Man erntet, was man sät - Die List von Thûrbrück

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Thûrbrück, Praios 1041 BF

Die List von Thûrbrück

Kein Lüftchen regte sich am wolkenlosen Himmel und aus den feuchten Auwäldern der Umgebung legte sich drückende Schwüle über das Land.

Das Heer des Barons lagerte einige hundert Schritt vor dem Grenzort Thûrbrück am Rande eines kleinen Wäldchens. Allen voran saß Baron Narmur in voller Montur auf einem weißen Tralloper Riesen und suchte mit seinem Blick die Gegend rund um das Dorf ab.
„Diese Idioten lassen mich allzu lange warten“, murmelte er, während er sich mit einem Tuch die schweißnasse Stirn abwischte und anschließend zu einem Rundumschlag gegen die allgegenwärtigen Stechmücken ausholte. Anschließend winkte er Josper von Kemlar, den Hauptmann der Garde herbei: „Habt ihr den Soldaten gut eingebläut, was ich euch gesagt habe?“
„Ja, Euer Hochgeboren! – Wir greifen erst ein, wenn die Söldner aus den Nordmarken die Brücke passiert haben, und versperren ihnen den Rückweg.“
Narmur nickte und deutete auf die Zollfeste Thûrstein, die etwa zwei Meilen südlich aus den Auwäldern emporragte: „Und mach ihnen Beine. Wenn die Gräflichen hier auftauchen, muss alles erledigt sein.“

„Endlich! Da kommen sie!“ Narmur deutete auf eine Gruppe Soldaten unter dem Banner des Westbühler Vogts Brumil, die sich von Süden her rasch dem Dorf näherte. Kurze Zeit später schlugen die Glocken des Thurbrücker Traviatempels Alarm.
Narmur grinste höhnisch: „Die Soldaten sollen sich bereitmachen. Wir greifen an, wenn die Nordmärker Söldner ihren Verbündeten zu Hilfe eilen. Sobald wir das Signal erhalten, geht es los!“
Schreie und Kampflärm schallten aus Thûrbrück den wartenden Soldaten entgegen, während einige Minuten verstrichen. Dann ertönte ein Signalhorn.
Narmur zog sein Schwert und brüllte: „Zum Angriff, bei den Göttern!“
Die Soldaten stürmten unter lautem Geschrei an ihm vorbei auf das Dorf zu. Narmur trabte dem Trupp gemächlich hinterher, flankiert von zwei Drifter Zollreitern.

Als Narmur den Hauptplatz erreichte, war der Kampf bereits vorüber. In ungewohnter Eintracht umzingelten die örtlichen Soldaten der Junkerin, Söldner der Bärenklammer Spießläufer, Soldaten unter Brumils Banner und Drifter Gardisten die Nordmärker Söldner, die bereits ihre Waffen gestreckt hatten.
Barmine von Rüpeln zog sich den roten Wappenrock Brumils vom Leib, während sie auf Narmur zuging: „Eure List ist geglückt, Herr Baron. Die Nordmärker Söldner haben die Blockade der Thûrbrücke durchbrochen, als sie uns kommen sahen. Sie sind uns direkt in die Arme gelaufen!“
Narmur nickte: „Womit der Beweis, dass der Vogt von Westbühl mit den Aufständischen unter einer Decke steckt, endgültig erbracht ist. Die Söldner wurden vom Albenhuser Bund geschickt, um Karine Zarabas, eine Aufständische! – zu unterstützen. – Und sie zögerten keine Minute, um deren Komplizen Brumil, den sie vermeintlich gegen die Soldaten der Junkerin kämpfen sahen, zur Hilfe zu eilen!“
Narmur rieb sich die Hände: „Wie zu erwarten, waren sie zu dumm, um zwischen echten Soldaten des Vogtes und solchen, die sich nur so verkleideten, zu unterscheiden!“
Narmur wendete sich an die Nordmärker Söldner: „Ich sollte euch alle wegen Hochverrats rädern und pfählen lassen!“

Narmur lächelte triumphierend:“ … Aber ich gebe euch eine letzte Chance…“