihnen nicht helfen. Und sonst auch keiner. Wir haben die Brücke gut befestigt. Wir können hier auch eine Übermacht eine ganze Weile abwehren.“
Auf der anderen Flussseite löste sich nun der letzte Rest von Ordnung unter den Kämpfern des Drifter Haufens auf und die Streiter versuchten panisch zur Brücke durchzubrechen, als sich die Nadoreter Landreiter eben neu formierten. Auch Brumils Streiter wurden mitgerissen. Die Nadoreter Kämpfer waren ihnen dicht auf den Fersen und machten viele der Fliehenden nieder.
Eine wild gemischte Menschenmenge drängte nun über die Brücke. Garosch fluchte. In das Gedränge konnten sie nicht schießen, da würden sie ihre eigenen Leute treffen.
„Macht euch bereit“ rief er um seinen Leuten Mut einzuflößen und griff den Spieß fester. Zwei Drifter Bauern kletterten über die Barrikade bevor Garosch einen Nadoreter Fussknecht zu Gesicht bekam. Kurz entschlossen stieß er mit seinem Spieß zu und warf den Mann zu Boden. Sofort nahm ein neuer Streiter seinen Platz ein und Garosch musste sich unter einem Hellebardenhieb hinweg ducken. Diesmal handelte es sich um keinen halbherzigen Angriff. Die Nadoreter waren siegestrunken und unter seinen Leuten machte sich Panik breit, denn die fliehenden Bauern hatten nicht angehalten nachdem sie die Barrikade überklettert hatten, sondern flohen in den Wald hinein. Nur einige wenige Kämpfer verstärkten die Reihen der Glefenträger. Sie waren nun gut und gerne drei zu eins unterlegen und die Nadoreter gedachten ihren Vorteil zu nutzen. Bolzen hagelten auf die Verteidiger ein und zwangen die weniger tapferen sich hinter die Barrikade zu ducken. Die tapferen wurden derweil von einem Wald aus Hellebarden bedrängt und so manch einer ging tot, oder verwundet zu Boden, unter ihnen auch Pergrim von Sindelsaum, dem ein Armbrustbolzen in die Schulter drang, als er einen Nadoreter abservieren wollte.
Garosch hatte seinen Spieß mittlerweile verloren und seinen Felsspalter zur Hand genommen. Zahlreiche Verteidiger waren bereits unter der Wucht des ersten Angriffes gefallen und nun begannen die Nadoreter die Barrikade zu überklettern. Ein Armbrustbolzen zischte knapp an seinem Kopf vorbei, doch Garosch ignorierte ihn und zielte mit seiner Axt auf den Helm eines Nadoreters. Im letzten Moment veränderte der Mann seine Position und Garoschs Axt fuhr in seine Schulter. Kurz verlor Garosch seinen Halt und benötigte einen Moment um sich zu stabilisieren. Der kurze Moment der Unaufmerksamkeit genügte für einen Hellebardenstoß, der ihn zu Boden schickte. Rücklings fiel er die Barrikade herunter. Einen Moment lag er benommen da.
Der Kampfeslärm war ohrenbetäubend. Hinter der Barrikade lagen zahlreiche Tote und Verwundete der Verbündeten. Die Nadoreter waren bereits auf der Barrikade. Auch vom Feldlager her ertönte Kampfeslärm. Die Lage war aussichtslos.
„Rückzug!“ rief Garosch während er sich mühsam aufrappelte. Sie standen hier auf verlorenem Posten und es waren bereits zu viele von ihnen zu Boron gegangen. Nur einige wenige Glefenträger schafften es sich vom Feind zu lösen um einige Schritte zwischen sich und die Barrikade zu bekommen, andere wurden abgeschnitten, oder waren zu müde, oder verwundet um zu fliehen. Stattdessen legten sie ihre Waffen nieder und erhoben ihre Hände.
Garosch nahm dies kaum noch war, sondern rannte mit einem halben Dutzend seiner Leute zum Feldlager, vielleicht konnten sie dort noch etwas ausrichten, bevor sich die Nadoreter an der Brücke neu formiert hatten.

Alvide und ihre Leute hatten nicht lange gebraucht um ihre Pferde zu besteigen. Sie blickte die Reihe ihrer Reiter entlang. Die Nadoreter waren ihnen zahlenmäßig leicht überlegen, aber nicht um vieles. Mehr Sorgen bereitete ihr, dass viele ihrer Gardisten eher Fußsoldaten waren und ihre Pferde meist eher zur Fortbewegung als zum Kampf nutzten. Daher hatte sie ihre Leute in zwei Reihen aufgestellt. Die Ritter und erfahrenen Waffenknechte in der ersten Reihe, der Rest dahinter. Sie selbst hatte sich in der Mitte positioniert, während Barthalm von Rohenforsten zur Linken und Edelfried von Butterbös zur Rechten ritten.
