Entsatz des Rhodensteins

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Texte der Hauptreihe:
K1. Entsatz des Rhodensteins
1027 BF
Entsatz des Rhodensteins

Kapitel 1

Autor:?

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Ausgabe Nummer 35 - 1027 BF

Letztes orkisches Heer auf Reichsboden geschlagen

Trallop. Nur mit Mühe hatten die Getreuen den Prinzen zurückhalten können. Edelbrecht vom Eberstamm hatte auf dem Reichskongress von den Siegen zu künden vermocht, welche die Ritter seiner markgräflichen Gemahlin und seine eigenen Gefolgsleute im Finsterkamm und vor Nordhag über die Schwarzpelze errungen hatten. Noch bevor er aus der Hand der Reichsbehüterin den Bronzenen Greifenstern empfing, hatte Prinz Edelbrecht gelobt, den bedrängten Geweihten des Rhodensteins zum Entsatz zu eilen, und dafür eifrig um Unterstützung bei den versammelten Edlen des Reiches geworben. Da wollte mancher mit dem koscher Prinzen die Orken stechen, und sein fürstlicher Vater war nicht der geringste unter ihnen.

Als nun die Schreckensnachricht aus Donnerbach die Runde machte, hätte der Prinz fürwahr gern sein Gelöbnis widerrufen und sich mit den Seinen dem Bruder seines Vaters, Marschall Geldor, angeschlossen. Der jedoch erinnerte seinen Neffen an seine Worte – und wichtiger noch: „Scheitern wir, steht ihr als einziges Heer zwischen Trallop und dem Darpat.“ „Ihr werdet nicht scheitern. Aber ich folge“, war des Prinzen Antwort. So harrten all jene aus, die sich um Fürst und Prinz vom Eberstamm und ihr Kriegsbanner Ondifalors geschart hatten: rund fünfzig Greifenfurter Barone und Ritter und noch einmal so viele koscher Adelige und Schlachtreiter, die des Fürsten Bedeckung gewesen waren, des Prinzen Falkenritter, mehr als ein Dutzend Nordmärker Ritter vom Bund der Koradiner mit nicht weniger als 40 berittenen Waffenknechten, Edle aus Darpatien, dem Bornlande, ein Streiter vom Orden des Bannstrahl und manch Tapferer mehr. Gleichwohl sandte der Prinz vorausschauend den Baron vom Nebelstein gen Nordhag und zwei koscher Recken als Späher zum Rhodenstein. Aus dem Feldbuch des Halwart vom Eberstamm zu Ochsenblut, Falkenritter: Kaum dass die Nachricht von der Überquerung des Rathil Trallop erreicht hatte, befahl Edelbrecht eilends den Aufbruch. Heute empfing mein Vetter den Baron von Sighelms Halm, einen der zurückgekehrten Späher: Der Abtmarschall hat Wort gehalten: Die Mauern des Rhodenstein stehen noch immer und auf den Zinnen trotzen die Geweihten dem Feind.

Bericht Brinjas von Firnharsch, Knappin: Von Nordhag ist der Rhodenstein schneller erreicht als von Trallop, weswegen uns der Baron von Nebelstein in einiger Entfernung von der Ordensfeste auf die übrigen Greifenfurter und die Ritter des Prinzen warten ließ, mit denen wir uns für den Entsatz vereinigen sollten. Den Schutz des befreiten Nordhag hatten wir Weidener Kriegsleuten überlassen. Mit uns gekommen waren die Streiter eines seltsamen Bundes aus der Heldentrutz, die vor Nordhag unsere Waffengefährten gewesen waren: Menschen, Finsterkamm-Zwerge und Elfen gar, geführt vom Waldläufer Grimmwulf dem Grünen. Jener war es auch, der uns einen einigermaßen versteckten Lagerplatz gewiesen hatte, und im Morgengrauen aufgeregt zum Baron von Nebelstein, dem Marschall Greifenfurts, kam: Eine größere Schar Orken war in der Nacht vom Rhodenstein gen Norden geeilt, dem Heer des Prinzen entgegen. Wir machten uns an die Verfolgung.

