Entscheidung im Wengenholm - Angbarer Epilog

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Angbar, 1033

Bohemund von Falkenhag und Feron von Nadoret blickten sich fragend an. Beide waren Anfang Praios 1034 an den Hof des Fürsten nach Fürstenhort gerufen worden, und so waren beide nach Fürstenhort geeilt.
Als sich die beiden Männer nun vor dem Thronsaal Fürstenhorts erblickten stand ihnen die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Beiden war klar worum es ging. Der Fürst musste den neuen Vogt für die Stolzenburg und die wichtigen Albuminer Erzminen ernennen, doch warum hatte er beide Männer zu sich gerufen?
Feron hatte sich bereits Hoffnungen gemacht. Immerhin hatte er mit seinen Truppen länger als irgendwer sonst an der Seite Graf Jalliks gekämpft, und kurz vor seiner Abreise hatte der Graf ihm angeboten sich beim Fürsten für ihn zu verwenden.
Bohemund hatte sich ebenfalls Hoffnungen auf das Amt gemacht, denn sein Vater Voltan hatte hinter den Kulissen wohl einige Strippen gezogen. Es war nicht zuletzt eine Tochter Orsinos von Falkenhag, die Graf Jallik kürzlich geheiratet hatte.
Endlich öffneten sich die Torflügel und ein Garde-Greve trat hervor.
„Der Fürst ist nun bereit euch zu empfangen“, verkündete der Ritter mit ernster Stimme.
Beide Adligen erhoben sich von der Bank und schritten gemessenen Schrittes hinter dem Garde-Greven her. Fürst Blasius saß auf seinem Thron und blickte den beiden Männern freundlich entgegen. Für einen Provinzherrn war er erstaunlich bescheiden gekleidet, aber bei der Sommerhitze konnte ihm dies kaum jemand verdenken. Trotz der kühlen Mauern herrschte im Rittersaal eine relativ hohe Temperatur. Weder Feron noch Bohemund beneideten die Garde-Greven, die in voller Rüstung, wenn auch ohne Helm, Wache standen.
Etwas unterhalb des Fürsten saßen drei der Berater des Fürsten. Cantzler Nirwulf war damit beschäftigt, seine Pfeife zu stopfen, und beachtete die Vorgänge kaum. Wehrmeister Thorben Raul Baduar von Hammerschlag und Säckelmeister Erlan von Sindelsaum unterhielten sich derweil gedämpft und nahmen nicht viel Notiz von den beiden Neuankömmlingen.
Einige Schritte vor dem Thron entfernt blieb der Garde-Greve stehen und verkündete mit tragender Stimme: „Ihre Wohlgeboren Feron von Nadoret und Bohemund von Falkenhag mein Fürst.“
Blasius nickte dem Greven dankbar zu, woraufhin dieser zur Seite trat. Sowohl Feron, als auch Bohemund verbeugten sich tief vor dem Fürsten, doch dieser winkte nur ab.
„Ich habe euch hierher rufen lassen, um die verbliebenen vakanten Lehen im Wengenholm zu besetzten. Beide habt ihr euch bei den Kämpfen ausgezeichnet, und so sollen eure Taten nicht unbelohnt bleiben.“
Kurz machte Blasius eine Pause. Selbst dem alternden Fürsten fiel dabei auf, wie sich die Gesichter der beiden Adligen anspannten.
„Euch, Feron, möchte ich das Amt des fürstlichen Vogtes zu Stolzenburg antragen. Von dort aus sollt ihr über die nördliche Grenze wachen und die Erzminen wieder in Betrieb nehmen. Die fürstlichen Truppen sollen euch dabei ebenso wie das Erzdorf unterstellt werden.“
Feron mühte sich sein Gesicht neutral zu halten, aber die Freude war ihm dennoch anzusehen. Demütig beugte er sein Haupt, auch um eine gewisse Schadenfreude gegenüber Bohemund zu verbergen.
„Euch aber, Bohemund, möchte ich eine andere wichtige Ehre antragen. Zu lange schon steht der Fürstliche Wehrturm in Harzklamm leer. Vor dem Jahr des Feuers hielt dort einer aus eurem Hause, Alrik von Falkenhag-Zandor, lange und treu Wacht. Diese Ehre soll wieder eurem Hause zufallen, und so möchte ich euch hiermit zum fürstlichen Schlachtreiter und Herrn über Harzklamm erheben. Ihr mögt kein Ritter sein, aber eure Tapferkeit und eure Eignung habt ihr genügend unter Beweis gestellt.“
Auch Bohemund beugte das Haupt, aber nicht um seine Freude zu verbergen, sondern seine totale Überraschung. Herr über Harzklamm sollte er sein? Ein Wehrthurm im äußersten Norden des Kosch, der allein im vergangen Jahr dreimal den Besitzer gewechselt hatte? Das kam eher einer Verbannung, als einer Belohnung gleich. Lefke und die Kinder konnte er unmöglich nach dort oben bringen. Sein Vater würde toben.
„Dies ist der Wille des Fürsten. Werdet ihr seinem Wunsch folgen?“ fragte der Grade-Greve, der sie bereits herein geführt hatte, fast schon retonisch.
„Mein Schwert, mein Leib und meine Treue sollen euer sein“, sprach Feron feierlich.
„Dann trete vor und leistet den Lehnseid“, antwortete Blasius freundlich, und so geschah es.
Auch Bohemund sprach die Worte, aber seine Gedanken überschlugen sich noch immer. Es war ihm dennoch nicht entgangen, dass die drei Berater des Fürsten sie aufmerksam gemustert hatten. War da etwas Spott in den Augen des Sindelsaumer Barons gewesen? Doch bevor er den Gedanken weiter spinnen konnte, klatschte der Fürst in die Hände und erhob sich.
„Das soll nun reichen für den Tag. Lasst uns speisen.“