Die Reiter um Erzbart von Drabenburg und Josper von Kemlar hatten geduldig gewartete, bis sie bereit waren. Erst dann schlossen sie ihre Visiere und trabten an. „MIT RONDRA UND BADUAR“ riefen sie.
Alvide war kurz irritiert. Das war doch ihr Schlachtruf. Nein korrigierte sie sich. Das war der Koscher Schlachtruf. Drum rief auch sie „MIT RONDRA UND BADUAR“ und trieb ihr Pferd nach vorne.
Die Reiterhaufen näherten sich einander erst langsam, dann wurden die Pferde immer schneller. Wer Lanzen hatte senkte diese, wer nicht duckte sich hinter seinen Schild. Eben erst hatte sie den Befehl zum Angriff gegeben und drei Augenblicke später rasten sie bereits auf einen Reiter mit einem grauen Schild zu. Alvide zögerte nicht. Zum Denken blieb ihr keine Zeit. Sie zielte intuitiv mit ihrer Lanze und riss ihren Gegner aus dem Sattel. Ob sie wohl zusammen gegen Haffax gekämpft hatten?
Schon raste der nächste Gegner heran und verpasste ihr einen Hieb gegen ihren Schild, noch bevor sie ihr Schwert hatte ziehen können. Ihren nächsten Gegner streifte sie mit ihrem Schwert am Helm, dann war sie auch schon durch die Reihen ihrer Feinde durchgebrochen. Hastig wendete sie ihr Pferd, trabte auf den erstbesten feindlichen Reiter zu und tauschte mit ihm Hiebe aus. So wogte der Kampf eine ganze Weile hin und her, ohne das eine Seite einen klaren Vorteil erringen konnte. Immer mehr Sättel wurden auf beiden Seiten leer und obwohl es allmählich dunkel wurde ging der Kampf unvermindert weiter.
Alvide fand sind umringt von Feinden, die es auf sie als Anführerin abgesehen hatten. Ohne ihren tapferen Knappen Alerich wären sie längst unter diesem Ansturm gefallen, doch er hielt ihr wacker den Rücken frei. Mit einem Mal wurde der Kreis um sie lockerer und ihre Gegner senkten ihre Waffen. Verwirrt blickte Alvide um sich. Etwas abseits sammelte sich gerade eine Schar ihrer Reiter unter Barthalm von Rohenforsten zu einem erneuten Angriff, doch die meisten ihrer Leute waren, ebenso wie sie im Kampf gebunden.
„Gebt auf von Eichental.“ Rief eine Stimme und ein Reiter in prächtiger Rüstung ritt herbei. Das war Hakan von Nadoret. Seine Augen waren gerötet, als hätte er weinen müssen, aber in seinem Rücken ritt eine erkleckliche Anzahl Nadoreter Landreiter, dicht gefolgt von einer großen Schar Fußsoldaten.
„Eure Lage ist hoffnungslos. Eure Fußtruppen sind zerschlagen, oder niedergemacht worden, Brumil ist tot, oder geflohen, die Brücke ist gefallen und ihr seid umzingelt. „Legt also eure Waffen nieder und ergebt euch.“ Alvide musste zugeben, dass ihre Lage ausweglos war. Hakan hatte sie gründlich geschlagen. Beim Anblick der vielen Toten und Verwundeten, die den Boden bedeckten wurde ihr schwer ums Herz. Sie hatten tapfer gekämpft und doch verloren. Rondra war nicht mit ihnen gewesen. Sie sah keine Möglichkeit weiterzukämpfen, oder zu entkommen und so senkte sie ihr Schwert. „Ich ergebe mich euch.“
Hakan nickte. „Es ist bereits genug Blut vergossen worden. Auch mein Sohn Balinor gehört heute zu den Gefallenen. Es heißt, ein Bolzen aus Brumil Wackerstocks Armbrust holte ihn aus dem Sattel. Falls der Zwerg noch unter den Lebenden weilt, werde ich ihn dafür zur Rechenschaft ziehen. Euch aber soll nichts passieren. Euer Gatte wird euch auslösen können, wenn die Zeit gekommen ist.“ Die Reiter, die ähnlich wie Alvide mitten im Getümmel gesteckt hatten legten ihre Waffen ebenfalls nieder, aber von der kleinen Reiterschar um Barthalm von Rohenforsten fehlte jede Spur.