Zusammenfassung verschiedener Berichte: Der orkische Häuptling blutete aus vielen Wunden. Wenngleich er sieben der Unsrigen gefällt oder verwundet hatte, waren seine Krieger allesamt erschlagen oder geflohen. Beinahe wäre sein perfider Plan aufgegangen: Häuptling Grakwach und die Seinen hatten den Hufschlag der sie verfolgenden Greifenfurter aus Nordhag schon beinahe hinter sich gehört, aber bis zum Abend stets ihren Vorsprung gehalten. Dann aber lauerten die Schwarzpelze ihren Jägern auf. Überraschung und Dunkelheit machten die Unterzahl der Orken mehr als wett. Der Marschall von Nebelstein fluchte, seine Befehle schienen ungehört zu verhallen. Schon musste Grakwach seinen Plan erfüllt sehen: Das kleinere Menschenheer zerschmettert und mit den Zeichen des Sieges geschmückt dem Größeren entgegenziehen. Doch fehlten dem Orkenhäuptling dafür die Krieger. Womöglich hatte er sich eigenmächtig unseren Entsatzheeren entgegengestellt. Der Schamane Ugrashak hatte getobt, als er davon erfuhr, berichteten die Rhodensteiner und der Hammerschlager hernach. Grakwach hatte alles gewagt und alles verloren. Zu früh gelang es dem Nebelsteiner seine Reihen zu ordnen, viel zu früh für Grakwachs finsteren Plan waren die Ritter des koscher Prinzen aus Trallop heran und fällten die verbliebenen Orkenkrieger.

Dem Schamanen konnte Grakwach jetzt nicht mehr gegenübertreten. Er bleckte die Zähne, dann stieß er sich seinen Khurkach tief in den Leib und schleuderte die blutigen Eingeweide den Menschenfürsten entgegen, bevor er tot zu Boden sank.

