In Gefangenschaft

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Geron trug Lanzelind unter seinem starken Arm. Die junge Knappin wehrte sich mit all ihren Kräften, sie schlug, kratzte und Biss. Letzteres brachte ihr eine schallende Ohrfeige ihres sie begleitenden Vaters ein.
Der Söldnerfüher folgte dem Junker hoch in den Turm des Rosenschlosses. Elwart öffnete eine schwere Eichentür. Mit Schwung warf Geron die Tochter des Junkers in das Zimmer hinein, auf dem Boden liegend stellte Elwart seinen schweren Reiterstiefel auf ihre Brust. Lanzelind krächzte vor Schmerz, während Elwarts stechendes Augenpaar auf ihr lastete.
„Ich bin nun Dein Knappenvater. Ich erziehe Dich nach meiner Auffassung. Ich bin hier Recht und Gesetz. Ich bestimme über Dich und über Dein Leben.“
Seine Tochter zitterte vor Angst.
„Ich will genauso wenig Dein Vater sein, wie Du meine Tochter. Mein geliebter Sohn ist tot, meine verhasste Tochter lebt. Da ich diese Tatsache nicht ändern kann, wirst Du Dich ändern.“
Er ließ die drohenden Worte im Raum stehen und verließ diesen schnellen Schrittes. Lanzelind hörte, wie ein Riegel die Tür blockierte. Sie stand auf und verschaffte sich einen Überblick. In einem Turmzimmer war sie eingesperrt. Tränen liefen über ihre Wangen, voller Wut donnerten ihre Hände vor die Holztür und sie schrie aufgebracht. Keiner reagierte auf ihr Leid. Schluchzend legte sie sich auf das Bett…
Tage vergingen, es kamen ihr vor wie Monate. Einzig karge Mahlzeiten und klares Wasser wurde ihr durchgereicht und der Nachttopf gereinigt. Sie wollten sie brechen.
Wie täglich schritt sie ihr kleines Zimmer ab und schaute durch das vergitterte Fenster. Ihr Vater war gerade mit einer Dame unterwegs, sie schienen sich zu streiten. Lanzelind fokussierte die beiden und erkannte Alvide von Herbonia, die mit ihrem Vater stritt. Wahrscheinlich konnte sie wieder ihre Raten nicht zahlen, dachte sie, sich ihr Blick mit dem eines Jünglings kreuzte, der hinter den beiden folgte.
Sie hämmert mit ihrer Hand vor die Butzenglasscheibe und schrie um Hilfe. Natürlich konnte er es nicht hören, doch ihre Verzweiflung war ihr ins Gesicht geschrieben. Der Jüngling blieb stehen und starrte gebannt in ihre Richtung. Er gestikulierte, sie zurück. Ohne dass sie genau wussten, was der andere wollte. Traurig musste Lanzelind mit ansehen, wie er mit der Baronin das Rosenschloss und seinen prunkvollen Garten verliess.
Die Hoffnung in ihr schwand.


Autoren: Lanzelind