Kaiserturnier 1041 - Yandriga von Urbet gegen Padora von Boltansroden

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Gareth, 3. Praios 1041, mittags

„Es zieht Sturm auf!“, erklärte Padora von Boltansroden besorgt. Sie legte ihrer Knappin die Hand auf die Schulter und schärfte ihr erneut ein: „Falle ich, dann lässt Du mich liegen! Was auch immer geschieht, Du lässt mich liegen! Hast Du das verstanden?“ Elysea schluckte schwer, das Unbehagen stand ihr ins Gesicht geschrieben, dennoch nickte sie und ihr schwarzer Schopf nickte mit.
„Deine Aufgabe ist Asal.“, fuhr die Ritterin seltsam ernst fort, „Du wirst Dich um ihn kümmern, denn ein Ritter ist nichts...“
„...ohne sein Streitross.“, setzte die Knappin fort, „Es ist sein wertvollste Besitz!“
Padora nickte sichtlich zufrieden: „Und das, Elysea, was Asal so wertvoll für mich macht, das sind nicht etwa die vielen Dukaten, die er gekostet hat. Er ist mein treuester Begleiter, mein bester Freund, ein Angehöriger der Familie mit dem ich bereits so viel durchgestanden habe und mit dem ich in schlechten Zeiten alles teile – Wasser, Nahrung, Schutz. Und wenn ich mich von seinem Rücken schubsen lasse, dann ist das mein Problem und nicht seines und deswegen… geht er vor. Kümmere Dich also gut um ihn! Mein Bruder...“ Sie wandte ihren Blicke zu dem Golgariten. „… wird sich gut um mich kümmern, nicht wahr? Und seien wir doch mal ehrlich, Elysea, wenn Du Asal wärest, würdest Du Dich lieber von irgendeinem dahergelaufenen Golgariten am Zügel fassen lassen oder von einer hübschen, dunkelhaarigen Knappin?“ Padora versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln.

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„Dan…“, wollte es der horasischen Cavalliera bereits entfahren, als sie sich auch im dritten Lanzengang gegen ihre zwar jüngere, aber hoch eingeschätzte Gegnerin mühelos im Sattel hielt. Erst dann bemerkte sie, dass Padoras letzter Stoß doch gereicht hatte, die eigene Lanze splittern zu lassen … Die Taubheit, die sie mit dieser Erkenntnis überfiel, war eine rein mentale. Denn der Tjost war – um Haaresbreite wohl, nur wen interessierte das schon – verloren.

Während ihr Streitross wie von selbst den Weg zum Ende der Turnierbahn fortsetzte, gingen Yandriga die Gedanken durch den Kopf. Hatte sie zu viel Respekt vor der jungen Koscherin gehabt anstatt sich auf die eigenen Stärken zu verlassen? Hatte sie die Herrin, deren Tempel sie am frühen Morgen wieder aufgesucht hatte, irgendwie verärgert? Warum hatte sie sich nicht auch für die Einhandwaffenkämpfe angemeldet? Gab es für sie hier jetzt überhaupt noch etwas zu tun? Sie fieberte an und für sich auch bei anderen Kämpfen mit … aber vier Tage in Folge, um am Ende einem ihr gänzlich Fremden zuzujubeln?

Sie musste sich zusammenreißen! Die Grüblerei war nun wirklich nicht ihre Stärke, das wusste sie, und auch, dass sie selten wirklich etwas brachte. So griff sie die Zügel wieder fester, gab ihre eigene ungebrochene Lanze an ihre am Ende des Turnierfelds wartende Knappin ab, wendete ihr Ross und ritt die Turnierbahn sogleich noch ein viertes Mal lang. Erst, als sie vor ihrer Gegnerin angekommen war, brachte sie ihr Ross zum Stehen, klappte das Visier des Stechhelms hoch … und gratulierte: „Ein guter Stoß, Ritterin, zum Wohlgefallen der Leuin! Mögt ihr weit kommen!“
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Padora blinzelte. Der Schweiß rann ihr in die Augen. Noch immer atemlos wischte sie sich mit ihrem Wappenrock pragmatisch übers Gesicht, ihren Helm hatte sie abgelegt, und blickte nun ihre Kontrahentin an.
„Habt Dank...“, hob Padora an, „.. für Eure Worte. Ihr habt mir alles abverlangt, Cavalliera, alles.“
Es war ein anstrengendes Aufeinandertreffen gewesen. Der Koscherin war dies auch deutlich anzusehen: Ihre Gesichtszüge waren angespannt, ihr Atem ging schnell, ihr Herz schlug noch schneller, Schweiß lief ihr noch immer übers Gesicht. Erneut wischte sie ihn fort.
„Ich werde mein Bestes geben! Mein allerbestes!“, versicherte die Ritterin nickend, „Mögen die Zwölfe allezeit mit Euch sein, Yandriga von Urbet.“ Der Sturm war vorbeigezogen und Padora war noch da.

Autoren: Gonfaloniere, Nale