Bericht Norres von Bjaldorn, Burgsass des Rhodensteins: Der Abtmarschall hatte, wie an jedem Morgen in den letzten vier Monden, seine Position auf der höchsten Zinne der Feste eingenommen, als am Horizont die Banner auftauchten, die Entsatz verhießen. Alte Banner aus der Mark Greifenfurt und aus Weiden waren darunter, Orkenwall, Weißenstein und Weidenfels konnte ich erkennen, doch alle überstrahlte das Banner des fürstlichen Hauses Eberstamm. Gleichzeitig kam Bewegung in die Schwarzpelze zu Füßen der Burg. Ugrashak schien nicht gewillt, sich die Beute, die er sicher glaubte, noch entreißen zu lassen. Der Abtmarschall musste meine Gedanken gelesen haben: „Zeigen wir Ugrashak, dass wir keineswegs so sturmreif sind, wie er zu meinen scheint!“ Während die Schwertbrüder und Schwertschwestern die Wälle besetzten, wie stets wenn der Türmer zum Kampfe rief, war der Schamane der Orks von dem riesigen Wagen gestiegen, von dessen Plattform er vier Monde lang den Sturm auf die Feste befehligt hatte, und hatte mit einem gezackten Opfermesser einen der riesigen Steppenrindbullen geschächtet, der ins Joch des Wagens geschirrt gewesen war. Als das Tier blutend in die Knie brach, trieb der Schamane mit groben Schlägen seiner Knochenkeule einen mächtigen Streitoger vor sich her und bespritzte ihn grob, aber äußerst reichlich mit dem dunklen Blut des Bullen, wozu er einen kehligen Singsang anstimmte. Dieweil war der finale Sturmangriff der Schwarzpelze voll entbrannt. Doch während unsere Geweihten Morgenluft witterten, kämpften die Orks allenfalls mit dem Mut der Verzweiflung, so als wüssten sie, dass der Wille ihres Herrn, so unbeugsam er auch sein mochte, nicht in einem weiteren Angriff zu zwingen vermochte, was in allen Angriffen während über hundert Tagen nicht gelungen war. Waren auf den Wällen auch nur mehr 40 Geweihte verblieben, so ließ ihre Tapferkeit ihre geringe Zahl vergessen. Die Orkkrieger mussten von ihren Anführern mit Peitschen gegen die Wälle getrieben werden, einzig der Oger stampfte, kaum von der Kette gelassen, wie besinnungslos gegen das Tor zur Hochburg vor. Und wahrlich, er musste unter einem dunklen Zauber stehen, denn mag die Kraft dieser Ungetüme auch immens sein, so reicht sie bei weitem nicht, die zyklopischen Tore des Rhodensteins zu sprengen. Dieser Oger aber ließ die Scharniere erklirren und den Torbogen ächzen. Die Stimme meines Herrn vibrierte voll Unwillen, als er sich von seinem Posten löste und mir ein Zeichen gab, ihm zu folgen. „Zu wenig, Ugrashak, und viel zu spät…Wohlan denn, Burgsass, lasst uns diese Farce zu Ende bringen.“ Aus dem Feldbuch Halwarts vom Eberstamm zu Ochsenblut, Falkenritter: Während andernorts in Weiden die Peraineblümlein die Wiesen schmückten, bot sich vor dem Rhodenstein eine Wüstenei dar. Der Weiler verlassen, die Dörfler wohl alle in die Feste oder nach Osten geflüchtet, die Hütten zuvor vorsorglich verbrannt. Und wo einst Weiden standen – keine Spur mehr von Grün, sondern geschändeter Grund. Die Schwarzpelze hatten keine Zeltlager aufgestellt, sondern sich Erdlöcher in den Boden gegraben, hunderte und aberhunderte von Erdlöchern, und in jedem ein Krieger der Zholochai. Wer noch nicht im letzten Orkenzug gefochten, den mochte angesichts dessen ein Schauder überkommen. Die altgedienten Streiter hingegen blieben gelassen.

„Lächerlich“ schnaubte Meister Growin von Ferdok angesichts der Schanzwerke, verließ seine Reisekutsche und schulterte die Axt, bereit schnurstracks auf die Schwarzpelze zuzustapfen. „Es sind ihrer nicht mehr als der Unsrigen, mein Fürst“, meldete der Rittmeister von Hammerschlag, „aber sie scheinen uns nicht einmal recht wahrzunehmen. All ihr Sinnen gilt noch immer der Einnahme der Burg.“ Der koscher Fürst strich sich nachdenklich durch den von der Kettenhaube eingezwängten Bart und blickte zum Burggrafen von Baliho. „Ugrashaks Wahn“, raunte jener und seine Augen funkelten. Dann gab Prinz Edelbrecht das Zeichen und donnernd brachen sich Pferd und Reiter Bahn. Bericht Borckharts von Brauningen-Binsböckel, Herold des Mittnächtlichen Herzogtums: „Die Schwarzpelze, die nicht beim Sturm auf die Wälle unter den Streichen der Geweihten gefallen waren, flohen Hals über Kopf, als die Reiter aus Greifenfurt, dem Kosch und dem Herzogtum Weiden auf breiter Front gegen die Feldschanzen des Orklagers vorpreschten, und weder die Peitschen der Aufseher noch die gebrüllten Flüche des Großschamanen vermochten sie noch zu halten. Was folgte, war ein Massaker, der Beschreibung unwürdig: Kaum verlangsamte das Niederreiten der Flüchtenden den Galopp unserer Pferde, auch nicht die von den Orken gegrabenen Löcher und in die Erde gerammten Pfähle – und nur hier und da sah ich einen der Unsrigen stürzen. Erst als des Prinzen Ritterschar die gesprengte Pforte ins Innere dessen erreichte, was einst der Weiler Rhodenstein gewesen, da zügelte Herr Edelbrecht sein Ross, um dem Burggrafen Avon Nordfalk den Vortritt zu gewähren, vertrat dieser doch an diesem Orte Frau Walpurgen daselbst. Herrn Avons Grenzreiter, die den Ort der Zerstörung zuerst erreicht hatten, umringten dieweil den Schamanen. Doch die Zeit, da der finstre Ugrashak, erbittertster Feind des Herzogtums Weiden und von maßlosen Hass auf Meister Brin erfüllt, die ganze Heldentrutz in Furcht und Schrecken versetzt hatte, war vorbei. Aus unzähligen Wunden blutend, die ihm die Lanzen und Schwerter der Grenzreiter zugefügt, stolperte der einst so Gefürchtete durch den zerwühlten Schlamm seines Feldlagers, während die Schläge seiner Keule nur mehr bloße Luft zerteilten. Dennoch schien er nicht einsehen zu wollen, dass er besiegt war. Ein Ende machte dem unwürdigen Schauspiel der Herr der Feste selbst, denn alsbald öffneten sich die Burgtore, die unter den Schlägen des mächtigen Ogers erzittert, aber nicht geborsten waren, und Meister Brin erschien unter dem Torbogen. In seiner Faust blitzte die rote Klinge des Dominiums Orkenwehr, Lirondyan, geschmiedet aus dem feuerfarbenen Stahl Uhdenbergs. Das tumbe Antlitz des Ogers zeigte fast so etwas wie Verwunderung, als er den in weiß und rot gewandeten Mann raschen Schrittes sich nähern sah, der von seiner Warte aus doch so winzig und harmlos erscheinen musste. Der Ausdruck der Verwunderung stand auch noch auf dem Gesicht des Ogers, als Lirondyan in einer fast beiläufigen Bewegung den Kopf vom Rumpf getrennt hatte und der Körper des Ungetüms donnernd zur Seite gekippt war. Dann gebot der Herr der Feste dem Treiben der Grenzreiter Einhalt. Endlich standen die beiden Gegner, die diesen unseligen Krieg mehr als alle anderen ersehnt hatten, einander Auge in Auge gegenüber. Doch es war keine Befriedigung in den Augen Herrn Brins, und auch der Glanz in den Augen des Orks war zu einem trüben Flackern erloschen. „Bring es zu Ende!“, raunte Ugrashak heiser in gutturalem Garethi, indem er sich schwer auf seine Keule stützte, da seine Beine ihn nicht mehr zu tragen vermochten. Herr Brin jedoch senkte das Schwert und wandte sich ab, zu unwürdig erschien ihm dieser Sieg, als dass er seiner Göttin dies Opfer hätte anbieten können. Schwer zu sagen, ob er es in den entsetzten Mienen Herrn Norres und Frau Rondrianas gelesen, ob er den Windzug gespürt oder das Knirschen sich spannender Muskeln gehört hatte. Ich vermute, dass er schlicht wusste, was passieren musste, weil er seinen Gegner kannte. Schnell war Ugrashak und furchtbar der Hieb seiner Keule, in den er all seinen Hass und all seine Todesverachtung gelegt hatte, doch schneller war Herr Brin, als er herumfuhr, mit einem Hieb die beinerne Keule zersplittern ließ und Lirondyan so tief in Ugrashaks Leben versenkte, dass ein schwärzlicher Blutstrahl hervorschoss. Ein tonloses Lachen entrang sich der Kehle des Schamanen, als er zusammenbrach. Einen Augenblick wälzte sich der Ork noch wohlig stöhnend am Boden, so als genieße er auf obszöne Weise das eigene Sterben, während seine Lippen die Worte „Es ist noch nicht vorbei!“ formten. Dann lag er still. Der Abtmarschall schien eben den Mund öffnen zu wollen, um etwas zu sagen, als ein eiskalter Windhauch durch die Reihen der Ritter wehte, bis an die Stelle, wo der Kriegswagen des Schamanen wie ein weggeworfenes Titanenspielzeug im Schlamm lag. Als der geschächtete Bulle, mit dessen Blut Ugrashak sein letztes finsteres Ritual gewirkt hatte, sich schwerfällig auf seine gespaltenen Hufe erhob, aus gebrochenen Augen zu uns herüberstarrte, und als sein Blick eine Sekunde lang den Blick Herrn Brins einfing, bevor er davongaloppierte, da lächelte der Herr des Rhodensteins. Fast schien etwas wie Anerkennung in diesem Lächeln zu liegen – und Kampfeslust. „Es ist noch nicht vorbei!" J.-A. L., M.M., F.S. - aus dem Aventurischen Boten Das Haupt der Orkenwehr ist frei

Das Haupt der Orkenwehr frei! Fürst Blasius und Prinz Edelbrecht Seit’ an Seit’ mit Greifenfurt & Weiden Aus dem Weidenschen der mündliche Bericht des Ritt­meisters Torben von Hammerschlag, der ein Mann des Schwertes ist, nicht der Worte, doch all dies mit eigenen Augen sah. Getreulich aufgezeichnet von Jerrit Jungberg.

In der Nacht des zweiten Tages seit unserem Aufbruch vom Reichskongreß zu Trallop saßen wir weniger als einen Tagesritt vom Rhodenstein entfernt im Weidener Nichts. Es war tiefste Nacht, wir waren geritten, bis es zu gefährlich wurde, wie auch gestern schon. Der Baron von Geistmark, Kordan, schlief unruhig neben mir, drei der vier Greifenfurter Grenzreiter, die uns begleiten, waren auch schon in Marbos Arme gesunken, der vierte wachte. Ich kam nicht zur Ruhe. Immer wieder eilten meine Gedanken voraus zum Rhodenstein. Was würde uns dort erwarten? Würden wir den Erwartungen des Prinzen genügen? Edelbrecht von Eberstamm, immer noch sagen wir „unser Prinz“, auch wenn er inzwischen Gemahl der Markgräfin von Greifenfurt ist und eher dort wirkt denn im Kosch. Mit wieviel Stolz er uns Koscher wieder erfüllt hat, als er auf dem Reichskongreß – ganz Mann der Tat – ein Heer zum Entsatz des vom Schwarzpelz umringten Rhodensteins aus­­hob. Und wieviel mehr Gnade Rondra mir zuteil werden ließ, als Edelbrecht mich an die Seite des Barons von Sighelms Halm stellte, sollten wir doch den Feind ausspähen und daher entscheidend zum Erfolg beitragen können oder zum Misserfolg. Diese Herausforderung nahmen wir gerne an. Vor dem Rhodenstein In der Abenddämmerung des dritten Tages erreichten den Rho­denstein. Es fiel uns nicht schwer, einen versteckten Lagerplatz zu finden, denn der Baron kannte das Gelände bereits. Vor dem Reichskongreß hatte er einigen Weidener Recken geholfen, durch den Belagerungsring der Orken ins Innere des Rhodensteins zu gelangen. Die Grenzreiter, die uns nun begleiten, standen schon damals unter seinem Befehl. Von unserem Lager war es nicht weit bis zu unserem Ausguck, von dem wir das Lager der Orks überblicken konnten. Im schwächer werdenden Licht konnten wir allerdings nicht viel ausmachen und anscheinend sparten die Orks auch Feuerholz. In den nächsten Tagen konnten wir uns ein genaueres Bild machen. Beobachtete Belagerer Als endlich Praios’ Antlitz über dem Horizont erschien, konnten wir das Lager der Orks in Gänze überblicken und sahen nun, warum wir keine Zelte ausgemacht hatten. Diese Tiere hatten sich in die Erde gewühlt, das Land um die Feste glich einer Wüstenei, der Weiler zerstört, die Felder verbrannt und die Erde aufgerissen von Hunderten von Löchern, und in jedem Loch ein Krieger der Zholochai. Dann fiel unser Blick auf einen riesigen Ochsenkarren und den Schamanen, der auf seiner Plattform stand. Stundenlang starrte dieser auf die Feste und wandte seine Augen nicht ab, als wolle er alleine durch seinen Blick die Mauern zum Einsturz bringen.. Keine Patrouille der Orks bedrängte uns und wir sahen nur wenige ihrer Wachen, die neben der Feste noch Augen für das Umland hatten. Es schien, als seien die Gedanken der Orks einzig auf die Einnahme des Rhodensteins gerichtet, jener Burg, die sich ihrer Begehrlichkeiten in langen Jahrhunderten ein ums andere Mal erwehrt hatte, rondraseidank. Ein Zeichen der Leuin Am nächsten Tag kam Bewegung ins Lager. Ein einzelner orkischer Reiter preschte heran und redete wild gestikulierend auf einen großen, besonders geschmückten Ork ein. Das musste Grakwach sein, der Häuptling der Zholochai. Immer wieder blickte sich dieser zu dem Schamanen um, doch dieser hockte reglos auf seiner Plattform, nahm anscheinend die Welt um sich herum nicht wahr. Und dann sandte Rondra uns ein Zeichen und wir wussten nun bestimmt, dass wir siegen würden – der Feind teilte seine Kräfte. Grakwach nahm einen Teil seiner Krieger und verließ den Belagerungsring in der Richtung aus der wir gekommen waren. Anscheinend wollte er sich dem Prinzen entgegen werfen. Der Baron und ich entschlossen uns ihm zuvor zu kommen und das Heer zu warnen. Noch in der gleichen Stunde brach seine Hochgeboren mit einem einzelnen Grenzreiter als Begleitung auf, den Ork zu überflügeln und den Prinzen zu warnen. Ich sollte währenddessen weiter beobachten und die rechte Strategie ausarbeiten. Dies würde mir schon gelingen, dachte ich, denn die vielen Jahre in den kaiserlichen Regimentern hatten mich geschult und in so manchem Stabe konnte ich bereits Erfahrung im Erstellen von Schlachtplänen sammeln und beweisen. Später erwachte der Schamane, Ugraschak, aus seiner Trance. Als er sah, was Grakwach getan hatte, war er außer sich. Zwei Orken, die zu nahe bei ihm standen, schlug er in Raserei die Schädel ein. Andere flohen vor ihm, bis er sich beruhigt hatte, dann verfiel der Schamane in dumpfes Brüten. Das Heer ist heran Zwei Tage später erreichte uns morgens die Nachricht, daß das Heer wohl zur Praiosstunde eintreffen werde. Aber auch Ugraschak mußte davon gehört haben, denn er trieb die verbliebenen Krieger gegen die Mauern und sandte seinen größten Kriegsoger, durch unheilige Zauberei noch mächtiger gemacht, gegen die Tore der Burg. Endlich über Anzahl und Art unserer Truppen, die der Prinz mit sich führte, informiert, arbeitete ich den endgültigen Schlachtplan aus, den ich vorlegen wollte, und sandte einen Boten, das Heer zu noch größerer Eile anzutreiben, denn die Mauern des Rhodensteins waren nur spärlich besetzt. Zum Glück fochten die Geweihten auf dem Rhodenstein, als führe Rondra jedem persönlich die Waffe. Endlich traf das Entsatzheer ein. Schnell legte ich dem Prinzen und seinem Vater – unserem guten Fürsten – meinen Schlachtplan vor, und sie fanden Gefallen daran. Vorwärts! Für das Reich! Schneller als erwartet konnten wir dann die Truppen für den Angriff ordnen. „So laßt uns streiten, Hammerschlag! Für das Reich, gegen die Orken, mit Rondras Hilfe!“ sprach der Prinz und gab das Signal zum Angriff. Die Schwarzpelze, noch mit dem Sturm auf die Feste beschäftigt, waren nicht mehr in der Lage sich diesem Angriff wirkungsvoll entgegenzustellen. Zuerst wurde der Troß vernichtet. Niedergeritten, aufgespießt und in Stücke gehauen. Der Zauberer Ugraschak hatte, in dem wahnsinnigen Versuch die Feste einzunehmen und sich uns entgegen zu stellen, seine Truppen nochmals geteilt. So wurden beide Teile aufgerieben. Die unzureichenden Schanzen boten den Orks keinen Schutz gegen den massierten Reiterangriff. Die Orks auf dem Feld vor der Festung wurden zwischen dem Heer und den Mau­ern aufgerieben und vollständig vernichtet, fliehende Orks von leichter Reiterei gestellt und vom Antlitz Deres entfernt. Zuletzt war nur noch der Schamane übrig. Diesen hatte sich der Herr der Feste für sich erbeten und so hinderten ihn ein Dutzend Reiter nur am Entkommen, wobei er sich zahlreiche Wunden zuzog. In einer letzten Kraftanstrengung versuchte Ugraschak noch den Herrn der Feste hinterrücks zu erschlagen, doch Abtmarschall Brin, der große Geweihte, kam ihm zuvor und streckte ihn nieder. Aber als Ugraschak mit einer Verwünschung auf den Lippen sein Leben aushauchte, erhob sich plötzlich ein toter Stier, der vor den Wagen des Schamanen gespannt gewesen war, sah uns mit glühenden Augen an und galloppierte dann davon. Unsere Reiter mußten die Verfolgung abbrechen, da die Pferde sich weigerten dem Untier zu nahe zu kommen. Auch die wenigen Pfeile, die noch abgeschossen werden konnten, schienen den Stier nicht zu kümmern. Dies unheilige Schauspiel bestärkte alle, die es gesehen hatten, nur noch in dem Wunsch, das Orkgezücht in die Niederhöllen zu schicken, aus denen solch verderbte Kräfte wohl kommen müssen. Das Kriegswerk ist getan Dann bestatteten wir unsere Gefallenen, wohl wenig mehr als ein Dutzend. Die toten Orks wurden auf riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Als endlich abends der Troß mit den Versorgungswagen eintraf war die Freude groß, und der Sieg konnte noch gebührend gefeiert werden, nicht ohne der Himmelsleuin vorher noch in einem Feldgottesdienst gedankt zu haben. Am nächsten Morgen wurde mir dann die besondere Ehre zuteil, am Tisch des Fürsten und Prinz Edelbrechts zu speisen. Zu meinem Erstaunen und meiner Freude waren nur Koscher am Tisch zu finden. An dieser Tafel verkündete dann der Fürst, daß er einen neuen Wehrmeister bestellen wolle, da der Prinz diesen Posten wegen seiner Verpflichtungen in Greifenfurt nicht mehr wahrnehmen könne. Er habe sich in der Nacht mit seinem Sohn beraten und einen Entschluß gefaßt. Alle waren wir gespannt, auf wen die Wahl wohl gefallen sei, und wer uns daheim das nächste Bier ausgeben müsse. Der Fürst nannte den Namen des künftigen Wehrmeisters und fuhr vergnügt fort: „Und damit er seine Ernennung und die Feier auch bezahlen kann, erheben Wir ihn in den Stand eines Edlen.“ Ich glaubte zu träumen. Der Name, den er genannt hatte, war meiner! „Zuviel der Ehre“ brachte ich noch heraus, sank auf die Knie. Der Fürst winkte ab, der Prinz war der erste, der mich beglückwünschte.

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